So ein Präsident gehört sich nicht selbst. Personenschützer, Protokollbeamte, Pressesprecher und wer sonst noch sind um ihn herum, sorgen dafür, dass ihm nichts passiert, er stets in die richtige Kamera schaut und dass die richtigen Leute mit ihm reden. Vor der Morizkirche parken die Dienstlimousinen in einer genau festgelegten Reihenfolge: Vorne der Präsident, dann die beiden Bischöfe, die Staatsministerin, der Intendant des ZdF, der Oberbürgermeister der Stadt Coburg werden in dieser Reihenfolge von der Morizkirche ins Kongresshaus fahren.

Dort ist am Freitag nach der Aufzeichnung von "Weihnachten mit dem Bundespräsidenten" noch ein Empfang für all diejenigen, die auch beim Konzert in St. Moriz dabei sein durften. "Toll war es", ist immer wieder zu hören. Hans-Georg Schollmeyer, Kongressbeauftragter des Coburger Convents und einer der geladenen Gäste, schwärmt von der Musik. "Ich habe als junger Mann die Organistenprüfung gemacht", erzählt er. "Aber so etwas habe ich selten erlebt."


Stars ganz nah

Der Tölzer Knabenchor, Geiger David Hope, Popstar Katie Melua - das ZdF hatte für die Weihnachtsfeier internationale Künstler aufgeboten. Aber von denen lassen sich am Freitagabend nur einige im Kongresshaus blicken. Schauspieler Sebastian Koch gibt bereitwillig Autogramme aufs Programm, Johannes B. Kerner lässt sich fotografieren, während die anderen Gäste plaudernd an den Stehtischen warten, dass die Hauptperson des Abends endlich aus den oberen Stockwerken kommt. Er habe ja von Amts wegen oft mit dem Bundespräsidenten zu tun, erzählt der evangelisch-lutherische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. "Aber dass ich ihn in meiner Heimatstadt und meiner Kirche begrüßen durfte, war auch für mich etwas ganz Besonderes."

Die Pressevertreter werden derweil zu dem Tisch unter der Treppe gelotst, wo das Goldene Buch der Stadt bereitliegt. 19.30 Uhr Eintrag ins Goldene Buch, 19.45 Uhr kurze Ansprachen lautet der Plan. Doch auch die Dame von der präsidialen Pressestelle kann den Präsidenten nicht herbeizaubern. Erst nach 20 Uhr kommt er herunter. "Er nimmt sich Zeit für die Leute", berichtet Bundestagabgeordneter Hans Michelbach (CSU). "Das war in Neufang auch so."

An diesen Besuch im Landkreis Kronach erinnert später Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Es ist immerhin Gaucks dritter Termin in Oberfranken in diesem Jahr. "Bei allen drei Begegnungen haben Sie mich damit beeindruckt, wie sie auf die Menschen zugehen", sagt Melanie Huml.


Seine Mission: Entängstigung

Zum Weihnachtskonzert sollten diejenigen eingeladen werden, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement "dieses Land schön machen", wie Gauck in seiner kurzen Ansprache sagt. Er redet an gegen Kleinmut und Angst, ruft dazu auf, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und neue Kraft aus diesem Selbst-Vertrauen zu schöpfen. Das, sagt Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), sei Gaucks eigentliche Mission, der Aufruf zur "Entängstigung".

Dann kommt der fast schon gemütliche Teil: Der Bundespräsident, ein Glas Wein in der Hand, sucht das Gespräch mit den Gästen. Personenschützer, Protokollchef und Pressedame sind im Hintergrund immer dabei und weisen irgendwann darauf hin, dass Pressefotos jetzt eigentlich nicht mehr erwünscht seien.

Draußen, vorm Kongresshaus, haben sich neben den Polizisten ein paar Neugierige versammelt. "Kommt er bald raus?" Martin Lücke, SPD-Stadtrat, verrät, dass die Abfahrt um 21.30 Uhr geplant sei. Fast pünktlich springen die Motoren an, funkt die Polizei "die Kreuzung frei machen". Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt kommen heraus, begleitet von den Bürgermeistern, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Staatsministerin Melanie Huml. Händeschütteln und gute Wünsche, dann steigt Gauck ein. "Fröhliche Weihnachten!" rufen die Schaulustigen hinüber. Der Präsident winkt zurück und antwortet: "Danke! Fröhliche Weihnachten!"