Früher war Ludwig Illies nicht besonders gut in der Schule. Jetzt, kurz vor seinem Abitur, gehört er zu den Jahrgangsbesten. Und hat einen von 100 Stipendienplätzen im "Rise"-Programm erhalten. "Ich wurde in den letzten drei Jahren gefragt, ob ich die Klasse wiederholen möchte. In der elften Klasse habe ich dann angefangen, zu lernen", sagt der 17-Jährige, der das Gymnasium Casimirianum besucht. Auf die Idee, sich für ein Stipendium zu bewerben, wäre er von alleine trotzdem nicht gekommen - der entscheidende Impuls kam von einem Familienmitglied.

"Meine Cousine hat mir einen Link zur Ausschreibung für das "Rise"-Stipendium geschickt, eigentlich hatte ich auch erst nicht vor, mich zu bewerben. Ich dachte, das wäre zu viel Arbeit für die geringen Erfolgschancen", sagt er rückblickend. Dann kam der Corona-Lockdown und die Frist wurde verlängert. Ludwig Illies hat sich doch noch beworben. Der Auswahlprozess bestand aus mehreren Schritten. "Erst mussten ich ein Video einschicken, in dem ich von mir und meiner Sicht auf die Probleme der Welt erzählt habe."

Ein Projekt für den guten Zweck

In der zweiten Runde mussten die Bewerber dann ein Projekt für den guten Zweck vorstellen. "Bei meinem Projekt ging es um das Thema Manipulation. Und darum, wie sie vor allem digital auf Individuen und die Gesellschaft wirkt", erzählt Ludwig Illies. Gerade der politische Aspekt spielt dabei seiner Meinung nach eine entscheidende Rolle. Wie er findet, sollten politische Entscheidungen rational und nicht emotional getroffen werden. "Kaum jemand befasst sich mit dem Thema. Mir ging es darum, mehr Zugang zu schaffen."

Nach der Projektvorstellung folgte eine Art IQ-Test. "Die Schulnoten mussten nicht eingereicht werden, bei der Vergabe der Stipendienplätze haben sie keine Rolle gespielt", sagt Ludwig Illies. Weil sich 15- bis 17-Jährige aus insgesamt 170 verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Schulsystemen für das Programm beworben haben, wäre es schwer gewesen, die Leistungen zu vergleichen. Wie bereits die Projektvorstellung und das folgende Finale, wurde auch der IQ-Test auf Englisch und online veranstaltet.

Im Finale waren noch 500 von mehreren Zehntausend Bewerbern für die insgesamt 100 Stipendienplätze übrig. "Wir mussten fünf Stunden lang in Gruppen diskutieren und Lösungsverfahren für Probleme entwickeln, für die es keine Lösungen gibt", zählt der angehende Abiturient auf. Außerdem standen Einzelgespräche und eine Präsentation über die eigenen Ziele auf dem Programm. Wie er vermutet, wurden die Plätze danach den Ambitionen und dem Moralverständnis der Bewerber vergeben.

Studium an der Eliteuniversität geplant

Nach seinem Abitur möchte Ludwig Illies an der Eliteuniversität Oxford Politik, Philosophie und Wirtschaft studieren. "Eigentlich wollte ich direkt nach dem Abitur mit dem Studieren anfangen. Die Bewerbungsphase in Oxford ist aber schon zu Ende", sagt er. Aus diesem Grund plant er nun verschiedene Praktika für das kommende Jahr. "Ein Praktikum würde ich gerne in London machen, um mein Englisch zu verbessern. Ich möchte mich gezielt auf mein Studium vorbereiten."

Bevor Ludwig Illies die Zusage für sein Stipendium erhalten hat, wusste er noch nicht genau, was er studieren möchte. "Durch das Stipendium habe ich jetzt viel mehr Möglichkeiten. Vielleicht ändert sich mein Plan im nächsten Jahr auch noch einmal", sagt er. Vor allem für die Aufnahme an einer Eliteuniverstität ist das Stipendium seiner Einschätzung nach ein Vorteil. "Stipendiaten haben schon ein Auswahlverfahren durchlaufen. Ich habe noch von keinem Fall gehört, in dem ein Stipendiat von einer Universität abgelehnt wurde."

Nach dem Studium werden "Rise"-Stipendiaten weiterhin gefördert. "Wer zum Beispiel eine allgemeinnützige Organisation gründet, wird dabei finanziell unterstützt", sagt Ludwig Illies.

Das "Rise"-Stipendium

Rise ist eine Initiative der Stiftung Schmidt Futures und des Stipendienprogramms The Rhodes Trust, die junge, talentierte Menschen ein Leben lang fördert. Die Stipendiaten, sollen so die Möglichkeit bekommen, sich gesellschaftlichem Engagement zu widmen. Neben der finanziellen Unterstützung für ihr Studium können sie an Mentoring-Programmen teilnehme und erhalten Möglichkeiten zur Karriereentwicklung. Kürzlich wurden die ersten 100 Stipendiaten im Alter von 15 bis 17 Jahren ausgewählt, die aus 42 Ländern weltweit kommen. Aus Deutschland haben neben dem Coburger Ludwig Illies drei weitere Gewinner.

Website Interessierte können sich auf der Homepage www.riseoftheworld.org über das Programm informieren.