Am Montag sollte die Suche nach dem Vermissten 34-Jährigen aus Seßlach weitergehen. Doch das Wetter ließ es nicht zu, die Einsatzkräfte konnten noch nicht ausrücken. Am Montag vor einer Woche hatte das Wasser in der Höllentalklamm offenbar eine 33-Jährige aus Lichtenfels sowie ihren Lebensgefährten mitgerissen. Die Frau wurde gefunden, bei dem Mann gibt es keine endgültige Gewissheit, wobei es auch kaum noch Hoffnung gibt, ihn lebend zu finden.

Einsatzleiter Hans Steinbrecher vom BRK sagte am Montag: "Es gibt immer noch Unwetterwarnungen, die Pegel im Tal sind zu hoch. Ab Mittwoch soll sich das Wetter beruhigen, dann erst kann die Suche nach dem Vermissten weitergehen." Auch so genannte Canyoning-Teams werden dann im Einsatz sein. Aber selbst für diese Spezialisten der Bergwacht ist das kein einfacher Einsatz, sagt Steinbrecher. "Das ist eine komplizierte Angelegenheit, die Leute müssen sich über Klettergurte immer wieder absichern." Man müsse sich ein Gelände vorstellen, das aus Stufen besteht, aber immer wieder unterbrochen sei von natürlichen Hindernissen. "Mal von Wasserfällen, mal von Felsen oder mal von Engstellen." Bislang ist unklar, wie es genau zu dem Unglück kommen konnte. Augenzeugen hatten berichtet, das Paar sei vom Wasser erfasst worden, als es auf einem Steg stand. Allerdings hatte sich wohl keine große Flutwelle durch das Tal ergossen, wie zunächst berichtet worden war. Der Wasserpegel hatte nach Informationen unserer Zeitung nach Regenfällen gerade einmal 20 bis 30 Zentimeter über der normalen Höhe gelegen. Nach Regenfällen am Wochenende sind die Pegel aber nun so gestiegen, dass der Einsatz der Suchtrupps vorerst nicht möglich ist. Die Angehörigen werden weiter von Notfallseelsorgern betreut.

Wichtig, den Unfallort zu sehen

Was aber können die tun, wenn Menschen so eine schlimme Nachricht bekommen? Der Lichtenfelser Notfallseelsorger Simon Croner und sein Team aus rund zwei Dutzend evangelischen und katholischen Geistlichen sind genau für derartige Situationen ausgebildet. "Wir sind involviert in diesen Fall", sagt er. Es gehe bei derartigen tragischen Ereignissen generell darum, da zu sein, zuzuhören und die Trauerreaktionen aufzufangen. Für die Bewältigung eines tragischen Geschehens sei es für Hinterbliebe wichtig, den Ort zu sehen, an dem das Unglück passiert ist.

Die Familie aus Roth im Landkreis Lichtenfels ist schwer getroffen. "Wir Notfallseelsorger arbeiten im Hintergrund", fährt er fort. Einer seiner Kollegen betreue die Familie. Neben der eigentlichen Trauerarbeit versuchten Notfallseelsorger, auftretende Belastungsreaktionen zu kompensieren. Sie seien ferner behilflich, die Betroffenen an andere Beratungsstellen weiterzuverweisen, die, wenn erforderlich, eine längerfristige Betreuung übernehmen können. Oft sei es wichtig, eine Begleiterrolle wahrzunehmen, um die Familie zu unterstützen. Auch Informationen zum jeweiligen Stand der Unfallermittlungen oder zum Stand der Vermisstensuche geben die Seelsorger behutsam an die Trauernden weiter. Bei Brandeinsätzen, sagt Croner, halten die Notfallseelsorger die Evakuierten zum Beispiel darüber auf dem laufenden, was im Haus erhalten geblieben ist und was zerstört wurde. Die Notfallseelsorger seien so etwas wie Anwälte der Verunglückten und deren Angehöriger.

Eine Frau aus Isling im Landkreis sagt dieser Zeitung, dass sich die Menschen aus Roth und Isling einig seien, der Presse gegenüber aus Pietätsgründen nichts zu sagen: "Die Familie will jetzt ihre Ruhe haben." Simon Croner sagt, er habe in den sieben Jahren als Notfallseelsorger bisher keine Probleme mit aufdringlichen Nachfragen machen müssen. Gegebenenfalls würden er und seine Kollegen sich schützend vor die Betroffenen stellen, um zu verhindern, dass die emotional aufgewühlten Menschen etwas sagen, was sie bereuen würden.