Die Kosten für die HUK-Coburg-Arena sorgten von Anfang an für Streit in Coburg. 15,4 Millionen Euro - das erschien vielen als zu teuer. Am Ende bezahlte die Stadt 12,66 Millionen Euro dafür - weil sie die Mehrwertsteuer abziehen konnte und weil sie eine Vertragsstrafe von 768 000 Euro geltend machte.

Das wiederum wollte sich die Bauträgerfirma Sport-Stadia-Net (SSN) nicht bieten lassen und klagte: Die Stadt habe die Verzögerungen mit zu verantworten gehabt und damit auch Mehrkosten beim Bau verursacht. Deshalb forderte SSN 2,2 Millionen Euro zurück. Vor der Kammer für Handelssachen am Landgericht Coburg einigten sich die Prozessbevollmächtigten nun auf einen Kompromiss: Die Stadt zahlt 575 000 Euro, damit ist alles abgegolten. Sowohl der Stadtrat als auch der Vorstand von Sport-Stadia-Net müssen diesem Vorschlag aber noch zustimmen.

Hätte die Kammer für Handelssachen das Verfahren führen müssen, wäre das langwierig und teuer geworden, sagte der Vorsitzende Richter Christoph Gillot am Dienstag beim Gütetermin. Er rechnete den beiden Parteien vor, wie ihre Chancen auf Prozessgewinn bei jeder Streitfrage standen. Und deren gab es einige: Wie viele Tage Verzögerung beim Bau hat die Stadt zu verantworten, weil Teilgenehmigungen zu spät kamen? Hat sie die rund 58 000 Euro Mehrkosten zu verantworten, weil ein drittes Kabel zur Stromversorgung gelegt werden musste, damit die Halle auch für die Handball-Bundesliga hell genug ist?

Gillot dröselte die Klage in insgesamt sieben solcher Fragestellungen auf. Bei einigen gab er SSN gar keine Chance, den Prozess zu gewinnen, bei anderen Fragen lag die Wahrscheinlichkeit, Recht zu bekommen, bei 90 Prozent. Insgesamt aber, so Gillot, müsse SSN bei seinen Schadensersatzforderungen gewaltige Abstriche machen. Das galt vor allem bei den Schadenersatzforderungen gegen die Stadt wegen der Bauzeitenverlängerung: Denn selbst, wenn die Stadt eine Teilbaugenehmigung erst 43 Tage später erteilt habe als angekündigt, könne das nicht alle Arbeiten so gravierend verzögert haben, wie SSN behaupte. Am Ende errechnete Gillot einen Entschädigungsbetrag von rund 96 000 Euro, den SSN erwarten könne - etwa ein Zehntel der in der Klage geforderten Summe.

Rechtsanwalt Marten Beck, der die Stadt Coburg vertrat, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass hier die von SSN selbst verschuldeten Verzögerungen noch gar nicht berücksichtigt seien: "In der besten Bauzeit stand wochenlang die Baustelle still!"

Insgesamt wurde die Halle 160 Tage später fertig als vertraglich vereinbart. Schon bei einer Verspätung von 25 Tagen konnte die Stadt die volle Vertragsstrafe geltend machen. SSN hatte gegen diese Klausel im Vertrag geklagt, hatte aber in zwei Instanzen gegen die Stadt verloren.

Die Stadt hatte also 768 000 Euro vom Endbetrag abgezogen - doch SSN wollte das Geld wieder. Auch hier ging Gillot die Prozesschancen durch. Hier habe die Stadt die Beweislast, ob die Vertragsstrafe gerechtfertigt war. Und selbst wenn ihre Prozesschancen durchweg bei 75 bis 100 Prozent lagen, so handele es sich doch um vier Streitfragen, in denen die Stadt eben auch unterliegen könne, rechnete Gillot vor. So stelle sich die Frage, ob die von der Stadt möglicherweise verursachten Verzögerungen den Bauzeitenplan so durcheinander brachten, dass er vollkommen "zerrüttet" war, wie Gillot sagte. Er hielt es deshalb für möglich, dass die Stadt die Vertragsstrafe etwa zur Hälfte zurückzahlen müsse.

Rechtsrat Willi Kuballa wollte der Argumentation nicht folgen. Trotzdem schlugen er und Marten Beck am Ende eine Vergleichssumme von 575 000 Euro vor - ziemlich nah an dem Betrag, den das Gericht errechnet hatte (595 000 Euro) und genau in der Mitte zwischen dem, was SSN zuletzt forderte (800 000 Euro) und dem, was Kuballa zugestehen wollte (350 000 Euro). Bis 12. Juni muss SSN erklären, ob das Unternehmen dem Vergleich zustimmt. Der Stadtrat hat bis 30. Juni dafür Zeit.