Iatros Verlag Sonnefeld. - Seit einigen Jahren taucht dieser Name mit eben diesem Firmensitz bei (Buch-) Veröffentlichungen von Autoren aus der Region auf. Ein Unternehmen, das Druckwerke hervorbringt, vor allem auch literarische, hier, mitten in unserer doch sehr ländlichen Gegend?

Heidi Fischer und Nicole Eick etwa, die sich mittlerweile einen geachteten Namen mindestens hier in der Region erschrieben haben, veröffentlichen ihre Werke in diesem Verlag. Und nein, es ist keiner dieser Organisationen, die einfach alles herausbringen, solange der von sich und seiner Mission überzeugte Autor nur zahlt. "Wir sind kein Zuschussverlag", betont Awad Eckstein. "Wir veröffentlichen, was wir für beachtenswert halten."

Awad Eckstein gründete vor 30 Jahren zusammen mit seiner aus Lichtenfels stammenden Frau Heike den Iatros Verlag. Vor sechs Jahren erwarben die beiden das Haus in Gestungshausen und zogen von Potsdam nach Oberfranken, "weil es uns hier schon immer so gut gefallen hat". Dank moderner Kommunikationstechnik kann man einen Verlag heute auch aus dem ländlichen Raum heraus betreiben.

Awad Eckstein, 1950 geboren, hat libysche Wurzeln, wuchs aber in den USA auf. Mit 18 Jahren landete er mehr oder weniger zufällig in Frankfurt und blieb da, studierte Informatik, arbeitete als Programmierer im Bereich der Flugreservierung für internationale Fluggesellschaften. Später war er bei DHL Telekommunikationsmanager sowie IT-Europadirektor bei Kimberly Clark.

Es war seine Frau Heike, die den Verlagsbezug herstellte. Die Gerontopsychologin arbeitete nebenher für Fachverlage. "Damals mussten endlos Druckwerke digitalisiert werden; irgendwann haben wir Tag und Nacht gescannt." Bis den beiden der Gedanke kam: Was die können, können wir in Eigenregie auch. Die Materie hatten sie mittlerweile kennengelernt. Es gab Nachfrage und Bedarf im medizinischen und akademischen Bereich. Und die beiden pflegten einen großen Bekanntenkreis, viele Mediziner, so kam auch der Verlagsname zustande. Nein, nicht von "iatrogen" für von Ärzten durch ihre Behandlung erst verursachte Erkrankungen her, wie unter den Freunden gewitzelt wurde, sondern mit Bezug auf Iatros, einem Beinamen Apollons, der ja auch der griechische Gott der Heilkunst war.

Regionale Kontakte

Das also war um 1990 herum. Mittlerweile hat der Verlag etwa 350 Titel im Programm und veröffentlicht jährlich weitere 25, mit dem Bestreben allerdings, sich im Hinblick auf das Alter des Verlagsleiters etwas zu beschränken. "Wir bleiben für unsere Freunde aktiv", betont Eckstein aber sofort. Denn seine Autoren sind oftmals zu Freunden geworden, erzählt er. "Das geht bei uns alles sehr persönlich und familiär zu."

Zur Coburger Autorenvereinigung "Schreibsand", haben die Ecksteins selbst Kontakt aufgenommen, sich Lesungen angehört. Der Iatros Verlag sei aber schon immer überregional ausgerichtet gewesen, habe auch österreichische und schweizerische Autoren. Zum den Bereichen Gesundheitswesen, Akademisches und dem Juristischen kam die Reisesparte hinzu. "Wir waren schon immer sozial engagiert und hatten Kontakt zu vielen internationalen Hilfsorganisationen", berichtet Eckstein. "Wir wollten keine Reisebücher für Luxusreisende, sondern mit Bezug zum wirklichen Leben."

Und neben der Sachbuch-Reihe wurde mehr und mehr auch die Belletristik ausgebaut, Eckstein will neue Autoren fördern. Heute umfasst diese Sparte Lyrisches, Romane, eben auch von Autoren, die sich hier in der Region aufgemacht haben, auch allerlei Fränkisches.

