Die Bewerbung war eiligst erstellt "und so schlecht nicht", wie Stephan Horn mit einigem Selbstbewusstsein sagt. Stadt und Landkreis Coburg hatten sich gemeinsam als Standort für ein Digitales Gründerzentrum beworben; Stephan Horn als Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft hatte dabei die Federführung inne.

Weitere Partner waren die IHK, die Handwerkskammer sowie die Hochschule Coburg. Außerdem hatten rund 40 Unternehmen der Region im Vorfeld zugesagt, die Arbeit eines solchen Digitalen Gründerzentrums als Netzwerk begleiten zu wollen. Eine "zweistellige Zahl" hatte überdies Erklärungen abgegeben, die Arbeit auch finanziell zu unterstützen, hatte Horn noch im April im Coburger Stadtrat berichtet.


Zusagen von Anfang an

Doch schon damals war klar, dass die Coburger Bewerbung gegen die aus Hof und Bamberg würde konkurrieren müssen, und es war bekannt, dass diese beiden Städte im Prinzip schon Zusagen hatten. Bamberg sollte das Gründerzentrum sozusagen als kleinen Ausgleich für die Rückführungseinrichtung für nicht anerkannte Flüchtlinge erhalten, Hof, "weil die wieder lauthals gejammert haben", wie der Abgeordnete Jürgen Heike (CSU) flapsig sagt.

Stephan Horn formuliert das diplomatischer: "Wann hätten wir denn in den vergangenen zehn Jahren Regional- oder Wirtschaftsförderung erhalten?" Stadt und Landkreis Coburg würden nun einmal einen starken Wirtschaftsraum bilden, sagt auch Jürgen Heike.

Stadt und Landkreis Coburg sind für die Bewerbung eine sogenannte Einfache Arbeitsgemeinschaft Digitales Gründerzentrum eingegangen, die auf jeden Fall ihre Arbeit aufnehmen werde, wie Horn versichert. Die großen Projekte werde diese Arbeitsgemeinschaft zwar nicht angehen können, weil sie dafür die Fördermittel gebraucht hätte. "Aber wir werden schauen, was wir mit Bordmitteln machen können", sagt Horn.

"Unsere Arbeit war nicht umsonst", meint auch IHK-Präsident Friedrich Herdan, wie er am Dienstag erklärte. Coburg habe eine "fachlich hochwertige Bewerbung" abgegeben, die "eine positive Berücksichtigung absolut verdient hätte". Herdan nennt es "grundsätzlich positiv", dass in Oberfranken gleich zwei Standorte den Zuschlag erhalten haben.


TAO kam nicht zum Zug

Niederbayern und Schwaben hatten als Bezirke Bewerbungen ums Gründerzentrum abgegeben: Niederbayern mit Passau, Landshut und Deggendorf, Schwaben mit Augsburg und Kempten. In Oberfranken hatten sich die Städte (teilweise mit den Landkreisen) Bamberg, Bayreuth, Coburg, Hof und Kronach beworben. Dabei hatte es durchaus den Vorschlag gegeben, dass die "Technologie-Allianz Oberfranken" (TAO), der Zusammenschluss der Hochschulen und Universitäten in Bamberg, Bayreuth, Coburg und Hof, sich für Oberfranken um das Digitale Gründerzentrum bewerben solle. Doch das sei nicht zustande gekommen, bedauert Horn. "Dieses ,Jeder-für-sich‘ ging nicht von Coburg aus."

Nach wie vor sei die Region für die Zusammenarbeit mit den anderen Bewerbern bereit; das gelte insbesondere für Bamberg, aber auch für Kronach. Die Kronacher Bewerbung hatte in Coburg auch deshalb Befremden ausgelöst, weil sie offen vom früheren Coburger Hochschulpräsidenten Michael Pötzl unterstützt wurde.

Standort für das Digitale Gründerzentrum hätte in Coburg die alte Pakethalle am ehemaligen Güterbahnhof werden sollen. Da müsse es nun "irgendwie weitergehen", sagt Horn. Die Pakethalle dient im Moment in erster Linie als Ort für Messen und Events, verwaltet von der Wifög.


Stattdessen Start-up-Center?

Vorgesehen ist die Entwicklung des ehemaligen Güterbahnhofsgeländes zum "Band der Wissenschaft, Technik und Design". "Genau dort ist der richtige Platz für ein Start-up-Center - ähnlich wie es beim Digitalen Gründerzentrum geplant geesen wäre", erklärt Herdan. Ein solches Center könne bestehende Netzwerke in der Region stärker verknüpfen sowie wichtige Impulse in der Region für die Gründerszene und die Beschleunigung der digitalen Transformation in Oberfranken setzen.

Wie Horn will sich der IHK-Präsident nicht lange mit Bedauern aufhalten, sondern blickt in die Zukunft: "Für Coburg ist mit der heutigen Entscheidung das Thema eines Gründerzentrums mit dem Schwerpunkt Digitalisierung keinesfalls erledigt. Das wird uns in Zukunft weiter beschäftigen, und auch dafür brauchen wir die Unterstützung der Politik, ideell wie pekuniär. Außerdem haben wir jetzt wieder die Möglichkeit, neue Partnerschaften auszuloten."

Unternehmensgründer aus dem Bereich Digitalisierung haben zudem unabhängig von einem Gründerzentrum die Chance, Fördermittel zu erhalten. Bis zu 36 000 Euro innerhalb eines Jahres sind möglich; bewerben können sich Unternehmen, deren Gründung nicht länger als zwei Jahre zurückliegt (www.gruenderland.bayern.de, ).