Das Wetter war heuer bislang Thema Nummer eins, wenn Gerd Reichenbecher mit seinen Gästen ins Gespräch kam - vorausgesetzt, er konnte zwischen den vielen Regenperioden seinen Josias-Biergarten überhaupt öffnen. Doch seit ein paar Tagen wird der Wirt auch immer häufiger mit dieser einen Frage konfrontiert: "Stimmt es, dass das Deine letzte Saison hier ist?" Gerd Reichenbecher, der den Josias-Biergarten seit dessen Entstehung vor 21 Jahren bewirtschaftet, antwortet dann wahrheitsgemäß: "Kann sein - muss es aber nicht." Für wen es hingegen definitiv die letzte Saison ist, sind die ehemaligen Weihnachtsmarktbuden, die dem Reichenbecher-Team seit jeher zum Verkauf und zur Zubereitung der Speisen dienen.

"Ja, wir wollen weg von den Buden", sagt Stadtsprecher Michael Selzer. Deshalb nimmt der Passus, was auf dem Biergarten-Areal baulich verändert werden könnte, auch den meisten Platz im Ausschreibungstext ein.
Der künftige Pächter soll aber nicht nur Ideen liefern, die sich noch dazu städtebaulich gut in den umgrenzenden, zum Teil denkmalgeschützten Bereich einfügen müssen: Er soll auch die Kosten für die erforderlichen Investitionen tragen.

Sechsstelliger Euro-Betrag

Gerd Reichenbecher geht von einem gut sechsstelligen Betrag aus, der da in die Hand genommen werden muss - viel Geld, das anschließend auch erst einmal wieder eingenommen werden muss. Hinzu kommt bei einem Biergarten natürlich auch immer das Risiko mit dem Wetter. Die Stadt trägt diesem Umstand dadurch Rechnung, dass der neue Pachtvertrag eine Laufzeit von "mindestens zehn Jahren" haben soll.

Gerd Reichenbecher konnte inzwischen die Brauerei, mit der er schon immer zusammenarbeitet, als Partner gewinnen. Mit ihr im Rücken bewirbt er sich um einen neuen Pachtvertrag. Denn selbstverständlich hänge längst sein Herz am Josias-Biergarten, wie er sagt. Der 64-Jährige betont aber auch: "Es wäre für mich kein Drama, wenn ich den Zuschlag nicht mehr bekomme." Nach einer kurzen Pause fügt der Vollblutwirt dann noch schmunzelnd an: "Allerdings müsste ich mir für die Sommermonate einen neuen Zeitvertreib suchen!" Im anderen Fall denkt Gerd Reichenbecher schon daran, zur Fußball-WM 2014 in Brasilien wieder ein "Public Viewing" im Josiasgarten zu veranstalten. "Mit einem Endspiel Brasilien gegen Deutschland am Sonntag des Coburger Samba-Festivals!"

Kniffliges Public-Viewing

Viel wird in diesem Zusammenhang aber auch noch vom Gesetzgeber abhängen und von der grundsätzlichen Frage, bis um welche Uhrzeit Live-Übertragungen im Freien überhaupt erlaubt sein werden. Die meisten Spiele werden - nach deutscher Zeit - um 18, 21 und 22 Uhr angepfiffen. Je nachdem, was die Auslosung ergibt, könnte Deutschland aber auch Vorrundenspiele erwischen, die erst um Mitternacht beginnen. Aber mit dem Losglück und Lospech ist es letztlich ähnlich wie mit dem Wetter: Man kann es nicht beeinflussen.

HINTERGRUND

Ausschreibung Die Stadt Coburg sucht zum 1. Januar 2014 einen neuen Pächter (der auch der alte sein kann!) beziehungsweise eine neue Pächterin für den Biergarten im Josiasgarten. Schriftliche Bewerbungen sind bis Freitag, 9. August, möglich.

Bedingungen Von den Bewerbern wird unter anderem verlangt, bauliche Veränderungen darzustellen - denn die bisherigen Buden sollen verschwinden. Die Planungen müssen auch das Errichten von Personaltoiletten beinhalten. Außerdem ist ein "gastronomisches Konzept" zur beabsichtigten Getränke- und Speiseauswahl erwünscht.

Informationen Der komplette Ausschreibungstext kann auf der Internetseite der Stadt Coburg unter www.coburg.de eingesehen werden. os