Erst gab es die Liebeserklärung, dann folgte der Vertrauensbeweis. Gleich mehrmals machte Christian Müller am Montagabend bei der Nominierungsversammlung der Christlich-Sozialen Bürger (CSB) deutlich, wie sehr ihm seine Heimatstadt am Herzen liegt: "Ich möchte unser schönes Coburg voranbringen", sagte er - oder: "Ich möchte die Menschen für Coburg begeistern!" Anschließend wurde abgestimmt, und zwar deutlich: Alle 17 anwesenden CSB-Mitglieder sprachen sich für Müller als ihren Oberbürgermeisterkandidaten aus.

"Menschen wollen den Wechsel"

Seit vor knapp zwei Wochen seine geplante Kandidatur bekannt geworden ist, sei er bereits von vielen Menschen angesprochen worden, berichtete Christian Müller, der bei diesen Gesprächen dann vor allem eins gespürt haben will: "Die Menschen wollen den Wechsel!"

Müller zeigte auf, was ihm am Stil des
jetzigen OB nicht gefällt (siehe Stichpunkte am Textende), und beschrieb sich vor allem mit den Tugenden, die auch für die CSB stünden: "Mut, Geradlinigkeit, Sachlichkeit, Offenheit." Müller, der acht Jahre lang CSU-Kreisvorsitzender war, hatte mit weiteren Abtrünnigen 2007 die CSB gegründet. Seitdem sieht man sich als unabhängige Kraft, die auch Mut zu unpopulären Entscheidungen habe. So verwies Müller darauf, dass es die CSB gewesen sei, die sich als erstes für eine reine Ballsporthalle auf der Lauterer Höhe eingesetzt hat: "Ich bin stolz, dass wir den Mut zu dieser Idee hatten." Müller warb aber im Einzelfall auch für "Mut zur Unvollkommenheit" - Beispiel Steinweg: "Wir brauchen endlich ein Konzept", forderte er. Doch bislang seien alle große Lösungen an Details gescheitert. Seine Schlussfolgerung: "Man muss auch mal den Mut zu einer kleinen Lösung haben - das ist doch besser als wenn die große Lösung ewig nur auf dem Papier stehen bleibt."

"Dinge nicht immer zerreden"

Grundsätzlich verspreche er auf dem Chefsessel im Rathaus einen "agileren Stil als dies jetzt dort der Fall ist". Konkret: "Diskutieren ja - aber irgendwann muss auch mal angepackt werden. Und das fehlt aktuell in der Stadt." Immer noch würden zu viele Dinge "zerredet". Die Menschen würden aber wollen, "dass etwas umgesetzt wird". Und dafür stehe er, der vom CSB-Vorsitzenden Hans-Heinrich Ulmann zuvor als "der beste Mann für dieses Amt" bezeichnet worden war. Die einstimmige Nominierung kommentierte Ulmann mit den Worten: "Christian, dieses Ergebnis stärkt Dir den Rücken!"

Zur Person

Christian Müller ist 1969 in Coburg geboren. Nach dem Abitur am Casimirianum studierte er Rechtswissenschaften. Seit 1996 ist er selbstständiger Rechtsanwalt in Coburg. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Politisch engagiert ist er von Klein auf, weil bereits sein Vater aktives CSU-Mitglied war: "Ich stand schon als Siebenjähriger mit am Wahlkampfstand von Otto Regenspurger!" Von 1990 bis 1992 war er Kreisvorsitzender der Jungen Union Coburg-Stadt, 1999 wurde er Kreisvorsitzender der CSU Coburg-Stadt. Im Stadtrat sitzt Müller seit 2002, die CSB-Fraktion führt er seit deren Bildung 2007.

Kritik an Kastner und an der CSU


Stadtentwicklung Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek) hängt in einigen Punkten derzeit "massiv", kritisierte Christian Müller - aber dies sei nicht Schuld des Baureferenten Hans-Heinrich Ulmann (CSB), vielmehr sei die Isek-Umsetzung "Chefsache" des OB. Den jüngsten Vorstoß der CSU zum "Band der Wissenschaft" bezeichnete Müller als "schön, aber unrealistisch".

Landestheater Kritik übte Müller an Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) im Zusammenhang mit der Sanierung des Theaters. "Ich habe den Eindruck, der OB treibt das nicht mit Nachdruck voran." Hier müsse "klare Kante" gezeigt und der Freistaat "in die Pflicht" genommen werden. "Coburg darf nicht benachteiligt werden."

Sparkurs Der eingeschlagene Sparkurs wird von Müller ausdrücklich verteidigt. Aber: "Wir dürfen die Stadt auch nicht kaputt sparen." Allen voran für weitere Investitionen in die Schulen müsse man es in Kauf nehmen, Schulden zu machen.

Soziales Müller ist für eine stärkere Prioritätensetzung. "Wir müssen neue Wege suchen und auch das echte Ehrenamt wieder mehr in den Mittelpunkt stellen."