An Ludwig van Beethoven kommt in diesem Jahr eigentlich kein Kultur-Veranstalter vorbei. Beim 33. Coburger Neujahrskonzert der Stadt aber verzichtete Generalmusikdirektor Roland Kluttig noch ganz bewusst auf Beethoven und setzte stattdessen auf eine kurzweilige Mischung aus tänzerischer Eleganz und virtuoser Brillanz, ein wenig Recycling aus dem Vorjahr eingeschlossen.

Edward Elgars "Three Bavarian Dances", die bereits 2018 an gleicher Stelle auf dem Programm standen, eröffneten die Vortragsfolge, die gleich in mehrfacher Hinsicht im Zeichen des Abschieds stand.

Wechsel nach Graz

Denn bei der traditionsreichen Veranstaltung der Stadt stand letztmals Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig am Dirigentenpult. Kluttig wechselt bekanntlich nach Saisonende als neuer musikalischer Chef an das Opernhaus nach Graz. Und für Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer, dessen Amtszeit am 30. April enden wird, war die 18. Neujahrskonzert-Ansprache die letzte Ansprache.

Schwungvoll und üppig im Klang - das beschreibt nicht nur Elgars Tänze, sondern könnte fast als Motto für den gesamten Vormittag gelten, bei dem sich drei Künstlerinnen des Landestheaters die instrumentalen wie vokalen Solo-Aufgaben teilten. Für die erkrankte Sopranistin Laura Verena Incko sprangen Francesca Paratore und Kora Pavelic kurzfristig ein.

"Die Fledermaus"

Naheliegend bei diesem Anlass, dass einer der vokalen Beiträge der aktuellen Inszenierung der "Fledermaus" entnommen war: Als Adele brachte Francesca Paratore das Couplet "Mein Herr Marquis" in jeder Note, in jeder vokalen Geste effektvoll über die Rampe - ebenso effektvoll wie Kora Pavelic im zweiten Teil die Sequidilla aus Bizets "Carmen" interpretierte.

Für jene Neujahrskonzert-Fans im offiziell ausverkauften Kongresshaus, die vor allem Musik des Walzerkönigs Johann Strauß hören wollen, war an diesem Vormittag unter dem Motto "Johann Strauß in Ungarn" gut gesorgt. Denn neben denn neben flotten Polka-Klängen unter dem Motto "Neues Leben" und "Eljen a Magyar" gab es auch noch den glutvoll musizierten Csárdás aus "Ritter Pásmán" und die melodienreiche Ouvertüre zum "Zigeunerbaron".

Intendant Loges moderierte

Als Moderator führte erneut Intendant Bernhard F. Loges durch den klangvollen, ästhetisch leicht verdaulichen Vormittag im Kongresshaus Rosengarten und steuerte dabei auch manches interessante Detail zu den Werken und ihren zeitgeschichtlichen Hintergründen bei.

Wer wird Kluttigs Nachfolger?

Bestens disponiert präsentierte sich das Philharmonische Orchester, das in den nächsten Wochen erfahren wird, wer sein neuer Chefdirigent als Nachfolger des zur neuen Saison nach Graz wechselnden Chefs Roland Kluttig werden wird. Ob bei Elgars "Bavarian Dances" oder bei drei "Ungarischen Tänzen" von Johannes Brahms im zweiten Teil - stets beeindruckte das Philharmonische Orchester unter Kluttigs jederzeit umsichtiger, stilsicherer Leitung durch sein geschmeidiges und klanglich abgerundetes Musizieren.

Megumi Ikeda brillierte

Das galt auch für Maurice Ravels Virtuosenstück "Tzigane". Hier brillierte Coburgs koordinierte erste Konzertmeisterin Megumi Ikeda mit schier müheloser Virtuosität und abgerundeter, stets gesanglicher Tongebung.

Offenbachs Barcarole

Dass die abschließende Barcarole aus Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen", von Francesca Paratore und Kora Pavelic schwelgerisch gesungen, nicht das musikalische Schlusswort bleiben würde, war natürlich klar. Denn Neujahrskonzerte leben von Ritualen - auch in Coburg. Und zu diesen Ritualen gehören natürlich Zugaben - von einem weiteren Ungarischen Tanz bis zur Polka "Unter Donner und Blitz" und schließlich zum "Radetzky-Marsch".

