Es ist das perfekte Pflanzwetter - regennass, ein bisschen nieselig und Temperaturen im zweistelligen Bereich. Die Sennigshöhe ist am Samstag Ziel für rund 150 Naturschützer, Baumretter und Naturfreunde, die mit Hacke und Spaten und bestenfalls mit Gummistiefeln ausgerüstet dem Aufruf des Thüringerwald-Vereins Coburg gefolgt sind.

Bei dieser groß angelegten Baumpflanzaktion des Thüringerwald-Vereins Coburg wurden am Samstag im Naturschutzgebiet Sennigshöhe bei Mirsdorf rund 500 Tannen und Buchen gepflanzt. Insgesamt sollen in den nächsten Monaten 2500 neue Bäumchen hier den durch Borkenkäfer- und Dürre geschädigten Wald wieder stärken. Mit dieser Pflanzaktion ist der Startschuss gegeben für eine umfangreiche Baumpflanzaktion im Naturschutzgebiet Sennigshöhe.

Baumpatenschaften

Dieter Schubert, Vorsitzender des Vereins, und Mike Tendera, Hüttenwart der Alexandrinenhütte und engagierter Mitorganisator, freuten sich über den großen Zulauf. "Die Bäume müssen jetzt in den Boden", meinte Schubert. Und dazu, ergänzte Tendera, brauche es Feuchtigkeit und Manpower. Beides war vorhanden.

Dazu kommt die Idee der Baumpatenschaften. Mit zehn Euro ist man dabei, übernimmt die Patenschaft über ein Bäumchen und hat seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Ein kleiner, freilich, appellierte Vizelandrat Christian Gunsenheimer an die zahlreichen Baumpaten vor Ort. Neben dem Pflanzen von Bäumen müsse man sich auch im Alltag Gedanken machen, wie mehr zu tun ist für Energiewende, Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Und: "Wer heute pflanzt, das wünsche ich mir, möge auch im kommenden Sommer ab und an mal mit einem Gießer Wasser kommen und seinem Bäumchen helfen."

Die Pflanzfläche war gut vorbereitet. Dort hatten überwiegend Fichten gestanden, die als Borkenkäfer- oder als Dürreholz gefällt werden mussten. Der Zustand des Baumbestandes im Thüringer Wald ebenso wie im Frankenwald, sagte LBV-Kreisvorsitzender Frank Reißenweber, sei mehr als bedenklich. "Vor allem die Fichtenbestände sind massiv geschädigt - durch die Trockenheit in den vergangenen Sommern und den Borkenkäfer." Auch deshalb will sich der Thüringerwald-Verein nach Kräften für einen nachhaltig gesunden Wald einsetzen.

Bereits rund 300 Stunden, erzählte Schubert, haben die Mitglieder des Vereins und ihre Mitstreiter ehrenamtlich investiert, um das Schadholz zu schlagen und aufzuarbeiten sowie einen Zaun zu ziehen, um den neu gepflanzten Jungbestand vor Wildverbiss zu schützen.

Wiederaufforstung

Das Naturschutzgebiet Sennigshöhe besticht insgesamt durch seinen Komplex aus extensiv beweideten Kalkmagerrasen, blütenreichen Waldinnensäumen und lichtem Fichten- und Kiefernwald mit viel Wacholder. Er ist ökologisch im Muschelkalk der Langen Berge besonders hochwertig, wächst aber mit Unterholz (unter anderem Weißdorn, Schlehe und Hartriegel) trotz laufender Schafbeweidung stellenweise schon stark zu.

Dürrejahre und Borkenkäfer stellen den Thüringerwald-Verein Coburg gerade eben vor große Herausforderungen. Nachdem bereits in den Jahren 2018/2019 und auch noch in diesem Jahr fast der komplette Fichtenbestand entnommen werden musste, gilt es nun, die Lücken wieder zu schließen und den Wald für die nächsten Generationen fit zu machen. Ein Konzept zur Wiederaufforstung, natürlich im Einklang mit der Naturschutzgebiet-Verordnung, ist mit Naturschutzfachleuten aller zuständigen Behörden und Verbände erarbeitet. Und so dürfen sich bald standortheimische Baumarten, die sich den trockenen Verhältnissen besser anpassen, finden lassen, und die Fichte weicht dann Elsbeere, Wildkirsche, Hainbuche, Spitzahorn und vielen anderen Baumarten.

Meeders Bürgermeister Bernd Höfer, selbst Mitglied im Förderverein des Thüringerwald-Vereins, war mit seiner Lebensgefährtin Sabine und mit Johannes gekommen. Sie wollten an diesem Tag gleich zehn Bäume pflanzen und damit deren Patenschaft übernehmen. "Wir wollen uns aktiv für die Natur einsetzen und etwas tun für die nachfolgenden Generationen", erklärte Bernd Höfer. Übrigens in vielfacher Hinsicht sind er und Sabine dabei. Zu jedem Ehrentag in der Verwandtschaft oder im Freundeskreis hatte es in den vergangenen Monaten eine Baumpatenschaft als Geschenk gegeben, und 1000 Euro wurden zudem gespendet. Auch für Höfers verstorbenen Vater wurde an diesem Tag ein Bäumchen gepflanzt.

Von Intersport-Wohlleben aus Rödental war gleich eine ganze Mannschaft dabei. "Wir haben die Mehrwertsteuersenkung auf Wunsch der Kunden gesammelt, insgesamt 2600 Euro, und dafür 260 Baumpatenschaften gekauft", erzählte Stefanie Rauscher vom Team, während ihr Mann Jochen gemeinsam mit den kleinen Töchtern Lotta und Fanni Bäumchen pflanzte. Das Pflanzloch mit der Hacke vorzubereiten, sah dabei ziemlich anstrengend aus.