Alles funkelt und glitzert. Ab heute dürfen sich die Besucher der Veste neu verzaubern lassen von einem Schatz der Kunstsammlungen, der lange nicht mehr recht im Bewusstsein war. Gestern Abend wurde die räumlich eindrucksvoll umgestaltete und inhaltlich völlig neu konzipierte historische Glassammlung wieder eröffnet.
Es war zugleich der letzte öffentliche Akt des scheidenden Direktors der Kunstsammlungen, Klaus Weschenfelder, der Ende April nach 16 Jahren in Coburg in Ruhestand geht. Eines seiner zentralen Anliegen war die grundlegende Überarbeitung und Neupräsentation der umfangreichen Sammlungen entsprechend den heutigen Ansprüchen der Besucher. Für den vierten und letzten Teil war der Vorraum zum sogenannten Kongress-Saal im Carl-Eduard-Bau von den Einbauten befreit worden, so dass nun die vier bisher versteckten, markanten Pfeiler mit dem Gewölbe zur Wirkung kommen.
Der mit dem Umbau und der Ausstattung beauftragte Gemündaer Innenarchitekt Josef Starkl hat in dieser neuen Raumsituation für klare Sichtachsen und eine raffinierte Lichtgestaltung in den nach außen jetzt abgedunkelten Räumen gesorgt. Die aufwändige Technik für den Schutz und die Erhaltung der empfindlichen historischen Glasschätze in und hinter den sehr eleganten neuen Vitrinen ist nirgends zu spüren.
In den beiden Räumen mit ihrer nun geradezu erhebenden Aura hat der für das Glas auf der Veste zuständige Kurator Sven Hauschke, der zudem Weschenfelders Nachfolger wird, aus der über 2000 Objekte umfassenden Sammlung ein Drittel ausgewählt und thematisch reizvoll arrangiert.


Prinz Albert, neu erworben

Ein Schwerpunkt ist das venezianische Glas, worauf schon der riesige Farben- und Lichtsprühende Leuchter aus Murano verweist. Er korrespondiert mit den beiden Kandelabern gleichen Stils in der großen, als Büfett inszenierten Vitrine. Es ist eben die Beschränkung auf besondere Sammlungsstücke, die neues Erleben der Coburger Glassammlung ermöglicht. Dieser Teil wurde von Herzog Alfred im Mittelmeerraum zusammengetragen und kam 1900 als Schenkung der Witwe auf die Veste.
Von der jetzt gläsernen Eingangstür aus fällt der Blick vom venezianischen Leuchter (Anfang des 19. Jahrhunderts) auf ein Bildnis des englischen Flottenadmirals, dann in langer Flucht auf eine besondere Neuerwerbung der Veste: ein Porträt von Prinz Albert in Form eines minutiösen und sehr lebendig wirkenden Glasmosaiks. "Dieser Teil der Glaskunst Venedigs hatte uns noch gefehlt", strahlt Sven Hauschke, der die spannende Geschichte zu diesem erst wieder aufgetauchten Kunstwerkerzählen kann. Die Hintergrundgeschichten zu den herausragenden Stücken der Sammlung, etwa die große Achatschale aus dem Venedig Anfang des 16. Jahrhunderts oder die in ihrer Größe außergewöhnliche Millefiori-Kugel, liefern allerdings auch entsprechende Medienstationen.
Ein weiterer Schwerpunkt der europaweit bedeutsamen Glassammlung liegt auf Barockglas aus dem älteren Besitz des Coburger Herzogshauses. So manches Stück verweist da auf herbe Trinksitten früherer Jahrhunderte, auch wenn es sich hier größtenteils um repräsentatives, höfisches Glas handelt.

Historisches Glas auf der Veste Coburg. Ab heute ist die europaweit bedeutsame Sammlung, die Objekte von der italienischen Renaissance bis zum Ende des 20. Jahrhunderts enthält, neu gestaltet zu sehen. Bedeutend ist der Bestand an venezianischen Gläsern, die von Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha (1844-1900) gesammelt wurden.