Großer Jubel und eine große Frage, die im Festsaal zurück blieb: Welcher Dirigent wird im nächsten Jahr als neuer Generalmusikdirektor des Landestheaters das Coburger Neujahrskonzert leiten?

Rund um das Coburger Neujahrskonzert

Hintergrund Die Tradition der Coburger Neujahrskonzerte wurde mit Blick den Walzerkönig Johann Strauß begründet, der 1886 Coburger Staatsbürger wurde, um im Jahr darauf in Coburg seine dritte Ehe mit Adele Strauss, geborene Deutsch, eingehen zu können. 28 Jahre lang pflegte das in Stuttgart ansässige Alt-Wiener Strauss-Ensemble die Coburger Strauß-Tradition in einer Besetzung, die dem Originalklang der Strauß-Kapelle nachempfunden ist. Aus Kostengründen hatte die Stadt Coburg im Februar 2015 entschieden, für das traditionelle Neujahrskonzert künftig nicht mehr das "Alt-Wiener Strauss-Ensemble" unter seinem Leiter Ralph Kulling zu verpflichten. Stattdessen übernimmt seit 2016 das Philharmonische Orchester Landestheater Coburg diese Aufgabe. Megumi Ikeda studierte Violine in Japan und an der Saarländischen Musikhochschule bei Varely Klimov und Maxim Vengerov. Sie ist Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe, darunter des Gieseking-Wettbewerbs Saarbrücken und des Bach-Wettbewerbs Paris. 2001 war sie als Konzertmeisterin am Theater Saarbrücken engagiert, wechselte 2003 nach Würzburg und spielt seit 2004 als koordinierte 1. Konzertmeisterin im Philharmonischen Orchester des Landestheaters. Daneben tritt sie als Solistin beispielsweise mit dem Hiroshima Symphony Orchestra auf und brachte zahlreiche CD-Aufnahmen heraus. Francesca Paratore

Die junge Sopranistin Francesca Paratore wurde in München geboren. 2012 kam sie als Jungstudentin an die Universität Mozarteum Salzburg. Noch vor dem Abschluss des Bachelors mit Auszeichnung war sie in den Universitätsproduktionen "L"incorazione di Poppea" von Monteverdi in der Rolle des Valletto und in Mozarts "Le nozze di Figaro" als Barbarina zu sehen. Zahlreiche Liederabende führten Francesca Paratore nach Deutschland, Österreich und Italien. Sie besuchte Meisterkurse unter anderem bei Grace Bumbry und Christa Ludwig.

2017 debütierte Francesca Paratore am Landestheater Coburg als Barbarina in "Le nozze di Figaro". Seit der Spielzeit 2018/2019 ist sie festes Ensemblemitglied am Landestheater Coburg, wo sie unter anderem als Susanna ("Le nozze di Figaro") bei den Mozartfestspielen Schwetzingen, als Pinocchio in der gleichnamigen Oper und Mi ("Das Land des Lächelns") zu erleben war.

Kora Pavelic Die Mezzosopranistin Kora Pavelic wurde in Kroatien geboren und studierte an der Stuttgarter Musikhochschule Gesang bei Dunja Vejzovic und Frédérique Friess. Sie belegte Meisterkurse bei Tiziana Šojat, Michael Gees, Laurence Cummings, Catherine Denley und Shirley Close. Kora Pavelic ist Stipendiatin des Richard-Wagner-Verbands Zagreb und der Johann Paul Stiftung der Schweiz.

2010 debütierte sie am Kroatischen Nationaltheater Varaždin, 2011 an der Stuttgarter Oper. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt sang sie die Tisbe in "La Cenerentola", die Zweite Dame in Mozarts "Zauberflöte" oder die Annina in "La traviata".

Mit der Spielzeit 2014/2015 kam Kora Pavelic ans Landestheater Coburg, wo sie u.a. als Orpheus in "Orpheus und Eurydike", Hänsel in der Märchenoper "Hänsel und Gretel" oder als Page der Herodias in "Salome" zu sehen war. Außerdem stand sie in der Barockoper "King Arthur" und der szenischen Mahler-Vivier-Collage "Der Welt abhanden gekommen ..." sowie als Cenerentola in der gleichnamigen Oper auf der Coburger Bühne.