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Coburg
Aktion

Mit dem Hund zu Fuß um die Welt, um auf Suizid aufmerksam zu machen: Tour startet in Franken

Mario Dieringer läuft um die Welt und pflanzt Bäume zur Erinnerung. Es geht um das Thema Suizid. Die Tour 2020 startet in Coburg.
 
Mario Dehringer läuft um die Welt und pflanzt Bäume zur Erinnerung. Die Tour 2020 startet in Coburg. Foto: privat
Mario Dehringer läuft um die Welt und pflanzt Bäume zur Erinnerung. Die Tour 2020 startet in Coburg. Foto: privat

Zu Fuß um die Welt, Bäume der Erinnerung pflanzen und so das Thema Suizid aus der Tabuzone holen. Ein ehrgeiziger Plan, den Mario Dieringer verfolgt. Seit 31. März 2018 ist er unterwegs.

Sein letzte Etappe endete in Coburg. Für ihn, seinen Hund Tyrion und seinen Wanderwagen, der in der Garage von Katja Heußel überwinterte. Sie hat auch dafür gesorgt, dass das Gefährt neue Scheibenbremsen bekommen hat. Die Tour 2020 startet am 13. Juni hier in der Vestestadt und führt bis nach Berchtesgaden.

"Es ist für mich wichtig, dass der Weg um die Welt, den ich laufe, keine Lücke aufweist", sagt Dieringer. "Ich beginne allerdings mit einem Monat Verspätung, weil die Camping-Plätze noch nicht öffnen durften und der Reiseverkehr eingeschränkt war. Die Gesetze machen ja wegen mir keine Ausnahme. Glück und Leid liegen in der Coronapause auch bei mir dicht zusammen", erzählt der Wanderer mit Auftrag.

Alle Einnahmen weggebrochen

In den vergangenen drei Monaten seien alle seine Einnahmen und Aufträge weggebrochen. "Das ist tatsächlich dramatisch, weil ich dieses Geld dringend benötige, um die Tour machen zu können. Das wird ganz sicher extrem schwer für mich werden", glaubt Dieringer. Gleichzeitig habe Corona ihn dazu gezwungen, diese leere Zeit sinnvoll zu nutzen. "Deshalb habe ich drei Monate, täglich 15 Stunden damit zugebracht mein Buch "#psychisch erkältet" zu schreiben. Darin berichte ich von meinem Umgang mit Depressionen und Suizidalität. Tatsächlich bin ich heute mit allem fertig geworden, und es ist vor 10 Minuten raus an den Verlag gegangen", verrät er. Pünktlich zum Start seines Laufes sei es dann käuflich zu erwerben.

Dieringer hofft, dass das Thema Corona durch ist, zumal in den letzten Monaten Depressionen und Suizide zugenommen haben. "Wer weiß, was noch kommt, wenn es Betroffene finanziell nicht mehr auf die Beine schaffen", befürchtet er.

Mehr Suizid durch Corona?

Dem pflichtet auch Iris Pfister vom Vorstand von Trees of Memory bei: "Seit Corona geraten immer mehr Menschen ins Straucheln. Wenn Arbeitslosigkeit und Existenzängste zunehmen, befürchte ich auch ein Ansteigen der Suizidrate." Belastend sei vor allem gewesen, dass psychisch labile Menschen in der Corona-Zeit keine persönlichen Therapiegespräche führen konnten. Das wäre sehr wichtig gewesen.

Wie wichtig persönlicher Austausch und Kontakte sind, erfährt Mario Dieringer auch immer wieder auf seinen Wandertouren. "Sehr emotional war im letzten Jahr mein Überraschungsbesuch im Krankenhaus von Erfurt, wo eine Frau lag, deren Tochter sich das Leben genommen hatte. Sie war sehr enttäuscht, dass ich just zu dieser Zeit in Erfurt aufgeschlagen bin und sie mich nicht treffen konnte. Sie folgte mir auf Facebook schon so lange und dann das." Deshalb sei er zurück gefahren, um sie zu überraschen. Das sei ihm gelungen und zusammen mit ein paar eingeweihten Freunden hätten sie einen emotional dichten Nachmittag in der Krankenhauscafeteria verbracht.

