• Coburg: Ansturm auf Tankstelle Walther wegen Sprit-Rabatt
  • "Haben schon gewartet": Betreiber kommt zur Arbeit - bereits lange Schlange
  • Monatswechsel auch Grund für massiven Run auf Zapfsäulen 
  • "Mussten irgendwas tun": Tankstelle greift zu Trick, um weitere Kunden abzuhalten

Während es in vielen Städten am ersten Juni an den Tankstellen verhältnismäßig ruhig blieb, kam es in Coburg zu einem Ansturm auf die Zapfsäulen, wie der Betreiber der Walther-Tankstelle in der Raststraße, Hans-Joachim Büttner, gegenüber inFranken.de erklärt. Bei ihm sei die Situation so heftig gewesen, dass man am Nachmittag gegen 16 Uhr zu einem Trick habe greifen müssen, um weitere Kunden von vornherein abzuhalten. 

"Ich wurde komplett leer getankt": Coburger Tankstellenbetreiber erlebt Ansturm wegen Sprit-Rabatt

"Die Leute haben schon gewartet, als ich morgens um sieben Uhr gekommen bin, um zu öffnen", berichtet Büttner. Bereits zu dieser Uhrzeit seien nach seiner Schätzung sieben bis acht Fahrzeuge hintereinander angestanden. "Bei 1,82 Euro für den Diesel war das aber auch vorprogrammiert", so der Tankstellen-Betreiber. Zuvor hätten viele seiner Kunden nur noch für fünf bis zehn Euro getankt, "weil es auf den Geldbeutel drückt". Dazu sei der Monatswechsel gekommen. "Die Leute hatten pünktlich zum 1. Geld, dann geht noch der Preis um 35 Cent runter", sagt er. 

Doch dann sei ab 16 Uhr "Ende" gewesen. "Ich wurde komplett leer getankt, es gab nicht einmal mehr E10, was ja eigentlich eher ein Ladenhüter ist", erzählt Büttner. Genauso sei es auch "allen Stationen" irgendwann gegangen. "Der Tankfahrer, von dem ich dann am Abend wieder eine Lieferung bekommen habe, war deswegen schon sichtlich genervt."

Dass der Sprit so schnell knapp wurde, lag aber nicht nur am Ansturm, erläutert der Betreiber der Walther-Tankstelle in Coburg. "Es wurde recht wenig geliefert, denn der Steuervorteil gilt ab Raffinerie, nicht ab Zapfsäule. Das heißt, der Sprit wurde noch vor dem 1. Juni teuer eingekauft und musste dann aber günstiger verkauft werden. Es war nicht so viel, sonst hätten die ja Geld verschenken müssen", erklärt er. 

3,09 Euro pro Liter trotz Tankrabatt? Trick der Tankstelle Walther sorgt bei Coburgern für Verwirrung

Um weitere Fahrer und Fahrerinnen abzuhalten, trotz leerer Zapfsäulen zur Walther-Tankstelle zu fahren, habe man zu einem Trick gegriffen: "Zur Abschreckung wurde von der Gesellschaft ein zu hoher Preis konstruiert, um in den Tank-Apps ganz nach unten zu rutschen", sagt Büttner. Dort sei man nämlich "im Normalfall auf Platz 1, weil wir in der Regel der günstigste Anbieter sind." Die Aktion sorgte bei vielen Autofahrern und Autofahrerinnen in Coburg für Verwirrung

In den sozialen Medien wie in der Facebook-Gruppe "Coburger Stadtgespräche" wurde sich verwundert ausgetauscht, warum der Preis laut Tank-App plötzlich bei 3,09 Euro für den Liter Diesel liege. "Walther hat was falsch verstanden", meinte eine Nutzerin mit einem Lachsmiley. "Es stand wirklich so auf der Anzeige bei der Tanke. Alles 3 Euro aufwärts außer Autogas", schrieb ein anderer. "Bin gerade vorbeigefahren. 8.89", berichtet eine weitere Frau. 

Doch zu diesen Preisen habe natürlich niemand getankt, versichert Tankstellen-Betreiber Büttner. "Wir mussten irgendwas tun, damit der Ansturm aufhört. Irgendwann sind wir dann auf die Idee gekommen, die Anzeige auszuschalten, Strom weg, Licht aus, fertig. Aber auf die einfachen Lösungen kommt man in solchen Situationen natürlich immer zu spät", sagt er und lacht. 

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Der Ansturm habe sich aber schnell gelegt, sagt er. "Gestern war schon wieder fast gar nichts. Auch heute ist der Preis vielen Leuten wieder zu hoch", so Büttner. Denn am Freitagmorgen (2. Juni 2022) liege der bei Super E5 bereits wieder bei 2,01 Euro pro Liter. Der Grund: "Lediglich die Hälfte des Tank-Rabatts wird gerade an die Endkunden weitergeleitet", erklärt der Betreiber der Tankstelle. 

Das liege daran, dass die Kraftstoff-Lager erst wieder befüllt werden müssten. Dass dies noch nicht geschehen sei, liege auch einem enormen Fahrermangel, "der war schon vor der Krise ein Problem, weil niemand diesen Job machen will", sagt Büttner. Er gehe aber davon aus, dass Anfang kommender Woche der Preis für den Sprit wieder sinke

"Danach ist wahrscheinlich alles unter zwei Euro", prophezeit er. Dass der Ansturm so nachgelassen hat, hat aus seiner Sicht auch mit einem "optischen Effekt" zu tun. "Die Leute sehen die zwei vor dem Komma und dann ist es für sie teuer." Bei einer Sache jedoch können sich Kunden an diesem Freitag zumindest sicherer sein: Dass die Zapfsäulen der Tankstelle Walther in Coburg nicht leer sind

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