Bronco ist etwa 70 groß, hat ein weißes Fell mit braunen Punkten und trägt einen roten Sattel auf dem Rücken. Er ist ein Blechpferd, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von der Londoner Firma David Sebel & Co hergestellt wurde. Am sonst intakten Spielzeug ist an manchen Stellen der Lack abgeblättert, sodass das graue Blech darunter zum Vorschein kommt. Anhand dieser Gebrauchsspuren kann man erahnen, wie viele Kinderaugen Bronco wohl zum Leuchten gebracht hat. Obwohl mit dem Blechpferd schon lange nicht mehr gespielt wird, soll es auch in Coburg Groß und Klein begeistern: Er ist das größte Blechtier in der Ausstellung "Mechanische Tierwelt", die ab Sonntag (12. November) im Naturkundemuseum zu sehen ist. Bis zum 11. Februar 2018 bleibt Bronco zusammen mit den anderen Blechtieren im Naturkundemuseum und kann dort neben Fotografien und einem Film, der die funktionstüchtigen Blechtiere in Aktion zeigt, bestaunt werden.

Sebastian Köpcke und Volker Weinhold haben die Ausstellung rund um die zwischen 1900 und 1970 hergestellten Blechtiere zusammengestellt. "Es gibt viele Sammler, die sich speziell für Blechspielzeug interessieren und auch viele Museen stellen das schönste Blechspielzeug aus - wir sind allerdings die einzige Ausstellung, die sich auf Blechtiere spezialisiert hat", erklärt Sebastian Köpcke. Er freue sich sehr darüber, die Ausstellung im Naturkundemuseum präsentieren zu dürfen. "Auf den ersten Blick scheinen Spielzeuge nicht gerade zu den Naturwissenschaften zu passen, aber durch den Film können die Bewegungsabläufe von Tieren nachvollzogen werden", sagt er. Anhand der Blechtiere könne man aber auch den Wandel von Werten und Moralvorstellungen hinsichtlich des Umgangs mit Tieren und Natur innerhalb der letzten Jahrzehnte feststellen. Am besten gelinge das mit einem Tiger und einem Gorilla aus ihrer Sammlung. "Auf ihnen ist eine Zielscheibe aufgemalt, auf die die Kinder damals mit einer Pistole geschossen haben. Heute hingegen wäre es undenkbar, Kinder so zur Großwildjagd anzuregen", erzählt er.

Bei der Auswahl der Tiere hatte Volker Weinhold andere Ansprüche als Sammler. "Wir wollten Spielzeug mit hineinnehmen, mit dem auch gespielt wurde, denn die haben Charakter und erzählen ihre eigene Geschichte", erklärt er. Deshalb seien in der Ausstellung auch Objekte, die für Sammler nur einen geringen Wert hätten: "Bei einem der Elefanten fehlt ein Ohr und bei einem Papageien aus Mumbai wurde ein Flügel originalgetreu nachgebaut." Auch viele klassische Blechspielzeugtiere befinden sich in der Sammlung, so wie die Schuco-Maus. "Viele der älteren Besucher erkennen sie noch aus ihrer Kindheit, weil sie selbst damit gespielt haben", erklärt er. Neben den Klassikern gäbe es aber auch Unikate: "Wir haben auch Prototypen, die in der Entwicklungsphase des eigentlichen Spielzeugs als Designvorlage genutzt wurden."

Im Vergleich zum großen Spielzeugpferd Bronco ist das kleinste Exponat der Sammlung ein Winzling: Gerade einmal vier Zentimeter misst der Skarabäus. "In seinem Fall hat sich das Fotografieren besonders angeboten, denn mit bloßem Auge sind beispielsweise die verwendeten Spiralfederantennen kaum zu erkennen", erklärt Sebastian Köpcke. Dieses und die anderen Bilder von den Tieren wurden von den beiden Ausstellern selbst arrangiert. "Dabei haben wir die Tiere nicht mit Bearbeitungsprogrammen in einen computergenerierten Hintergrund gesetzt, sondern haben die Szenerie selbst hergestellt", erzählt er. Eine besondere Herausforderung habe dabei die Inszenierung von Blechspielzeugtieren dargestellt, die rund ums Wasser beheimatet sind. "Natürlich dürfen die Blechtiere nicht mit Wasser in Berührung kommen, weshalb wir etwas finden mussten, dass den Wassereffekt gut nachahmen kann", erklärt er. So habe man sich mit mehreren übereinandergelegten Glasplatten ausgeholfen. "Schlussendlich kann man so die verschwommene Optik des Wassers auf den Bildern sogar noch besser imitieren als mit Wasser selbst", sagt Sebastian Köpke.

Museumsleiter Carsten Ritzau sei von der Ausstellung begeistert. "Besonders freut es mich, dass wir zehn der Blechtiere in den Dioramen unseres regulären Bestandes verstecken konnten, denn so kann auch dort etwas Neues entdeckt werden", sagt er. Die Tiere seien so platziert, dass man sie entdecken könne, wenn man genau hinsieht. "Sicherlich werden wir das in unser museumspädagogisches Konzept einarbeiten können", sagt er.