Für die Fachleute vom Straßenbau geht es um die "Freihaltung von Lichtraumprofilen". Für den Laien: Grün aus privaten Gärten darf nicht über die Grundstücksgrenze in Straßen und Gehwege wuchern. Doch das tun die Hecken und Bäume, und das ist den Ingenieuren vom Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB) ein Dorn im Auge.

Aus mehreren Gründen. Zum einen, wenn es um Bauarbeiten geht. "Teilweise ist das Grün so weit in den Straßenraum gewachsen, dass es unmöglich ist, etwas zu reparieren", erläutert Gerhard Knoch, Leiter der Abteilung Tiefbau beim CEB.

Doch es geht nicht nur um Bauarbeiten: Bäume und Sträucher beeinträchtigen die Sicht und verengen den Platz auf den Straßen. Das gefährde in erster Linie Fußgänger und spielende Kinder, sagen Knoch und sein Stellvertreter Bernd Löhnert. Abgesehen davon, ist es auch vom Gesetz her nicht erlaubt, seine Gartenpflanzen über die Grundstücksgrenze wuchern zu lassen.

Lichtraum laut Gesetz

Hier kommt das "Lichtraumprofil" ins Spiel: Über den Gehwegen darf bis in 2,50 Meter Höhe nichts wachsen, über den Straßen bis in 4,50 Höhe. Und selbst, wenn die 2,50 Meter Höhe am Gehweg eingehalten werden, sind Straßenlaternen freizuhalten. Zuständig sind dafür die Grundstückseigentümer.

Wenn es um Baustellen geht, suchen die Leute vom CEB das Gespräch mit den Anrainern und bitten darum, das störende Geäst zu beseitigen. "Die meisten machen's dann", berichtet Knoch. Das ist der kleine Dienstweg.
Der große ist umständlicher. Der CEB verständigt das Ordnungsamt der Stadt Coburg. Das schreibt den Grundstücksbesitzer an und weist auf seine Pflicht zum Hecken- oder Baumschnitt hin. Je nachdem, wie eilig der Fall ist, setzt das Ordnungsamt auch eine Frist. "Dann müssen wir auch immer noch kontrollieren", erläutert Kai Holland, der stellvertretende Amtsleiter.

Nur Briefe, keine Bescheide

Ist nichts passiert, folgt ein zweiter Brief. Wenn der Grundstückseigner dann immer noch nicht reagiert, kommt die "Ersatzvornahme", wie es im Amtsdeutsch heißt. Das Ordnungsamt beauftragt das städtische Grünflächenamt, die überhängenden Zweige zu stutzen. Anschließend erhält der Grundstückseigentümer die Rechnung dafür. Gemessen an dem, was rechtlich möglich wäre, noch eine kulante Vorgehensweise. "Es ist ein Verstoß gegen das Straßen- und Wegerecht", erläutert Kai Holland. "Wir könnten auch gleich Bescheide erlassen und Gebühren verlangen, aber wir belassen es beim Brief." Das Amt nutze hier seinen Ermessensspielraum. Bescheide seien außerdem in der Bearbeitung aufwendiger.

Zahlreiche Fälle

Rund 150 bis 200 mal müssten jedes Jahr Grundstückseigentümer auf ihre Pflichten hingewiesen werden, sagt Holland. "Das ist ein ziemlich dicker Ordner." Doch auch er weiß, wie Gerhard Knoch und Bernd Löhnert, dass nicht jeder die Notwendigkeit zum Heckenschneiden einsieht. "Ich kenne mindestens einen Fall, wo sich der Eigentümer einfach weigert, seine Kiefer zu kappen, die schräg in den Straßenraum ragt", erzählt Knoch.

Baustellen, Verkehrssicherheit, Gesetzeslage - und noch ein praktisches Argument können Knoch und Löhnert ins Feld führen. Denn in die Straße ragende Äste halten im Winter die Schneepflüge auf oder beschädigen die Fahrzeuge, die die Kanäle spülen. "Außen befinden sich Hydraulikschläuche", erläutert Knoch. "Und so eine gelbe Rundumleuchte kostet 250 Euro!"

Ganz abgesehen davon wäre es ohnehin verboten, Bäume und Sträucher direkt an die Grundstücksgrenze zu setzen. Sträucher bis zu einer Höhe von zwei Metern müssen 50 Zentimeter nach innen versetzt sein; Bäume sogar zwei Meter weit von der Grundstücksgrenze entfernt stehen, sagt Knoch. Wer gegen diese Vorschrift verstößt, kann trotzdem ungestutzt davon kommen: Nach fünf Jahren ist die Angelegenheit verjährt.


Junge Bäume richtig pflegen

Was aber tun, wenn jemand nicht in der Lage ist, seinen Garten selbst in Ordnung zu bringen? Bernhard Ledermann, Leiter des Coburger Grünflächenamts, verweist auf Fachfirmen. Er weiß, dass es großen Aufwand bedeutet, den Lichtraum wie gefordert freizuhalten. "Wir asten unsere jungen Bäume so aus, dass die Krone erst in 4,50 Metern Höhe beginnt." Dann müssten später keine großen Äste abgesägt werden, die zu tief hängen.