Für Reiner Niermann ist der Dienst am frühen Samstagmorgen im Hofgarten Routine. Auch ohne das Samba-Festival müssen er und seine Kollegen jeden Tag nach dem Rechten sehen, auch samstags und sonntags. "Im Sommer sieht's öfter mal heftig aus", sagt Niermann und sperrt einen der Türme am kleinen Rosengarten auf. Dort bewahren die Gärtner vom Grünflächenamt ihre Geräte auf. Niermann holt eine Schubkarre heraus, legt drei Greifer hinein, eine Rolle Müllsäcke, einen Besen, zwei Fächerrechen.

Ein Dieselmotor schnurrt näher. Detlef Hoffmann, der Gruppenleiter, kommt im Transporter angefahren und bringt die beiden Auszubildenden mit, Pascal Kornherr und Patrick Oppel. Später wird noch Walter Martin dazu stoßen. Zu fünft bringen sie das Rondell am Schlossplatz, die Grünanlage im Josias-Garten und den Hofgarten auf Vordermann. "Wir sind eigentlich unterbesetzt", sagt Detlef Hoffmann.

Sie sind beileibe nicht die ersten und einzigen, die nach der Sambanacht zum großen Aufräumen anrücken. Die Mitarbeiter des CEB sind schon seit einer Stunde mit Besen und Kehrmaschine unterwegs, die Altstadtgassen hallen von den Motoren wider. Am Schlossplatz dröhnen die Kühlaggregate. Reiner Niermann verteilt Kaffee an seine Kollegen.

Die vier vom Grünflächenamt fahren einige Meter weiter, zum nächsten Turm. Dort lagern die Laubbläser, die heute zum Einsatz kommen werden. Kornherr und Oppel holen die Maschinen heraus und den Gehörschutz dazu. Reiner Niermann schimpft über die "Wildbiesler", die den Eingang feucht gelegt haben. Nun aber haben sie alle Geräte beisammen, es kann losgehen.

Das Geräusch des Transporters weckt den Mann auf, der sich in der Nähe des sogenannten blauen Spielplatzes ins Gras gelegt hat. "Weiter oben habe ich drei in Schlafsäcken gesehen", sagt Niermann gleichmütig. Wer schläft, sündigt nicht, macht keinen Müll und demoliert keine Spielgeräte.

Am Reiterdenkmal Herzog Ernst II. teilt sich die kleine Gruppe. Die Azubis werden mit Gebläse und Greifern die Wiese rund ums Denkmal freimachen. Sie liegt voller Plastikbecher, dazwischen Pappteller, die Überreste einer Melone, etliche Limettenstückchen. Ein Trinkhalm klappert leise, als er wegrollt. Die beiden Mülltonnen direkt am Weg sind dagegen so gut wie leer. Im Gras finden sich auch kleine Likörfläschchen und die eine oder andere, die mal Hochprozentiges enthielt. Dabei dürfen in diesen Bereich, der zum Festival gehört, gar keine Alkoholika mitgebracht werden.

Doch wer schaut da noch hin, wenn nach 24 Uhr das Bühnenprogramm vorbei ist? Zwei Security-Leute sitzen auf der Bühne und schauen runter zum Schlossplatz, während Patrick Oppel den Laubbläser auf den Rücken schnallt. "Hier, der kleine Rosengarten, die Naturbühne und der Hofgarten bis zum Alfredsbrunnen und zum Ehrenmal", beschreibt Detlef Hoffmann das Einsatzgebiet. Er und Reiner Niermann werden sich um den Josiasgarten und das Rondell am Schlossplatz kümmern. Pascal Kornherr hat sich einen der Greifer und einen Müllsack geschnappt und beginnt, die Dinge einzusammeln, die der Laubbläser nicht bewegen kann.

Die Flaschen sind, Pfand sei Dank, weniger geworden. "Die Flaschensammler kommen schon nachts um 1 und teilen sich die Reviere auf", hat Reiner Niermann beobachtet. Für ihn und seine Kollegen brachte das Flaschenpfand immerhin ein paar Euro in die Kaffeekasse.

"Vor vier Jahren, als ich das letzte Mal dabei war, sah es schlimmer aus", stellt Detlef Hoffmann fest. Vor allem Scherben im Gras machten den Leuten vom Grünflächenamt zu schaffen. Die müssen nämlich einzeln herausgelesen werden - eine langwierige Fitzelarbeit. Die Plastikbecher und Pappteller lassen sich da leichter wegschaffen.

An diesem Morgen haben es offenbar alle Festbesucher geschafft, den Hofgarten vor dem Einschlafen zu verlassen. "Als da drüben noch die Büsche standen, lag dort mal ein Stiefel. Ich wollte ihn aufheben, da steckte noch ein Bein drin", erzählt Niermann lachend. Für ihn war die Begegnung ein Schreck, für den Stiefelbesitzer ein etwas unsanftes Erwachen. "Ein andermal lag einer quer über einem Ast und schlief!" Oder damals, als das Pärchen - die beiden Gärtner grinsen. "Daneben saßen noch drei andere,das hat die zwei nicht gestört!"
Doch heute ist's ruhig. Hoffmann und Niermann fahren runter zum Josiasgarten, Kornherr und Oppel grasen die Wiese rund ums Reiterdenkmal ab. An den Arkaden hat eine älter Frau ein paar stabile Cocktailbecher gefunden und sammelt sie ein. "Haben Sie sowas schon mal gesehen?", sagt sie entrüstet. Nun ja, das Samba-Festival gibt es schon seit über 20 Jahren ... "Zu Zeiten des Herzogs hätte es das nicht gegeben", stellt sie klar. "Nun muss ich rüber zur Kirche."