Wer am Montag im Internet mit den Stichworten "Circus Krone - Tournee - Coburg" suchte, wurde noch fündig: Da war das Zirkusgastspiel ab 9. September angekündigt. Sogar Karten hätte man zu diesem Zeitpunkt noch übers Internet bestellen können. Doch eigentlich war die Website zu diesem Zeitpunkt schon veraltet, sagt Harald Ortlepp, der Tourneeplaner beim Circus Krone.

Vorige Woche hat das traditionsreiche Unternehmen der Stadt mitgeteilt, dass es das geplante Gastspiel nicht geben werde. Am Dienstag wurde auch die Homepage circus-krone.de aktualisiert: "Wir möchten Sie darüber informieren, dass wir uns aufgrund der aktuellen Situation veranlasst sehen, die bevorstehenden Gastspiele bis zum Ende der Saison leider absagen zu müssen!", heißt es dort nun. "Der Circus Krone arbeitet bereits an einem Konzept für die Zukunft. Selbstverständlich wollen wir die geplanten Städte der diesjährigen Saison best- und baldmöglichst berücksichtigen."

Wie Ortlepp erläutert, sind die derzeit geltenden Bedingungen der Grund: In geschlossenen Räumen - dazu gehören auch Zelte - sind nur Kulturveranstaltungen mit maximal 200 Besuchern möglich. "Damit können Sie den Circus Krone nicht finanzieren."

Nur in Nordrhein-Westfalen sei es derzeit möglich, auf die 1,50 Meter Abstand zwischen den Zuschauern zu verzichten, wenn namentlich erfasst sei, wer wo gesessen hat. Das sei mit modernen Ticketing-Systemen leicht sicherzustellen, sagt Ortlepp. Aber auch dann bestehe Unsicherheit, denn die örtlichen Gesundheitsämter können eigene Auflagen erlassen. Mit der "Abstandsregel" könnte Krone 700 Zuschauer einlassen. Aber auch das genüge nicht, sagt Ortlepp. An Wochenenden kämen in normalen Zeiten zwischen 1800 und 2200.

50 Raubkatzen, 60 Pferde

Das zweite Problem: "Derzeit gibt es keine Einreisegenehmigung für südamerikanische Hochseilartisten und russische Clowns." Die aber gehören zum aktuellen Programm "Mandana". Also bleibt der Zirkus in seinem Hauptquartier in München. Der Circus-Krone-Bau wird normalerweise während der Tourneesaison als Veranstaltungshalle vermietet; diese Einnahmen fehlen nun auch.

"Es kostet ein Vermögen, nicht zu reisen. Aber Reisen ohne Einnahmen wäre noch schlimmer", sagt Ortlepp. Ein Tourneetag koste zwischen 30000 und 35000 Euro. Aber auch stationär habe der Zirkus mit seinen 60 Pferden und 50 Raubkatzen Kosten von 10000 Euro pro Tag. Viele Mitarbeiter seien zwar in Kurzarbeit, aber die Tiere müssen versorgt werden, sagt Ortlepp. "Man kann die Kosten nicht auf Null drücken." Inzwischen sind immerhin Proben mit den Tieren vor Publikum erlaubt. "Wir schauen vorwärts. Wir haben den Weltkrieg überlebt, wir werden auch Corona überleben!"

Ortlepp zufolge will der Circus Krone versuchen, die abgesagte Tournee nächstes Jahr nachzuholen. Nur nach Coburg zu kommen sei schwierig: Die Stadt gibt den Anger nur begrenzt für Veranstaltungen frei. 2021 wäre die Oberanken-Ausstellung dran. "Es wäre schade, wenn wir nächstes Jahr gar nicht kommen könnten, denn dann läuft die aktuelle Produktion an Coburg vorbei", sagt Ortlepp. Und das wäre das erste Mal seit Jahrzehnten. "Aber wir suchen noch gemeinsam mit der Stadt nach einer Lösung."