Die jährliche Faschingsveranstaltung des SC Holzwurm, hoch oben in Welsberg, hat schon einen sehr hohen Bekanntheitsgrad erreicht. In diesem Jahr waren unter den Besuchern nicht nur Narren aus dem Coburger Land, sondern sogar auch aus Unterfranken und aus der Pfalz. Der SC Holzwurm bleibt dabei aber mehr als bescheiden und nennt das Ganze einfach Kappenabend. Doch es gleicht schon einer Faschingssitzung, so wie sie in den Faschingshochburgen im Coburger Land gefeiert wird, mit einem rund fünf Stunden dauernden Programm. Auf ein Prinzenpaar und auf einen Elferrat wird aus Kostengründen verzichtet, wie Musikus und Sitzungspräsident Winfried Steinert erzählt.

"Eigentlich hätte der Himmel über Welsberg glühen müssen", denn in der Halle wurde eine Rakete nach der anderen gezündet. Und laufend war der Schlachtruf "Welsberg Helau" zu hören.
Los ging es mit zwei Opas, gespielt von Stefan Herr und Bernd Wittmann. Sie philosophierten über das Leben eines Opas. Zu den Windrädern gebe es eine regelrechte Pilgerwanderung, stellten sie fest. Ein Opa ließ sogar die Hosen runter.


Die 77-Jähige hält ihre Büttenrede auswendig

Wahre Verwandlungskünstlerinnen sind die Gardemädchen des Karnevalsvereins Weidach, die sich auf den Bühne regelrecht die Kleider vom Leib rissen und so in verschiedenen Outfits bei ihrem Tanz zu sehen waren.
Der SC Holzwurm hat wohl mit Leni Melber aus Ebelsbach eine der ältesten Büttenrednerinnen im Coburger Land. Die 77-Jährige hat alle ihre Reden auswendig gelernt, sie brauchte bei ihrem Auftritt kein Manuskript. Die "Oma Leni", wie sie alle liebevoll in Welsberg nennen, berichtete als Putzfrau von einer großen Geburtstagsfeier und von einem Brief an den "Lieben Gott".

Über die Eigenarten der verschiedenen Sprachen informierte Christoph Dinkel als Sprachwissenschaftler. "DJ Ötzi" holte für die Vorsitzende des SC Holzwurm, Yvonne Dinkel, einen Stern vom Himmel. Das Männerballett mit Bernd Wittmann, Stefan Herr, Sven Fertsch, Daniel Hartung und Martin Stüllein brachte schon bei seinem ersten Auftritt unter dem Motto "Zum Fressen" die Halle zum Toben. Wer da dachte, eine Steigerung sei kaum möglich, der täuschte sich gewaltig. Bei ihrem zweiten Auftritt, kurz vor Mitternacht, kamen die Männer in Feuerwehruniform, die sie auszogen, so dass aufreizende Dessous zum Vorschein kamen. Die Truppe, die auch am Wettbewerb für Männballetts in Seßlach teilnimmt, kam um eine Zugabe nicht herum.


Welsberger Märchenschatz

Neues aus dem Welsberger Märchenwald erzählten mit Wort und Gesang die dort lebenden Zwerge, gespielt von Claudia Rose und Günther Rose. "Bei uns in Welsberg wird so manches Märchen wahr", stellten die beiden fest.
Vom Leben der "Davne des Luxe" erzählte Heidi Wittmann. Die beiden Tratschtanten Frieda (Gerold Dinkel) und Babett (Hans-Eduard Dinkel) gehören zum Welsberger Fasching wie das Salz in die Suppe. Neben dem Orts- und Vereinsgeschehen bekam auch der Nachbarort Schottenstein sein Fett weg. Aber auch die Windräder, die die beiden als Genversuch für Spargel bezeichneten, durften in ihrem Vortag nicht fehlen. "Eine Stange sei schon holzig, denn sie hat schon Schüsse bekommen", betonten die beiden. Und wenn der Welsberger Wind einmal nicht bläst, dann solle der Bürgermeister eine Sondersitzung des Gemeinderats einberufen und die Windräder anblasen. Die beiden machten es auf der Bühne mit einen kleinen Windrad schon einmal vor. "Me secht ja nix, me meet ja blous", war von den beiden des öfteren zu hören.

Passend dazu wurde der offizielle Teil der Faschingsveranstaltung mit dem Lied "Der Welsberger Wind" weit nach Mitternacht beendet. Es wurde aber weiter gefeiert bis in die frühen Morgenstunden.