Der Verein Trees of Memory, für den Mario Dieringer läuft, möchte dazu beitragen, die Situation der Betroffenen zu entstigmatisieren und damit eine Trauerkultur zu ermöglichen, die Raum für eine neue Zukunft schafft. Dazu sollen auch die Bäume beitragen, die dafür gepflanzt werden. Für dieses Jahr seien es bis jetzt um die zwölf Bäume, die auf der Route gesetzt werden. "Aber jede neue Anfrage für einen Baum wird die Route anpassen", erläutert Dieringer. Manche werden auch außerhalb der Route, im Herbst gepflanzt. Wer einen Baum möchte, kann diesen über die Website bestellen, dort finden sich alle Informationen dazu.

2500 Kilometer unterwegs

Wenn es die finanziellen Mittel hergeben, möchte Dieringer bis Ende September laufen. Die geplante Strecke wird etwa 2500 Kilometer lang sein. Die einzelnen Stationen sind Coburg, Burgsinn, Würzburg, Boxberg, Gerhardshofen, Stein, Nürnberg, Ludersheim, Regensburg, Deggendorf, Passau, Braunnau am Inn, Rosenheim, Taufkirchen, München, Augsburg , Ulm, Eislingen, Stuttgart Herrenberg, Nehren, Tübingen, Hechingen, Rangendingen, Balingen, Onstmettingen, Villingen, Schwenningen, Freiburg, Titisee, Singen, Konstanz, Kreuzlingen, Uttwil, Bregenz, Sonthofen, Garmisch Partenkirchen, Tegernsee, Bad Reichenhall und Berchtesgaden.

Den Suizid aus der Tabuzone holen

Das Projekt Trees of Memory wurde vom Journalisten Mario Dieringer 2016 ins Leben gerufen, sechs Monate nachdem sein Lebensgefährte seinem Leben ein Ende gesetzt hat. Er geht seit 31. März 2018 zu Fuß um die Welt und pflanzt "Bäume der Erinnerung" - ein Netzwerk gegen das Vergessen.

Schon nach wenigen Monaten folgten dieser Aktion auf verschiedenen Plattformen viele tausend Menschen, und in weniger als einem Jahr haben Menschen aus zwölf Ländern Bäume für ihre Angehörigen und Freunde bestellt.

Mario lädt dazu ein, ihm auf seinem Weg um den Globus zu folgen. Über die sozialen Netzwerke Facebook, Twitter, YouTube und Instagram kann man sich direkt mit ihm vernetzen. Wer möchte, kann jederzeit mit Mario wandern und Bäume pflanzen. "Ich würde mich sehr freuen, wenn ein Stück gemeinsamer Weg dazu beiträgt, eine neue Lebensperspektive aufzuzeigen, und lade jeden dazu ein, ein paar Tage oder Wochen an meiner Seite die Welt neu zu entdecken", sagt Mario dazu.

Anlaufstelle Auf der Seite der Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention sind die Artikel der Zeitschrift Suizidprophylaxe zu finden. Hier gibt es auch eine Suchfunktion und die Möglichkeit, Artikel kostenfrei auszudrucken  www.suizidprohylaxe.de

Tourstart 2020 Mario Dieringer läuft am 13. Juni hier in Coburg los.

Spendenkonto Eine Spende trägt dazu bei, dass Trees of Memory als gemeinnütziger Verein Hinterbliebene von Suizid-Opfern in der schweren Zeit der Trauer unterstützen kann - sei es durch persönliche Kontakte oder Informationsangebote.

Kontoinhaber: TREES of MEMORY e.V.,IBAN: DE18 6735 2565 0002 2517 26

BIC: SOLADES1TBB