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Coburg
Hilfsprojekt

Coburger Verein kümmert sich um Obdachlose in der Republik Moldau

Der Coburger Verein "Fortotschka e.V." will eine Obdachlosenunterkunft in der ehemaligen Sowjetrepublik Moldawien gründen und sucht noch Mitstreiter.
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Pfarrer Aga im Gespräch mit einem Obdachlosen in Orhei - für Menschen wie diesen Mann will der Coburger Verein "Fortotschka e.V." eine Unterkunft errichten - zum Überleben im moldawischen Winter.  Foto: privat
Pfarrer Aga im Gespräch mit einem Obdachlosen in Orhei - für Menschen wie diesen Mann will der Coburger Verein "Fortotschka e.V." eine Unterkunft errichten - zum Überleben im moldawischen Winter. Foto: privat
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Der Coburger Verein "Fortotschka e.V." engagiert sich bereits seit 2003 in der Entwicklungshilfe, unter anderem hat er von 2003 bis 2013 ein Projekt zur Wiedereingliederung obdachloser Menschen in Sibiu/Rumänien sowie zahlreiche Projekte der Behindertenhilfe in Weißrussland durchgeführt.

Seit ein paar Jahren unterstützt er regelmäßig eine rumänisch-orthodoxe Pfarrei in der Stadt Orhei/Republik Moldawien, wo ein Geistlicher dank der Hilfe aus Coburg extrem bedürftige Menschen mit Lebensmitteln, Medikamenten etc. versorgt. Noch nie gab es in Orhei irgendeine Form von organisierter Obdachlosenhilfe. Der orthodoxe Pfarrer Aga half bisher immer wieder Einzelpersonen - hier gab er jemandem zu essen, da jemandem eine warme Jacke für den kalten moldauischen Winter, oder es durfte jemand im Eisenbahnwaggon neben der Kirche übernachten. Zurzeit haben viele Menschen, die ihren Lebensunterhalt als Tagesarbeiter verdient haben, aufgrund der Corona-Krise kein Einkommen mehr. Die Gefahr, dass bis zum kommenden Winter deutlich mehr Menschen als üblich ihre Wohnung verlieren, ist absolut realistisch. Die Republik Moldau, allgemeinsprachlich auch Moldawien, eine ehemalige Sowjetrepublik an der nordwestlichen Grenze Rumäniens, ist wohl das ärmste Land Europas - selbst Albanien hat ein doppelt so hohes BIP. Pfarrer Aga erschüttert es immer wieder aufs Neue, im Winter obdachlose Menschen begraben zu müssen, für die sich niemand zuständig fühlt.

Eine Unterkunft für obdachlose Menschen, die das ganze Jahr über aufhaben soll, hat jedoch finanziell eine andere Größenordnung. Es müssen im "Sozialen Zentrum", welches an die Kirche der orthodoxen Gemeinde angrenzt und sich noch im Bau befindet, die Räumlichkeiten für ein entsprechendes Projekt fertiggestellt und eingerichtet werden. Zur Finanzierung der Baukosten hat "Fortotschka e.V." einen Antrag beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gestellt - der voraussichtlich genehmigt wird.

Die laufenden Kosten sind das Problem

Die Fertigstellung wäre also gesichert. Die laufenden Kosten sind das Problem - allein die Lebensmittel, um den Bedürftigen mindestens einmal am Tag eine einfache warme Mahlzeit anzubieten, belaufen sich voraussichtlich auf 7500 Euro im Jahr (etwa 2,05 Euro pro Tag und Bedürftigem bei zehn Übernachtungsgästen pro Nacht). Mit zusätzlichen Ausgaben für Heizung, Strom und für eine weitere Person zur Vervollständigung des Teams (mindestens drei Personen) liegen die Kosten bei fast 19000 Euro.

Es geht um Menschenleben. Der Vorstand von "Fortotschka e.V". hat einen Kassensturz gemacht: etwa 2000 Euro pro Jahr können aus den Mitgliedsbeiträgen für die Nachtunterkunft für Obdachlose zur Verfügung gestellt werden. Man kann mit weiteren Spenden in etwa in gleicher Höhe rechnen. Doch es verbleibt immer noch ein Defizit zwischen 14000 und 15000 Euro. Es braucht mindestens sieben Menschen, die mit circa 2000 Euro pro Jahr den extrem bedürftigen Menschen helfen, den nächsten Winter zu überleben und vielleicht sogar das Leben wieder in geregelte Bahnen zu lenken.

Das Coburger Planungsbüro Wohlfromm aus Beiersdorf hat die Beteiligung am Projekt mit 2000 Euro pro Jahr zugesagt, auch das kleine Unternehmen aus Dörfles-Esbach flori-software UG, welches Software für den Bereich der Behindertenhilfe erstellt und dem Vereinsvorsitzenden Arkadiusz Paluszek gehört. Das Ingenieur-Büro Haas & Holler aus München konnte sich ebenso für das Projekt begeistern. Damit war man vom Ziel jedoch noch weit entfernt. So hat letztlich die Vereinsführung beschlossen, tiefer in die private Tasche zu greifen. Die Familien Paluszek und Hollander beteiligen sich jeweils mit weiteren 2000 Euro im Jahr. Doch es braucht noch weitere 4000 Euro. Es geht nicht um einmalige Spenden - es geht darum, wirklich Verantwortung zu übernehmen, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. "Jeder spendet gerne für Kinder, sehr gerne für osteuropäische Waisenkinder. Dass ein Teil der Waisenkinder von gestern die Obdachlosen von heute sind, wissen nicht viele. Projekte für Waisenkinder in Osteuropa entlassen diese nach der Vollendung des 18. Lebensjahres letztlich nicht selten auf die Straße", weiß der Vereinsvorsitzende Paluszek.

Der Antrag für die Finanzierung der Baukosten muss noch vor den Sommerferien gestellt werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Finanzierung des Projektes für die Zukunft steht. "Niemand von den Spendern, die sich bisher bereiterklärt haben, das Projekt zu tragen, ist ein Millionär. Es sind eher ,kleine‘ Selbstständige und Privatpersonen. Bisher konnten keine großen Firmen für das Vorhaben gewonnen werden. Doch die Zeit läuft", mahnt Arkadiusz Paluszek.

Wer sich weiter informieren möchte:

E-Mail: a.paluszek@fortotschka.de ; Mobil: 0176/ 642 755 72

http://www.ichspende2000.de

http://www.fortotschka.de

http://www.facebook.com/fortotschka