Schule sollte das "kritische Hinterfragen von Inhalten, die Bereitschaft zum Mitmachen vermitteln", denn das sei Voraussetzung für das Gelingen der Demokratie: Simon Stürzebecher, der Sprecher des Jahres 2017, hatte sich ein aktuelles und naheliegendes Thema für die Rede zum Stiftungsfest des Gymnasiums Casimirianum gewählt. Schließlich ist er von seinen Mitschülern der Q11 demokratisch gewählt worden, um die Rede zu halten. Sonst hätte der 17-Jährige im Blasorchester mitgespielt. Denn zum Bekränzungsfest wäre er auf jeden Fall gekommen, sagte er vorher.

Was Herzog Johann Casimir, der Schulgründer, von freien Wahlen und Mitspracherechten gehalten hätte, war für Stürzebecher im Hier und Heute kein Thema: "Wir alle sind der Motor der Demokratie", appellierte er an Mitschüler, Eltern und Gäste. Demokratie sei keinesfalls perfekt, aber immer noch die bestmögliche Staatsform. "Churchill, Obama und ich sind uns da einig", sagte der 17-Jährige, der - wie durchaus üblich - seine Rede mit zahlreichen Zitaten ausgeschmückt hatte.

Das Übliche ist es, was die jungen und älteren Besucher zum Bekränzungsfest zieht, auch ohne dass man sich groß dafür verabreden muss. Am letzten Freitag vor den Sommerferien um 18 Uhr läutet das Casi-Glöckle, und der Umzug beginnt. Angeführt vom Blasorchester ziehen die Schüler jahrgangsweise auf den Kirchhof. Es erklingen der Coburger Marsch und das Schullied, nach der Ansprache steigen der Redner und die fünf Jahrgangsbesten der Q11 auf die Leiter, um die Statue des Stifters zu bekränzen.

In diesem Jahr standen Anna Oikonomides, Maximilian Luther, Max Müller-Blech, Pascal Ruderich und Jan Finzel mit auf den Sprossen, um Kränze und Gläser nach oben zu reichen. Ein Kranz aus Eichenlaub kommt an den Arm, ein zweiter an den Kopf, dann muss der Sprecher drei Gläser Bier leeren mit dem Spruch: Das Casimirianum möge leben, wachsen und in Ewigkeit blühen ("vivat, cresceat, floreat in aeternum").

Die Gläser fliegen zu Boden, und sowie das letzte zerschellt ist, stürzen sich die Schüler auf die Scherben. Nicht nur die: Auch ältere Alumni sammelten die Glassplitter auf - sie sollen Glück bringen fürs nächste Schuljahr.
"Eine Schule mit dieser Tradition - selbst, wenn man sie sucht, würde man sie nicht finden", sagte Burkhard Spachmann, der Schulleiter, vor der Veranstaltung. Einiges hat sich freilich geändert: Musste früher die Glocke von Hand geläutet werden, so geht das heute auf Knopfdruck.

Früher war das Aufgabe eines Schülers, und das Amt wurde auf Dauer verliehen, erinnert sich Helmut Faber, einer der vielen Ehemaligen unter den Zuschauern. Der Spitzname des Glockenwarts lautete "Läutnant" oder "Bimm". Im Zweiten Weltkrieg war die Glocke abgeholt worden, um eingeschmolzen zu werden, erzählte Faber. Dazu kam es nicht, und irgendwann, 1947 oder 1948, sei die Glocke zurückgekehrt, erzählt er. "Und unser strenger Hausmeister, ein ehemaliger Feldwebel, hat geweint."