"Ihr seid schon ein bisschen verrückt", das bekommen Bastian "Basti" Heimberger, Florian "Flo" Sander und Albert Liebermann in letzter Zeit öfter zu hören. Allerdings immer eher mit einem bewundernden Unterton. Die drei jungen Männer (alle sind gerade 24) starten am Freitag zu einer Radtour. Das ist tatsächlich nicht immer gleich verrückt. Aber ihre Tour beginnt in San Francisco und soll 90 Tage später in New York enden. Und das halten dann manche eben schon für ein bisschen verrückt.
Das heißt nicht, dass die drei nicht wüssten, was sie tun. Basti und Flo haben gerade ihr Sportmanagement-Studium abgeschlossen, Albert ist Soldat. "Wir sind schon alle drei recht sportlich", sagt Flo selbstbewusst. Radeln haben sie nicht extra trainiert. Das wird sich aber finden - auf einer Strecke von 6000 Kilometern.


Lieber mit Freunden

Basti hatte die Idee für die Tour. "Ich wäre auch allein gefahren", sagt er. Das hat er schon mal gemacht. Vor ein paar Jahren, als er das Gefühl hatte "einfach mal raus" zu müssen. Da ist er ins Blaue geradelt und war irgendwann in Marseille. Von da ging es im Zug nach Hause. "Da hatten sie mir das Rad geklaut", erzählt er. Dass jetzt seine beiden Freunde mit an den Start gehen, freut ihn da schon sehr. Auch wenn Flo nicht die ganze Tour mit dabei sein kann.
"Ich hatte schon vorher für eine Familienfeier zugesagt, da konnte ich nicht wieder absagen", sagt er. Für Flo endet die Tour schon in Denver, Colorado. "Schon" heißt in diesem Fall, nach rund 2000 Kilometern. Basti grinst, als er erklärt: "Das sind aber vom Profil her schon die härtesten Kilometer der Strecke." Sierra Nevada und Rocky Mountains sorgen für 20 000 Höhenmeter, die auf dieser Etappe zu bewältigen sind. Es wird schon ein bisschen schwer sein, die Freunde in Denver allein weiter radeln zu lassen. Am 5. Mai geht dort sein Flug. Am liebsten würde Flo dann in Chicago wieder dazu stoßen. "Das ist aber auch eine Frage des Geldes", räumt er ein.


Rad von der Oma

Apropos Geld. Eine Profi-Ausrüstung für so eine Tour muss doch ein Vermögen kosten. Basti hat schon wieder Grund zum Grinsen: "Ich fahr' mit dem Peugeot-Damenrad, das mir meine Oma vor ein paar Jahren überlassen hat. Das ist so um die 20 Jahre alt." Die Räder der beiden anderen sind auch nicht viel jünger. "Mit High-Tech-Maschinen kann es ja jeder", meint Basti und grinst noch mehr. Das Vertrauen in bewährte Technik hat auch Flo: "Die Räder laufen einwandfrei."


Räder als Luftfracht

Neue Reifen haben aber alle noch mal bekommen, ehe sie, gut verpackt, die Reise nach San Francisco angetreten haben. Die erste Hürde sehen die drei "Coast2Coast" Tourer schon mal darin, bei der Ankunft in den USA Räder und Gepäck am selben Flughafen anzutreffen. Um dann startklar zu werden, haben sei ein paar Tage Zeit. Am 4. April wollen sie in die Pedale treten in Richtung Osten.


Quartiere als Couch-Surfer

Da passt es gut, dass ihr erstes Quartier eine "Couch-Surfing" Bleibe ist. "Wir sind bei einem älteren Herrn untergekommen, der selbst auch radbegeistert ist. Da dürfen wir bleiben, so lange wir wollen, der kennt auch gleich einen Fahrradladen, falls wir noch was brauchen", weiß Basti. Er wird ihnen sicher auch ein paar Tipps für die besten Strecken auf dem ersten Teil der Tour geben können. "Couch-Surfing" oder die Variante "Warm Shower", die sich besonders für Rad-Tourer eignet, soll auf der Strecke auch größtenteils für die Quartiere sorgen. Größtenteils. "Ein paar Tage werden wir auf einer Straße unterwegs sein, wo es wohl nicht immer mit einer Unterkunft klappen wird", sagt Basti. Die Strecke wirbt für sich mit dem Titel "Loneliest Road of the USA". Auf der einsamsten Straße der Vereinigten Staaten wird es wohl mal mit Camping gehen müssen.
Etwa 70 Kilometer wollen die Radler am Tag schaffen. Da ist auch ein Zeitpuffer eingebaut, um mal einen Tag nicht im Sattel sitzen zu müssen, weil es etwas zu besichtigen gibt, weil das Wetter extrem wird, oder weil ganz einfach auch der Hintern mal eine Pause fordert. So oder so - nach 90 Tagen müssen die 6000 Kilometer geschafft sein. Denn länger dürfen sie nicht in den Staaten bleiben.
Doch jetzt muss es erst mal los gehen. Alle drei freuen sie sich auf die schon recht abenteuerliche Reise. Mit dem Rad wird die Strecke nicht einfach überwunden, sondern lässt sich im wahrsten Sinne "erfahren" und wahrnehmen. "Und am Abend macht es einen irgendwie stolz, zu sehen, was man geschafft hat", ist Basti sicher. Wenn sie Ende Juni wieder in der Heimat angekommen sind, beginnt für die beiden Studenten die Jobsuche als Sportmanager. "Da macht es sich in der Bewerbung sicher auch nicht schlecht, wenn man so was gemacht hat", meint Flo.