Click and Collect? "Ja", sagt Steffi Cestone, "es ist schon gut, dass wir das jetzt wieder anbieten dürfen." Aber davon abgesehen, dass die Geschäftsfrau ("Emozione - Mode für Mann & Frau") den englischen Begriff dieses Verfahrens für unglücklich hält: Ebenso wie ihre Kollegin Jasmin Franz spricht sie von einem "Tropfen auf den heißen Stein". Denn die Umsatzeinbrüche speziell im Textil-Einzelhandel seien nun einmal dramatisch.

Appell: Kauft Gutscheine!

Umso mehr würde sich Steffi Cestone freuen, wenn Kunden von ihrem Lieblingsgeschäft oder -restaurant jetzt auch einen Gutschein kauften. "Das hat uns im April sehr geholfen!"

Click and Collect bedeutet auf Deutsch so viel wie "Bestellen und Abholen" und soll dem Einzelhandel zumindest ein bisschen in der Corona-Krise helfen. Im ersten Lockdown war Click and Collect erlaubt, im zweiten - zumindest in Bayern - zunächst nicht. Doch seit Montag ist es nun auch im Freistaat wieder möglich, wobei die Ausgangslagen je nach Branche sehr unterschiedlich sind.

"Wir haben das große Glück, dass unsere Ware nicht anprobiert werden muss", sagt Martin Vögele von der Buchhandlung Riemann. Deshalb sei Click and Collect beim Kauf von Büchern eine große Hilfe. Auch wenn Riemann nach wie vor anbietet, dass Bücher auch geliefert werden: "Viele Kunden wollen ihre Bestellung lieber bei uns abholen", berichtet Martin Vögele. Die Kasse am Eingang der Buchhandlung ist jetzt die offizielle Abholstation - der Rest des Geschäfts ist abgesperrt. Termine zur Abholung werden im Fünf-Minuten-Takt vergeben, und der Eintritt wird nur erlaubt, wenn der Kunde eine FFP2-Maske trägt.

Stefan Stahl hat im Hausflur seines Geschäftsgebäudes in der Spitalgasse eine Abholstation eingerichtet. "Für uns ist das eine große Erleichterung", sagt der Juwelier. So sei es jetzt auch wieder möglich, Uhren, die repariert werden sollen, direkt abzugeben - zuletzt musste die Annahme über den Briefkasten erfolgen, den Stefan Stahl dafür eigens mit Schaumgummi ausgestattet hatte. Für den Verkauf bringt Click and Collect nur bedingt etwas. "Die Frage ist, ob jemand genau weiß, was er will." Denn bei hochpreisigen Uhren sei es den Kunden schon sehr wichtig, sie vorher auch einmal "anprobiert" zu haben.

Marie Ebert vom Modegeschäft "Nachhall" in der Herrngasse postet ohnehin regelmäßig auf Facebook, welche neue Ware sie hat. Deshalb ist sie jetzt dankbar für die Möglichkeit von Click and Collect. "Das ist für uns Einzelhändler eine gute Möglichkeit!" Und: "Der Kontakt zu den lokalen Einzelhändlern wird meines Erachtens dadurch gestärkt, auch wenn nur eine kontaktlose Übergabe stattfindet."

Dem kann Jasmin Franz nur beipflichten. Für sie ist Click and Collect auch deshalb wichtig, weil wieder ein "Bezug" zum Kunden möglich ist - anders als wenn eine Tüte mit georderter Ware anonym vor der Haustür des Kunden abgestellt wird. "Der persönliche Austausch ist wichtig", weiß Citymanagerin Andrea Kerby-Schindler, die von einem "Hoffnungsschimmer" spricht. Gleichwohl sei die Lage für den stationären Einzelhandel "sehr frustrierend".

"Das wird ein Fiasko!"

Das sieht Steffi Cestone ganz genauso. Sie ärgert sich vor allem darüber, dass große Supermärkte zurzeit auch Elektrowaren, Spielzeug und Bekleidung verkaufen dürfen, "während uns kleinen Händlern das Licht ausgemacht wird". Ohne eine staatliche Unterstützung, wie sie der Gastronomie bereits zugesagt worden ist, würden auch in der Coburger Innenstadt viele Geschäfte kaputt gehen - "das wird ein Fiasko!"

Wie funktioniert "Click and Collect"?

Regelung Bei "Click und Collect" kann Ware, die zuvor (online oder telefonisch) bestellt worden ist, direkt am oder im Geschäft abgeholt werden. Dabei sind allerdings einige Vorgaben zu beachten. Zum Beispiel ist laut Gesetzgeber "eine Ansammlung von Kunden zu vermeiden" - deshalb vergeben die meisten Geschäfte Termine. Die Übergabe der Ware muss an einem Abholschalter erfolgen. Die Verkaufsräume als solche dürfen nicht für die abholende Kundschaft geöffnet werden.