Was sie vermissen, ist der Rückhalt der kommunalpolitischen Seite, sagen sie. Doch nur im Verbund sei genug Druck auf die Bahn zu machen, damit Coburg mehr bekommt als einen ICE-Halt in einer Tagesrandlage.

Denn der ist laut Weibelzahl und Eßig nach wie vor so vorgesehen. Das habe ein Gespräch mit Vertretern der DB-Fernverkehr im März ergeben. Darauf habe sich im Sommer auch Bahnvorstand Manuel Rehkopf gestützt, als er erklärte, dass in Coburg nur früh und abends je ein ICE in jeder Richtung halten werde. Das wurde zwar von der Bahn inzwischen dementiert (auf Betreiben des Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach, CSU), aber Eßig und Weibelzahl sind sich sicher: Wenn es nicht gelingt, die Bahn davon zu überzeugen, dass sie mit Coburger Fahrgästen Geld verdienen kann, dann wird der ICE den größten Teil des Tages an Coburg vorbei fahren.

Lückenschluss nicht
blockieren

Dass der Lückenschluss geschaffen werden muss, mit einer Trasse durchs Lautertal, gilt beiden als ausgemacht. Nicht auf der früheren Werrabahntrasse, versichert Eßig. Denn da stehen schon Häuser. Was aber Weibelzahl und Eßig nicht verstehen und deshalb verhindern wollen, ist, dass Lautertal weitere Baugebiete auf der möglichen Umgehungstrasse ausweist. Wenn die Region schon ICE-Anschluss haben wolle, dann müssten auch die Folgen in Kauf genommen werden, sagt Eßig.

Das gilt auch für Dörfles-Esbach. Dort werden die Bahnübergänge nur technisch für den ICE umgerüstet, Unterführungen gibt es nicht. Sobald ein ICE die Schnellstrecke verlässt und Coburg anfährt, werden die Dörfles-Esbacher Bahnübergänge geschlossen, und zwar so lange, wie sich der ICE auf der Einschleifstrecke befindet, prophezeit Eßig: 18 Minuten lang. Das werde, sagt er, auf Dauer den Durchfahrtsverkehr verringern, denn die Autofahrer würden dann auf die Autobahn ausweichen.

In Südthüringen hätten die Kommunalpolitiker schon erkannt, dass sie um den Lückenschluss kämpfen müssen, sagen die beiden Verbandsvertreter. Denn nur so habe auch Südthüringen eine Chance auf einen ICE-Systemhalt, der sich dann in Coburg befinde. Nur die Coburger Region tue noch zu wenig. Und sie verpasst es womöglich, Weichen zu stellen: Sowohl in Creidlitz als auch im Bereich der Rodacher Straße sollen Bahnunterführungen gebaut werden. Eingleisig, sagt Eßig. Wenn aber der ICE ohne Zeitverlust durch Coburg fahren soll, müsse die Strecke zweigleisig ausgebaut werden, zumindest von Niederfüllbach bis zur Ortsgrenze von Dörfles-Esbach.

Nach Berlin über Bamberg

Der ICE-Halt alle zwei Stunden in Coburg sei allein schon deswegen notwendig, um die Fahrtzeit in Grenzen zuhalten, argumentiert Gerd Weibelzahl: Wenn es bei der jetzigen Fahrplangestaltung bleibe, erreichen die Regionalzüge aus Coburg und Lichtenfels Bamberg erst dann, wenn der ICE in Richtung München schon abgefahren ist. Heißt: Entweder fast eine Stunde warten (weil die ICE-Züge jede Stunde in Bamberg und Erlangen stoppen sollen) oder bis Nürnberg im Regional-Express fahren. Wer tagsüber in Richtung Berlin will, müsse ebenfalls bis Bamberg fahren, wo er dann in den ICE steigt, der ihn an Coburg vorbei gen Norden bringt, erläutert Weibelzahl weiter: Ein Fahrtzeitverlust von gut zwei Stunden.

Politischer Druck und der Lückenschluss können laut Weibelzahl und Eßig dazu beitragen, für Coburg einen ICE-Systemhalt zu sichern. Und ein neues Gutachten, für das noch Geldgeber gesucht werden. Der Bahn soll bewiesen werden, dass das Fahrgastpotenzial in Coburg höher ist als die 300 Fahrzeuge, die sie dafür ansetzt. "2014/15 soll es vorliegen", sagt Eßig.