Das bekannteste Mitglied der Coburger Familie Wertheimer ist Alfred. Er wurde durch seine Fotos von Elvis Presley berühmt, sein Nachlass umfasst rund 3000 Aufnahmen des Rock 'n' Roll-Stars. Was aber wäre aus dem Sohn des jüdischen Metzgermeisters Julius Wertheimer und seiner Frau Käthe geworden, wenn die beiden 1936 nicht mit ihren Söhnen Alfred und Heinz vor dem Nationalsozialismus in die USA geflohen wären?

Darüber nachzudenken, ist unter anderem Zweck von Stolpersteinen, die der Kölner Künstler Gunter Demnig herstellt und selbst verlegt. Das tat er auch am Montag.

Seit 2008 gibt es die Steine mit Messingplatte an der Oberseite in Coburg. Sie sollen an Menschen jüdischen Glaubens erinnern, die Opfer des Holocaust wurden oder rechtzeitig die Stadt und das Land verlassen konnten.

So wie die Wertheimers. Vor deren ehemaliger Metzgerei im Steinweg 53 wurden gestern vier Stolpersteine verlegt. Wie Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) erläuterte, war Käthe Wertheimer die treibende Kraft bei den Fluchtplänen. Sie hatte Verwandte in den USA. Ihr Mann Julius zögerte zunächst, hatte er doch viel Geld in die Einrichtung seines Geschäfts im Steinweg gesteckt, obwohl ihm das Haus nicht gehörte. "Dank des Engagements von Käthe hat die Familie überlebt", stellte Thomas Nowak fest.

Am 2. Juli 1936 kamen die Wertheimers in New York an. Julius war damals 50 Jahre, Käthe 40, die Kinder Heinz und Alfred zehn und sechs Jahre alt. Im Stadtteil Brooklyn ließen sie sich nieder. Julius Wertheimer starb 1971 im Alter von 85 Jahren, seine Frau Käthe 1990 im Alter von 95 Jahren. Heinz Wertheimer lebte bis zu seinem Tod mit seiner Familie in Forest Hills, New York.

Den 21-jährigen Elvis fotografiert

Und Alfred? Im Alter von 26 Jahren erhielt der Fotograf den Auftrag, den 21-jährigen, noch unbekannten Elvis Presley auf seiner Tournee durch die USA zu begleiten und zu fotografieren. Als der schließlich ein Superstar wurde, bekamen Wertheimers Aufnahmen eine ungeahnte Bedeutung. Er wurde berühmt und lichtete auch andere Prominente ab - darunter Eleanor Roosevelt, Nina Simone, Paul Anka, John und Jacky Kennedy, Richard und Pat Nixon.

Kurz nach dem Krieg kam Alfred Wertheimer noch einmal zurück nach Coburg und erlebte eine Stadt, die mit ihrer Vergangenheit noch nicht so recht umgehen konnte. Anders bei seinem Besuch 2014. Der Fotograf war auf Einladung des Elvis-Fans Helmut Radermacher in die Vestestadt gekommen. Es gab einen Empfang durch Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), und Alfred Wertheimer trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein. "Das war für ihn ein besonderes Erlebnis", erzählte Helmut Radermacher bei der gestrigen Veranstaltung. Es sei immerhin eine Entschädigung dafür gewesen, dass es damals mit Stolpersteinen noch nicht geklappt habe.

Wenige Monate nach seinem Besuch in Coburg verstarb Alfred Wertheimer im Alter von 84 Jahren in New York. Dass für seine Familie nun doch Gedenksteine verlegt wurden, ist auch den Paten zu verdanken, die sich wie schon bei anderen Steinen auch diesmal an der Finanzierung beteiligt haben.

Heiko Weigelt zum Beispiel. Seit 2015 steht er bereits auf einer Warteliste für eine Patenschaft. Er hat sie nun für die Erinnerung an Julius Wertheimer übernommen. "Für mich ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen - besonders heute, wo schon wieder gehetzt wird", sagte er dazu.

Aus dem gleichen Motiv engagiert sich auch Gaby Schuller gegen Antisemitismus und Rassismus. Sie hatte die Geschichte der Familie Wertheimer erforscht, alle greifbaren Informationen zusammengefasst und für die Besucher der Gedenkveranstaltung ausgedruckt. "Wir dürfen die dunkle Seite in der Geschichte Coburgs nicht vergessen", erläuterte sie. Patin des Steins für Käthe Wertheimer ist Elke Holzmann.

Die Band Klezmaniaxx begleitete die Veranstaltung mit Klezmermusik.