Es war zunächst ein ebenso unspektakulärer wie aber auch schöner Gottesdienst: In der Predigt ging es um die Suche nach dem Sinn des Lebens, dann wurde ein kleiner Junge getauft und die Gemeinde sang mehrere Lieder, begleitet von Stadtkantor Peter Stenglein an der Orgel. Doch kurz vor Schluss folgte dann der Paukenschlag: Als Pfarrerin Gertrud Göpfert einige Bekanntmachungen vorlas, kündigte sie plötzlich an, auch noch etwas "in eigener Sache" sagen zu wollen. Sie werde die Kirchengemeinde St. Moriz verlassen und auf eine derzeit noch vakante Pfarrstelle im Landkreis Coburg wechseln.

Viele, die am Sonntagvormittag in Coburgs größtes Gotteshaus gekommen waren, zeigten sich bestürzt.
Als sich die Gemeindeglieder nach draußen begaben und an der Tür von Gertrud Göpfert per Handschlag verabschiedet wurden, flossen sogar Tränen.


Hintergründe unklar

Zu den Hintergründen ihres Abschieds wollte sich Gertrud Göpfert nicht äußern. Es gilt aber schon seit längerem als offenes Geheimnis, dass die Pfarrerin, die im September 2014 nach St. Moriz gekommen war, und wesentliche Teile der Gemeinde irgendwie nie so richtig warm miteinander geworden sind.


Schwierige Kirchensanierung

Dabei hatte sich Gertrud Göpfert speziell auf der Zielgeraden der schwierigen, weil sehr teuren Sanierung der Morizkirche sehr verdient gemacht. Auch die Arbeit mit Kindern lag und liegt ihr am Herzen. So hatte sie noch am Samstag mit ihrer Kollegin, Pfarrerin Martina Schwarz-Wohlleben, eine spannende Kinderkirchennacht in St. Moriz organisiert und bis in den späten Abend hinein betreut.

Nach dem Gottesdienst am Sonntag wurde bei einigen Gemeindegliedern Unmut laut. Hier sei "Mobbing" betrieben worden, hieß es.

Vom Kirchenvorstand war am Sonntag keine offizielle Stellungnahme zu erhalten. Man sei aber, so sagte es ein Mitglied dem Tageblatt auf Anfrage, von der Entscheidung Gertrud Göpferts "genauso überrascht wie die meisten Gemeindeglieder". Am Montag kommt der Kirchenvorstand ohnehin zu einer turnusmäßigen Sitzung zusammen. Hauptthema sollte aber eigentlich die Wahl eines neuen Vertrauensmannes sein, nachdem der bisherige kürzlich zurückgetreten war.

Der Sonntag endete in St. Moriz wie immer mit einem Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst. "Kaffee?", fragte ein Mann, der noch sichtlich geschockt war vom Verlauf des Gottesdiensts, "ich bräuchte jetzt eigentlich einen Schnaps."

Die Gemeinde St. Moriz Die Sprengel der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Moriz umfassen weite Teile der Coburger Innenstadt. Aktuell zählt St. Moriz ungefähr 5000 Gemeindeglieder. In der Gemeinde gibt es drei Pfarrstellen, von denen eine automatisch mit dem Posten des Dekans verbunden ist. Gertrud Göpfert hatte im September 2014 die Nachfolge von Pfarrer Markus Merz als geschäftsführende Pfarrerin angetreten. Die Pfarrstelle, die zugleich den Posten des Dekans beinhaltet, ist nach dem Rückzug von Christoph Liebst derzeit noch vakant, doch mit Stefan Kirchberger steht der Nachfolger bereits fest; er soll vermutlich im November in sein Amt eingeführt werden. Die dritte Pfarrstelle in St. Moriz hat Martina Schwarz-Wohlleben inne.