Zanderweibchen haben die helleren Bäuche: Wieder was gelernt am Goldbergsee, in dem seit Freitag nun auch Zander schwimmen. 30 Exemplare wurden eingesetzt, weibliche und männliche, alle schon drei Jahre alt und damit in der Lage, ab nächstem Jahr für Nachwuchs zu sorgen.

Die Zander im Goldbergsee gehören zu den Restarbeiten, die dort noch erledigt werden und die fast vergessen lassen, dass das See-Idyll in erster Linie dem Hochwasserschutz dient. Offiziell ist der See samt Leiterüberleiter nun fertig: Staatssekretärin Melanie Huml (CSU) hielt gestern die Festrede, bevor sie mit er Europa-Abgeordneten Monika Hohlmeier (CSU) und der Tunnelpatin Karin Baumüller-Söder die ersten Fische ins Wasser ließ. 56 Millionen Euro haben die Kommunen Coburg und Lautertal, der Freistaat Bayern und die EU für den See und den Hochwassertunnel ausgegeben.


Huml erinnerte daran, dass die Überlegungen in den 70er Jahren begannen: Weihnachten 1967 stand halb Coburg unter Wasser, weil Schneeschmelze in Thüringen und Regen alle vier Zuflüsse anschwellen ließen: Itz, Sulz, Lauter und Rottenbach treffen sich in Coburg.

In den 70er Jahren begannen deshalb die Planungen für einen umfassenden Hochwasserschutz. Erstes Ergebnis war der Froschgrundsee, den der damalige Ministerpräsident Franz-Josef Strauß (CSU) 1986 einweihte. Dafür war ein eigener Staatsvertrag notwendig, denn der Rückstau des Sees erstreckte sich auf das Gebiet der damaligen DDR.

Das zweite Rückhaltebecken, der Goldbergsee, brauchte mehr Zeit. Noch in den 90er Jahren sei in Bürgerversammlungen erbittert über die Notwendigkeit diskutiert worden, erinnerte sich Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD). Auch die Grundstücksverhandlungen zogen sich hin. 2003 begann der Bau des Rückhaltebeckens; 2008 wurde die Fertigstellung des Damms gefeiert. 2009 begann der Bau des Lauterüberleiters. Der fast zwei Kilometer lange Tunnel leitet Hochwasser der Lauter in den Goldbergsee und schützt so das Lautertal. "Er funktioniert, das haben wir in den letzten Monaten erfahren dürfen", stellte Melanie Huml fest. Die Natur forderte den Probebetrieb schon während der Bauzeit, zuletzt Anfang Juni.

In Coburg selbst wird die Lauter ein neues Bett erhalten. Die ersten neuen Ufermauern stehen schon zwischen Heiligkreuzschule und der Einmündung zur Itz; nächste Woche wird der Spatenstich für das zweite Teilstück stattfinden.

Mit all den Baumaßnahmen werde Coburg zumindest vor Katastrophen des bisher bekannten Ausmaßes geschützt, sagte Kastner. Zusätzlich habe die Region mit dem Goldbergsee ein "Naherholungsgebiet erster Güte" erhalten sowie ein Naturschutzgebiet "allererster Güte".


Splitter

Sturheit Angesichts der jüngsten Fluten diskutiert niemand mehr darüber, ob Hochwasserschutzmaßnahmen notwendig sind. Das war auch schon anders, berichtete die Europa-Abgeordnete Monika Hohlmeier (CSU), frühere Ministerin und Tochter von Franz Josef Strauß.

Schon in der Regierungszeit ihres Vaters habe ein hartnäckiger Beamter im Innenministerium immer wieder Vorlagen gemacht, dass der Silvensteinspeicher ausgebaut werden müsse. Um Ruhe zu haben, genehmigte die Staatsregierung irgendwann das Projekt. Der Ausbau war fertig - "und sechs Monate später kam das Jahrhunderthochwasser, das die ganze Stadt Tölz vernichtet hätte", berichtete Hohlmeier. Der Beamte, der noch vom damaligen Innenminister Stoiber wegen seiner Penetranz gerüffelt wurde, erhielt daraufhin den bayerischen Verdienstorden.

Fischerei Vorgesehen ist, den Goldbergsee auch als Fischgewässer zu verpachten. Allerdings sei noch nicht entschieden, in welchem Umfang, sagte Friedrich Schubart, der beim Wasserwirtschaftsamt Kronach zuständige Abteilungsleiter. Die nun eingesetzten Zander (Stückpreis: 35 Euro) sollen dafür sorgen, dass sich die im See lebenden Friedfrische nicht übermäßig vermehren. Zander können bis zu 1,50 Meter lang werden. Dann wiegen sie um die 25 Kilo, sind aber immer noch essbar, versichert Fischzüchter Alexander Krappmann. Welse werden noch größer - doch die kommen laut Schubart nicht in den See.

Dokumentation Gerhard Bauersachs aus Beiersdorf hat eine über 100 Seiten dicke Dokumentation über den Goldbergsee zusammengestellt. Enthalten sind unter anderem sämtliche Berichte im Tageblatt über den See. Die Broschüre kostet 20 Euro; den Überschuss der Einnahmen will Bauersachs für die Krebshilfe spenden. Interessenten erreichen ihn unter Telefon 09561/62515.

Fest Wie schon bei der Fertigstellung des Staudamms durften auch die Bürger die Einweihung mitfeiern. Das Wasserwirtschaftsamt ließ sich nicht lumpen: Es gab Bratwürste aus Meeder und Bier aus Mitwitz, Käse aus Wiesenfeld und Fisch aus Oberlauter, organisiert von Claudia Babucke aus Meeder