Nach seiner Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei einer Coburger Werkzeugmaschinenfabrik, hat sich Sebastian Romankiewicz dazu entschieden, seinen Meister zu machen. Und nun als Jahrgangsbester im Bereich Elektrotechnik mit der Note 1,7 abgeschlossen. "Den Meister zu machen hat ein Jahr gedauert. Danach habe ich wieder angefangen, in meinem Ausbildungsbetrieb zu arbeiten ", sagt der 23-Jährige.

Kurs besteht aus vier Teilen

Der Meisterkurs findet in der Handwerkskammer Oberfranken, die ihren Sitz in Bayreuth hat, statt und setzt sich aus vier Blöcken zusammen: Die ersten zehn Monate geht es um die Fachpraxis und -theorie. In den letzten zwei Monaten werden die Teilnehmer dann zum Thema Betriebswirtschaft geschult und machen ihren Ausbilderschein. "Im Prinzip ist der Kurs mit der Berufsschule vergleichbar. Man hat von Montag bis Freitag ganz normalen Unterricht in Klassen", erzählt der Einberger von seiner Weiterbildung. Zu den Fächern im Referat Elektrotechnik gehören Normen- und Vorschriften, Programmieren und Grundlagenfächer wie Mathematik und Physik, die weiter vertieft werden.

Um ihren Meister zu erhalten, müssen die Anwärter nach den ersten zehn Monaten mehrere Prüfungen absolvieren. "Die Prüfungen gehen über eine Woche. Ein Tag ist für die Anfertigung des Meisterstücks angesetzt", sagt Sebastian Romankiewicz. Um das Meisterstück anzufertigen, hatten er und die anderen Kursteilnehmer neun Stunden Zeit. "Wir mussten eine Simulation für eine Pumpenüberwachung im Schwimmbad konstruieren." Im Fall, dass das Wasser zu hoch steigt, würden die Pumpen anspringen. Für die Simulation wurden den Teilnehmern die Materialien und jeweils eine Holzplatte, die einen Quadratmeter groß ist, von der Handwerkskammer zur Verfügung gestellt.

Vorbereitung auf die Selbstständigkeit

Im Grunde bereite der Meister darauf vor, sich später einmal selbstständig zu machen. "Mit den Ausbildungsinhalten hatte der Meister nichts zu tun. Dort lag der Fokus auf Werkzeugmaschinen und die Ausbildung war darauf ausgelegt", sagt Sebastian Romankiewicz. Obwohl die Qualifikation ihm in der Industrie nichts bringt, hat er sich bewusst dafür entschieden, um sich weitere Möglichkeiten offenzuhalten. "Auf lange Sicht kann ich es mir sehr gut vorstellen, mich selbstständig zu machen und so etwas für meine Region zu tun." Als Inhaber eines eigenen

Elektrohandwerkbetriebes könnte er sich dann um Neuinstallationen in Privathaushalten kümmern und auch Photovoltaik-Anlagen oder Wallboxen zum Laden von E-Autos anschließen.

Wie ein Sprecher der Handwerkskammer für Oberfranken mitteilte, ist der Meisterbrief das sicherste Wertpapier, das ein junger Mensch in den Händen halten kann. "Er ist ein Nachweis für ausgezeichnete fachliche Qualität, für Integrität, er ist Grundlage für eine Karriere in Handwerk oder Industrie und der wichtigste Schritt hin zur Selbstständigkeit." Die Qualifizierung zum Handwerksmeister wird von Bund und Ländern intensiv gefördert. In Bayern gibt es zum Beispiel einen Meisterbonus.

Auszubildende, Gesellen und Meister werden dringend gesucht

Bundesweit fehlen derzeit rund 65 000 Handwerker, das zeigt eine aktuelle Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA). Betroffen sind vor allem der Süden und der Nordwesten Deutschlands. Alleine in Oberfranken werden in den nächsten zehn bis 15 Jahren Nachfolger für fast 6000 Handwerksbetriebe gesucht.

Nicht nur Meister und Gesellen fehlen

"Wir haben einen Mangel an Gesellen und Meistern, beziehungsweise Unternehmern", sagt Coburgs Kreishandwerksmeister Jens Beland. Viele Kollegen würden aufhören und hätten keinen Nachfolger, der ihren Betrieb übernimmt. "Es ist immer wieder gut, wenn Leute ihren Meister machen, und sich damit selbstständig machen können." Einer der diesjährigen Absolventen ist Sebastian Romankiewicz der in seinen Meister im Bereich Elektrotechnik als Jahrgangsbester abgeschlossen hat.

Der Mangel betreffe nicht nur Gesellen und Meister, sondern auch Auszubildende. "Der Trend geht immer mehr zum Akademiker. Wer einen Meister hat, darf sich jetzt auch ,Bachelor of Professional' nennen. Dann kann man auch im europäischen Ausland etwas damit anfangen", erklärt Jens Beland. Wer seine Meisterprüfung besteht, erhalte außerdem automatisch die Allgemeine Hochschulreife und könnte somit theoretisch noch studieren. "Wir begrüßen die Durchlässigkeit - dafür haben wir lange gekämpft."

Der Meisterbrief ist Jens Belands Einschätzung nach im Handwerk die einzige Qualifikation zum Unternehmer. "Durch die einzelnen Ausbildungsteile bekommt man eine Vorstellung davon, was man als Unternehmer können muss. Es bringt nichts, wenn man als Selbstständiger ein super Handwerker ist und dann keine Rechnungen schreiben kann", sagt der Kreishandwerksmeister. Der Meisterbrief sei das Rüstzeug dafür, sich selbstständig zu machen.

Wie Jens Beland weiß, würden trotz Meisterabschluss viele den Schritt in die Selbstständigkeit nicht machen. "Natürlich ist es eine Herausforderung selbstständig zu sein. Dafür weiß man, für wen man arbeitet und kann sich seine Termine frei legen."

Bedarf an Fachkräften ist hoch

Zum Bezirk, für den die Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg zuständig ist, gehören auch die Landkreise Kronach, Lichtenfels und Forchheim. "Auf 458 gemeldete sozialversicherungspflichtige Stellen im Elektrotechnik-Bereich kommen hier gerade einmal 166 Arbeitslose", sagt Pressesprecher Matthias Klar. In der Stadt Coburg sind in diesem Bereich 73 Stellen nicht besetzt und zwölf Personen arbeitslos, im Landkreis kommen 22 Arbeitslose auf 36 Stellen. Die Zählung schließt sowohl Berufsanfänger als auch Fachkräfte, die kurz vor der Rente stehen, mit ein.

Voraussetzung für die Selbstständigkeit

Der Bedarf an Arbeitskräften ist hoch. "Die Betriebe kriegen keine Leute mehr ran. Das ist auch oft der Fall, wenn es um die Firmennachfolge geht", sagt Matthias Klar. Um eine Firma zu übernehmen, ist ein Meisterbrief Voraussetzung. "Weil Leute gebraucht werden, machen immer mehr Leute früher ihre Meister."

Meisterprüfung

Meisterschulen Die Handwerkskammer für Oberfranken hat 19 Meisterschulen für die unterschiedlichsten Gewerke.

Nachfrage Weil Handwerksmeister gesuchte Fachkräfte sind, sind die Kurse der Handwerkskammer für Oberfranken in einigen Meisterschulen für 2022 bereits ausgebucht.

Ablauf Die Meisterprüfung gliedert sich in vier Teile. Bei den ersten beiden Teilen geht es um die Fachpraxis und -theorie. Dann folgen ein Teil zur kaufmännischen Betriebsführung und der Ausbilderschein.