• Coburg: Mann betreibt Rache-Website nach Scheidung von Ehefrau
  • "Gesäß nahezu unbekleidet": Tanga-Foto und wüste Beschimpfungen
  • "Rechtlich nicht zu beanstanden": Geschiedener Oberfranke sieht keinen Fehler
  • Frau bekommt keine Geldentschädigung - Landgericht Coburg begründet Urteil 

Obwohl die Klägerin und der Mann bereits seit dem Jahr 2014 geschieden seien, sei ihr Verhältnis "weiterhin nachhaltig zerrüttet", heißt es in einer Mitteilung des Landgerichts Coburg zu dem Fall. Der Mann habe eine Internetseite unter dem Vor- und Nachnamen seiner Ex-Frau betrieben und dort Inhalte über sie veröffentlicht, so das Gericht.

Coburg: Mann beschimpft Ex-Frau auf extra erstellter Internetseite - und sieht kein Problem damit

Dabei sei der Eindruck entstanden, die Frau selbst habe das veranlasst, erklärt das Landgericht Coburg. Der Mann hatte die Klägerin demzufolge auch als "vollkommen dumm", als "Diebin", "Lügnerin" und "Betrügerin" bezeichnet. Außerdem veröffentlichte er ein Foto, "auf dem das Gesäß der Klägerin nahezu unbekleidet zu sehen war", so das Gericht. Die Seite aufgeben und das Foto löschen - das tat der Mann demnach nicht, obwohl ihn seine Ex-Frau mehrmals dazu aufgefordert hatte.

"Auch eine Geldentschädigung im niedrigen vierstelligen Bereich und die Rechtsanwaltskosten der Klägerin mochte der Beklagte nicht zahlen", so das Gericht. "Er meinte vielmehr, sein Tun sei rechtlich nicht zu beanstanden. Weder sei das Namensrecht der Klägerin verletzt noch deren Recht am eigenen Bild", heißt es in der Mitteilung.

Das Landgericht Coburg sah die Sache anders. Demnach habe "der Beklagte die Verwendung der Internet-Domain unter dem Namen der Klägerin zu unterlassen und diese sogar gänzlich freizugeben". Der Grund: Das Namensrecht der Frau sei verletzt

Frau bekommt keine Entschädigung - Tanga-Fotos in Werbeprospekten "nichts Ungewöhnliches"

Auch auf die Unterlassung der Veröffentlichung des Fotos habe sie einen Anspruch. Zwar zeige das Bild nur den Rücken der Frau und ihr mit "Tangaunterwäsche bekleidetes Gesäß, ohne dass Gesichtszüge oder sonstige individuelle Merkmale der Klägerin zu sehen waren", heißt es. Doch ihr Name stand auf der Website - und auch der Text zum Bild war aus Sicht des Gerichts eindeutig ihr zuzuordnen.

Dort hatte der wütende Ex-Mann "in der Ich-Form über die Mutterrolle der Klägerin in der zerbrochenen Ehe geschrieben und das Foto selbst dazu genutzt, um die Aussage 'Man zeigt seinen Kindern den Arsch' zu unterstreichen", so das Gericht. Hierdurch sei das Recht der Klägerin am eigenen Bild verletzt worden, so das Urteil. Eine Geldentschädigung bekommt die Frau aber nicht, da es sich laut Gericht nicht um einen "schweren Eingriffen in die Intim- oder Privatsphäre" gehandelt habe.

Ein "mit Tangaunterwäsche bekleidetes Gesäß" sei nach der Entscheidung des Gerichts beispielsweise "in wöchentlich erscheinenden Werbeprospekten nichts Ungewöhnliches". Auch habe der Ex-Mann sie nicht zu "einem bloßen Lustobjekt" machen wollen. "Wegen ihres engen Zusammenhangs mit einer Aussage der Klägerin als Zeugin in einem Strafverfahren sah das Gericht auch in den ehrenrührigen Bezeichnungen der Klägerin durch den Beklagten die Schwelle zu einer strafbaren Beleidigung noch nicht überschritten", erklärt das Landgericht Coburg. Der Mann müsse aber die Rechtsanwaltskosten der Klägerin teilweise übernehmen.

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