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Coburg
Premiere

Gegen die üble Hexengesellschaft

"Die kleine Hexe" von Otfried Preußler bannt am Landestheater Coburg in der Regie von Leila Müller das Böse in der Welt des Kindertheaters. Vorläufig zumindest.
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Die kleine Hexe kann mit ihren guten Taten nicht bestehen vor dieser üblen Hexengesellschaft.  Fotos: Henning Rosenbusch
Die kleine Hexe kann mit ihren guten Taten nicht bestehen vor dieser üblen Hexengesellschaft. Fotos: Henning Rosenbusch
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"Was sollen wir denn in unsere Körbe tun", damit sie in Notzeiten nicht frieren müssen, weinen die alten Holzweiblein. Die kleine Hexe überlegt nicht lange und hilft. Im herrschenden Hexen-System aber wird ihr diese gute Tat gar nicht gut bekommen.
Was sollen wir den Kindern in ihre Seelenkörbe tun? Zur Orien tierung für gute wie für schlechte Zeiten? Otfried Preußler ("Krabat", "Der Räuber Hotzenplotz", "Das kleine Gespenst") hat mit seinen Kinderbüchern Geschichten geschaffen, die auf originelle und einprägsame Weise unmittelbar helfen bei der schwierigen Orien tierung zwischen Gut und Böse. Seine kleine Hexe ist eine schlechte Hexe, wenn sie ein guter Mensch ist. Otfried Preußlers kleine Hexe trifft mutig und entschieden ihre Wahl. Und macht dabei die Welt zu einer besseren: Sie befreit die Welt mit Witz und Einfallsreichtum von allem bösen Hexenzauber.


Zipfeliges Hexenhaus

Das Landestheater Coburg hat sich bei der Produktion seines Weihnachtsmärchens 2014 für den Weg des geradlinigen, unmittelbaren Kindertheaters entschieden - und wirkt damit heuer nicht weniger zauberhaft als es jene derzeit sehr beliebten, mit tausend Thea termitteln jong lierenden Zauberstücke tun. Regieassistentin Leila Müller hat Otfried Preußlers Buch "Die kleine Hexe" so auf die große Bühne gebracht, dass kleinere wie größere Kinder in direkter Ansprache, aber ohne Anbiederung mitgenommen werden auf den Weg zum Hexengipfel.
Beherzt und suggestiv spielen Anna-Lena Seiler und Reinhold Kammerer das ehrgeizige Hexenmädchen und ihr seelenvolles Gegenüber, den Raben Abraxas. Zipfelig und heimelig lehnt das liebevoll gemalte Hexenhaus von Bühnenbildner Thomas Döll im Wald. Den Schrecken des Bösen aber lässt er sehr wohl ebenso unmittelbar heraufdonnern, wenn die Vertreterinnen ihrer Zünfte, die Moor- und die Knusperhexe, die Wald- und die Kräuterhexe, die hinterhältige Mume Rumpumpel (Friedrike Pasch) zum Tribunal im sumpfig und neblig blubbernden wilden Wald zusammenkommen.

Da tanzen die Schrecklichen

Devi Saha hat die Typen mit ihren Kostümen einfallsreich charakterisiert, rosenbeinig die kleine Hexe und rosenbeinig sogar den vielfedrigen Raben Abraxas, düster schillernd die bösen Hexen. Nils Liebscher und Vincent Wojdacki springen versiert in diverse prägnante Charaktere. Die Statisterie des Landestheaters versammelt sich zum wüsten Hexentanz auf dem Blocksberg. - Wenn nach anderthalb für Klein wie Groß unterhaltsame Stunden die kleine Hexe den großen das Hexen abgehext hat, dann ist zumindest die Coburger Theaterwelt bis Weihnachten in Ordnung.

Otfried Preußler, 1923 im böhmischen Reichenberg geboren, gestorben 2013 in Prien am Chiemsee, hat mit seinen in insgesamt 55 Sprachen übersetzten 32 Büchern bisher eine Gesamtauflage von 50 Millionen Exemplaren erreicht. Preußler überstand nach dem Abitur den Einsatz an der Ostfront und verbrachte fünf Jahre in sowjetischer Gefangenschaft. Er litt unter Typhus, Malaria und Fleckfieber und magerte bis auf 40 Kilogramm Körpergewicht ab. 1949 fand er im oberbayerischen Rosenheim seine heimatvertriebenen Angehörigen und seine Verlobte Annelies Kind wieder, die er noch im selben Jahr heiratete. Das Paar bekam drei Töchter.
Preußler war von 1953 bis 1970 Volksschullehrer und Rektor an der später nach ihm benannten Otfried-Preußler-Schule in Stephanskirchen. 1956 erschien sein erstes Buch "Der kleine Wassermann".

Landestheater Coburg
Die kleine Hexe. Schauspiel für die ganze Familie nach einem Buch von Otfried Preußler. Inszenierung Leila Müller, Bühnenbild Thomas Döll, Kostüme Devi Saha, Dramaturgie Dirk Olaf Hanke.

Darsteller Anna-Lena Seiler (die kleine Hexe), Reinhold Kammerer (der Rabe Abraxas),
Nicola Trub, Friederike Pasch,
Vincent Wojdacki, Nils Liebscher. Statisterie.

Weitere Termine: 18., 21. November, 9 und 11.30 Uhr, 23. November, 11 und 14 Uhr; zahlreiche weitere Aufführungen bis 11. Januar.
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