• Coburger Samba-Festival: Besucher beschwert sich über Trommel-Show 
  • "Klingt für mich nicht nach Frieden": Rödentaler moniert "unkoordiniertes Getrommel"
  • Mann fühlt sich an Krieg erinnert - Lautstärke "unerträglich"
  • "Ab zurück": Zugezogener wird im Netz stark angegriffen - andere stimmen ihm zu
  • Erfolgreiche Bilanz: Samba-Festival in Coburg mit "farbenfrohen Auftritten" und viel Jubel

Der Rödentaler Eberhard Kübel hat mit einem Post in den sozialen Medien zum Coburger Samba-Festival 2022 eine hitzige Debatte ausgelöst - und einiges an Kritik einstecken müssen. In der Facebook-Gruppe "Coburger Stadtgespräche" beschwerte er sich über das "Trommeln für den Frieden" vor der Bühne am Schlossplatz am Sonntag (10. Juli 2022). "Trommeln für den Frieden? Was verbindet der durchschnittliche Mensch mit dem Klang von Trommeln? Für mich steht laute Trommelmusik für Aggressivität", schrieb Kübel. Mehr zum Samba-Festival: Zum Auftakt am Freitag (8. Juli 2022) war inFranken.de vor Ort und hat die Eindrücke in einer großen Fotostrecke (hier geht es zu den Bildern) zusammengefasst.

"Nimmer ganz dicht": Kritischer Besucher bei Coburger Samba-Festival wird hart angegangen 

Das, was ab 11.30 Uhr auf dem Schlossplatz stattgefunden habe, sei aus Kübels Sicht "Aggressivität hoch drei" gewesen. Ihn habe die Show daran erinnert, "wie in vielen Filmen dargestellt wird, wenn Naturvölker in den Krieg ziehen". Unter dem Beitrag schlägt ihm dafür viel Unverständnis entgegen - und teils auch Häme. "Manche Menschen sind nimmer ganz dicht", schreibt ein Nutzer. "Da würde ich mal anfangen, weniger Filme zu schauen", kommentiert ein anderer.  Eine Frau will den gebürtigen Sauerländer gar in seine Heimat verbannen: "Ab zurück. Sollte jeder, dem es hier nicht passt."

"Immer dasselbe Gemotze echt, muss doch keiner hin, ist halt einfach so", schreibt ein Mitglied der Gruppe. Eine Nutzerin empfiehlt dem Rödentaler, einen Trommel-Kurs zu machen. "Samba ist seit etlichen Jahren ein Teil von Coburg, auch als in der Ukraine kein Krieg herrschte", gibt eine Dame zu bedenken. Und auch tiefgreifendere Vorwürfe gibt es gegen ihn: "Menschen, die so argumentieren, fühlen sich in ihrer ganz eigenen Weltordnung gestört und können nicht weiter blicken als bis zum Tellerrand", findet eine Nutzerin. Doch Kübels Beitrag stößt nicht nur auf Ablehnung.

Immer wieder kommentieren Gruppen-Mitglieder, dass auch sie sich durch die Lautstärke des Samba-Festivals gestört fühlen. Ein Ur-Gründungsmitglied berichtet, er habe sich in seiner damaligen Innenstadt-Wohnung am Montag danach "ziemlich erlöst" gefühlt. "Ist halt Krach, der Geld bringt. Wer braucht's? Ich net. Habe fertig", schreibt eine Nutzerin. "Ich gehe auch nicht hin, aber aus anderen Gründen (mir wird's von den Bässen und Vibrationen immer ganz flau im Magen und es drückt ums Herz), aber hier in einem Dorf im Speckgürtel kann man es auch noch gut hören", so eine weitere Dame. "Samba ist sowieso der größte Mist für mich", poltert einer. 

"Ich mag Samba": Festival-Gast will trotz "Trommel-Trauma" wiederkommen

Gegenüber inFranken.de stellt Eberhard Kübel klar: "Ich mag Samba und war regelmäßig auf dem Samba-Festival. Auch dieses Jahr habe ich mit meiner Partnerin den Freitagabend, Samstagabend und teils auch den Sonntagvormittag genossen." Auch gegen Trommeln habe er ganz und gar nichts, versichert Kübel. Sein Problem: "Wir waren am Sonntag im Samba-Gottesdienst und anschließend bei den Quastenflossern. Aber schon in den letzten Minuten des Auftritts kam ein wildes Trommeln von dem Theater."

Dies habe eine "solche Lautstärke" gehabt, das Trommeln in "dieser Intensität löst für mich Aggressivität aus", so Kübel. Seine Partnerin und er seien noch kurz in die Nähe zu der Hauptbühne gelaufen, um sich einen besseren Eindruck zu verschaffen. "Es war ein völlig unkoordiniertes Getrommel, weil viele Gruppen zusammenkamen", sagt der Wirtschaftsingenieur. 

"Man musste das Veranstaltungsgebiet verlassen, damit die Lautstärke erträglich wurde. Das steht für mich nicht für Frieden", verweist er auf den politischen Gedanken der Show. Er wolle "aber sicher" auch 2023 wieder aufs Samba-Festival in Coburg kommen. Ratschläge wegzuziehen, findet er alles andere als angemessen. "Ich wohne seit zehn Jahren hier und finde Oberfranken und die Feste hier wunderschön." Er freue sich auch schon auf sehr das Coburger Schlossplatzfest am kommenden Wochenende

Coburger Samba-Festival 2022: Polizei und Veranstalter mit positiver Bilanz

Am Tag nach dem Coburger Samba-Festival 2022 zogen die Veranstalter zusammen mit Polizei und dem BRK Bilanz. Die Sambaco GmbH blickte erleichtert auf drei Tage erfolgreiche Tage zurück. "Es war ja für uns alle irgendwie nicht abzusehen, wie das neue Konzept mit dem Festivalbereich am Schlossplatz angenommen wird", so Geschäftsführer Rolf Beyersdorf, der es als "vollen Erfolg" bezeichnete. Als Highlights des Wochenendes nannten die Veranstalter "die viel umjubelten Auftritte des brasilianischen Topstars Carla Visi, die unbändige Energie der kolumbianischen Band Aainijaa und der Capoeria-Wettbewerb.

Auch die farbenfrohen Auftritte der Sambaköniginnen Camila Silva und Desiane de Jesus wurden begeistert gefeiert." Im Zusammenhang mit dem Samba-Festival zählte die Polizei bis zum Sonntag (10. Juli 2022) sechs Verstöße nach dem Betäubungsmittelgesetz. Es gab eine gefährliche Körperverletzung und drei Diebstahlsdelikte. Der Großteil der Straftaten fand in der Nachtzeit im angrenzenden Hofgarten statt, so der Bilanzbericht.

Während des Festivals wurden drei Kinder beziehungsweise Jugendliche vermisst, teilt die Polizei mit. Sie alle konnten aber wieder wohlbehalten mit ihren Eltern vereint werden. Insgesamt sprach die Coburger Polizei von einem sehr ruhigen, fröhlichen und friedlichen Festival. Auch das BRK berichtete von einem ruhigen Wochenende. "Deutlich weniger Einsätze als beim letzten Samba-Festival vor der Pandemie", so das Fazit von BRK-Einsatzleiter Wolfram Krause. "Am meisten mussten wir Pflaster für die Trommler wegen Blasen an den Fingern ausgeben."