Die Berufsbezeichnung ist ganz schön lang: Hörgeräte akustikmeisterin. Aber auch die Bandbreite ist enorm: "Man hat sehr viel mit Menschen zu tun, gleichzeitig spielt auch die Technik eine wichtige Rolle, und wenn es um Abrechnungen geht, etwa mit den Krankenkassen, ist auch kaufmännisches Wissen gefragt." Jessica Heß, Chefin von Hörgeräte Geuter, bringt es deshalb auf den Punkt: "Ja, das ist mein Traumberuf!"

Um so mehr findet sie es schade, dass es derzeit so schwierig ist, Nachwuchs zu finden. Und um so mehr hat sie es vor wenigen Tagen auch auf die Palme gebracht, als die Gewerkschaft forderte, dass sich die Betriebe intensiver um eine attraktivere Berufsausbildung bemühen müssten. Wörtlich hatte der DGB-Jugendsekretär Björn Wortmann gesagt: "Wer Fachkräfte für morgen braucht, muss sie auch ausbilden!

"Wir würden ja gerne auch in Zukunft ausbilden", hält dem Jessica Heß, "aber wir finden keinen Auszubildenden!" Dabei können die Bemühungen von Hörgeräte Geuter sehr wohl als "intensiv" bezeichnet werden: Egal, ob Girl's Day, Boy's Day, das Hochschulprojekt "Mädchen und Technik" oder das Angebot von Berufspraktika - man trommelt fleißig und wird dennoch kaum erhört.

Dabei hat der Beruf des Hörgeräteakustikers gleich aus mehreren Gründen Zukunft. Da wäre zum einen der demografische Wandel: Die Zahl der älteren Menschen in der Bevölkerung wächst - und damit auch die Zahl der Menschen mit Hörschwierigkeiten.

Allerdings: Auch junge Menschen können schon Probleme mit den Ohren bekommen, und das hat mit einem weiteren Aspekt zu tun, der aus Sicht eines Hörgeräteakustikers wichtig ist: "Unsere Umwelt wird immer lauter", erklärt Jessica Heß, "überall wird man berieselt, und die Ohren sind eben ständig auf Empfang." Auch deshalb würde es immer mehr Menschen mit Hörproblemen geben. Nicht ohne Grund gibt es inzwischen auch eine Weiterbildung zum "Päd-Akustiker", bei der die Schwerhörigkeit bei Kindern im Mittelpunkt steht.

Nicht auszuschließen seien Hörprobleme oft auch als Spätfolgen von einstigen Disco-Besuchen. Denn obwohl es dort oft unerträglich laut ist: Wer will schon so uncool sein und in der Disco Ohrenstöpsel benutzen?!


Hörhilfen: unauffällig und bequem

Dabei gibt es in diesem Bereich - ebenso wie bei Hörhilfen und Hörgeräten - inzwischen sehr viele dezente Lösungen. "Bei Hörsystemen ist heutzutage alles möglich", weiß Jessica Heß, "sie sind klein, unauffällig, angenehm zu tragen und mit modernster Technik."

Klingt alles spannend - aber warum hält sich das Interesse an diesem Beruf dann trotzdem in Grenzen? "Viele junge Menschen wollen lieber in eine große Firma", hat Jessica Heß beobachtet. Dabei ist zum Beispiel Hörgeräte Geuter gar nicht klein: Außer der Zentrale in der Coburger Mohrenstraße gibt es noch Filialen in Bamberg, Kronach und Lichtenfels; die Mitarbeiterzahl beträgt 14, davon aktuell ein Auszubildender.

Jessica Heß absolvierte nach ihrem Abitur am Alexandrinum eine dreijährige Ausbildung zur Hörgeräteakustikerin in Fürth, ehe sie in den elterlichen Betrieb in Coburg einstieg. Später setzte sie noch ihren "Meister" oben drauf. Bei solch einer Hör-Expertin drängt sich die Frage auf, welche Geräusche sie besonders mag. "Meeresrauschen", sagt sie sofort, "und Vogelzwitschern am Morgen!" Eigentlich nicht auszudenken, was einem verloren geht, wenn man so etwas nicht mehr hören kann! "Zumal zuerst hohe Frequenzen - wie etwa Vogelzwitschern - nicht mehr gehört werden können." Es sei somit ein Verlust an Lebensqualität, sich bei Hörproblemen nicht helfen zu lassen.


TIPP

Am Samstag, 23. November, findet von 10 bis 16 Uhr im Kongresshaus Rosengarten der "Tag des Hörens" statt. Unter anderem gibt es Vorträge, etwa über Tinnitus, Schwerhörigkeit oder auch die moderne Hörgeräteversorgung. Kostenlose Hörtests sind ebenso möglich wie ein Gehörtraining für besseres Sprachverstehen. Zahlreiche Infostände runden das Programm ab. Veranstalter ist Hörgeräte Ge uter, das Tageblatt ist Medienpartner. Der Eintritt ist frei.

Informationen Weitere Informationen im Internet unterwww.hoergeraete-geuter.de.