Beide Punkte sollten am Donnerstag eigentlich in nichtöffentlicher Sitzung behandelt werden. Aber weil die Grünen es beantragten und die beiden Hauptbeteiligten einverstanden waren, befasste sich der Stadtrat vor Publikum und Medienvertretern mit der Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) und der Ordnungswidrigkeit von Klaus Klumpers (ÖDP).

Die Dienstaufsichtbeschwerde hatte Klumpers eingereicht - aber nicht wegen seinem eigenen Fall, sondern wegen der Bahnunterführung Creidlitz. Klumpers hatte wissen wollen, wie die Stadt Ausgaben für diese Unterführung rechtfertigen könne, wenn es sich doch um eine freiwillige Leistung handele. Aber genau in diesem Punkt gehen die Auffassungen auseinander: Laut Stadtverwaltung und der Regierung von Oberfranken ist die Beseitigung von Bahnübergängen gesetzlich vorgeschrieben, also nicht freiwillig.
Damit hätten sich aufgrund von Klumpers' Frageformulierungen weitere Antworten erübrigt, sagte Juristin Stefanie Grundmann vom Rechtsamt der Stadt. Und: Die Geschäftsordnung des Stadtrats sehe nur vor, dass eine Anfrage beantwortet werden muss. Das Wie sei nicht geregelt.

Klumpers ärgerte sich, dass er keine Antwort erhielt, und beschwerte sich bei der Regierung von Oberfranken über den OB. Die verwies auf den Stadtrat als das zuständige Gremium. Der Stadtrat wies die Dienstaufsichtsbeschwerde nun als unbegründet zurück. OB Norbert Tessmer nahm während dieses Punkts an der Sitzung nicht teil, Klumpers saß im Publikum.

Dort saß er auch, als es gegen ihn selbst ging: Die Fraktionen von SPD, CSU/JC, Pro Coburg, SBC und Hans-Heinrich Eidt von der FDP hatten beantragt, ein Ordnungsgeld gegen Klumpers zu verhängen. Klumpers hatte am 6. August 2015 einen Eilantrag zur kurzfristig einberufenen Feriensenatssitzung gestellt. Die Punkte "Satzungsänderung für die Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz Coburg" und "Änderung des Finanzierungsvertrags" für die Projektgesellschaft sollten abgesetzt werden, forderte Klumpers. Seinen Antrag übermittelte er zeitgleich den Coburger Tageszeitungen und dazu noch einige Informationen aus der Beschlussvorlage. Die Sitzung war aber nicht öffentlich. Wenn Klumpers der Meinung war, die Sitzung dürfe so nicht stattfinden, hätte er die Rechtsaufsicht einschalten müssen, sagte Grundmann.

Hintergrund war damals, dass kurz zuvor ein Bürgerentscheid im Landkreis den Ausstieg des Kreises aus der Projektgesellschaft zum Jahresende 2015 erzwungen hatte. Deshalb sollte die Satzung der Gesellschaft so geändert werden, dass kein Mitglied mehr vor 2025 ausscheiden kann. Das wurde dann damals vom Feriensenat so beschlossen, aber um Rechtssicherheit zu haben, holte der Stadtrat später diesen Beschluss in öffentlicher Sitzung nach. Daran erinnerte am Donnerstag Martina Benzel-Weyh (Grüne). Im Dezember 2015 kam der Antrag von 28 Stadträten, ein Ordnungsgeld gegen Klumpers zu verhängen.

Vorgeschlagen waren nun 150 Euro. Martin Lücke (SPD), Gerhard Amend (CSB) und einige andere Stadträte plädierten dafür, es nun bei einer Rüge zu belassen. "Wir sitzen hier nicht als Strafrichter beieinander, sondern als stadträtliche Kollegen", Sagte Lücke. Für Barbara Kammerscheidt (SBC) und andere Redner ging es ums Prinzip: Jeder sei an seinen Eid und seine Amtspflichten gebunden.

Genau diese Diskussion habe er befürchtet, seufzte OB Tessmer: "Ich habe diesen Antrag nicht gestellt, und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es ihn nicht gegeben." Er werde für das Ordnungsgeld stimmen, aber "es ist nicht die Rache für die Dienstaufsichtsbeschwerde!"

Dem Vorschlag, es bei der Rüge zu belassen, stimmten nur die vier Grünen-Stadträte, Martin Lücke, Monika Ufken (SPD), Gerhard Amend und Christian Müller (CSB) zu. Gegen das Ordnungsgeld votierten dann nur noch die vier Grünen sowie die beiden genannten CSB-Stadträte. Klaus Klumpers zeigte sich unbeeindruckt: "Das war es mir wert." Er habe seinerzeit nur Punkte an die Öffentlichkeit gebracht, die sonst stets öffentlich behandelt worden waren.