Außerdem hat der Verlag nun schon zum vierten Mal den "Fränkischen Kurzgeschichtenpreis" ausgeschrieben, zusammen mit der Autorengemeinschaft "Schreibsand" und unter dem Motto "Begegnungen".

Muss alles veröffentlicht werden?

Übrigens hat Awad Eckstein auch selbst zwei Bücher geschrieben, über den arabischen Mediziner und Gelehrten Abul-Kasim (936 - 1013) und unter dem Titel "Afrikanische Skizzen" über Sklaven, Entdecker und Flüchtlinge.

Es scheint so, als habe die zunehmende Gemeinde der schriftstellerisch Ambitionierten in der Region ein Forum gefunden. Doch Awad Eckstein sagt auch: Er muss so manches ablehnen. Die Überzeugung, dass das eigene Leben unbedingt einer größeren Öffentlichkeit kund getan werden müsse, nimmt eindeutig zu.

Dass Schreiben der Selbstvergewisserung und Lebensbewältigung dient, ist klar. Schreiben ist eine wunderbare, lebensbereichernde Beschäftigung. Doch muss wirklich alles, was eins im Tagebuch-Format oder für die Familie verfasst, gut aufgehoben war, an die Öffentlichkeit? Davon abgesehen aber ist Eckstein immer wieder überrascht, was alles auch an guten Geschichten zutage kommt.

Jedenfalls nimmt die Zahl der Veröffentlichungen, für deren Druck der Autor selbst so einiges hinblättert, zu. Awad Eckstein verlangt von seinen Autoren, dass sie eine begrenzte Zahl von Büchern mit (35-prozentigem Autorenrabatt) selbst übernehmen, schon aus erzieherischen Gründen. "Die Autoren müssen selbst in die Öffentlichkeit und lesen, das ist wichtig."

Was lehnt der Verleger ab? Alles was rechts- oder linksradikal ist, kommt nicht in Frage. Und dann: "Wenn mich die Sprache langweilt." Seine Frau, die sei wirklich "gnadenlos, die fragt sehr schnell: Wer soll das lesen." Womit sie ja recht habe, schließlich sei der Iatros Verlag ein Wirtschaftsunternehmen. "Wir müssen sehr aufpassen. Schau'n Sie doch mal, wie viele Verlage Jahr für Jahr verschwinden?".

Wenn der Iatros Verlag neue Autoren unter Vertrag nimmt, werden deren Werke zunächst in einer Auflage von 200 Stück gedruckt, bei Druckereien in Berlin und Köthen, mit denen die Ecksteins schon immer zusammengearbeitet haben. Das tolle an der modernen Technik heute: Bei Bedarf ist auf Zuruf sehr schnell, innerhalb einer Woche, nachgedruckt und geliefert. Auch aus der sogenannten Provinz heraus.

Selbst künstlerisch

Ü brigens war Awad Eckstein, wie er erzählt, schon von Kind an ein Kritzler und Zeichner. Und seit einiger Zeit betätigt er sich auch selbst richtig künstlerisch, keineswegs im Hinblick auf die Illustration von Büchern. Im ganzen Haus hängen bereits Werke unterschiedlichster Stilrichtungen.

Eckstein ist auch ausgebildeter Fotograf. Darüber hinaus nimmt er eigene Zeichnungen und Malereien, um sie dann am Computer weiterzuentwickeln. Heraus kommt Expressionistisches, stimmungsvoll-aquarellartige Landschaften, Vielerlei. Eckstein ist gegenwärtig bei der Jahresausstellung des Kronacher Kunstvereines dabei. Im Mai kommenden Jahres wird er in der Coburger Stadtbücherei ausstellen. Weitere Einzelausstellungen sind im Schloss Schney, im Rheinhessischen, wohin die Ecksteins noch immer intensive Beziehungen haben, und in der Eifel in Vorbereitung. "Und es gibt Gespräche mit Galerien in Berlin", berichtet Eckstein mit Stolz.