Ein gelbes Warnschild begrüßt die Konzertbesucher in St Augustin: "Gerüst ist gesperrt". Das hält die Gäste freilich nicht davon ab, die nassen Schirme an die Metallstangen zu hängen, bevor sie sich dann im Chorraum einen der begehrten Plätze auf den provisorisch aufgestellten Bierbänken zu suchen. "Baustellenkonzert" steht oben auf den Programmzetteln, schräg darunter hat ein großer Baukran vor der Silhouette von St. Augustin Noten und Notenschlüssel am Haken.


Ein solches Konzert hat Coburgs katholische Pfarrkirche sicher noch nie erlebt. Das Kirchenschiff ist eingerüstet, das Gewölbe verschwunden hinter Metallträgern, die wertvolle Orgel eingehaust und in Sicherheit gebracht vor dem Baustaub, der in alle Winkel zu kriechen scheint. Zwei Scheinwerfer erhellen provisorisch den Chorraum, der an diesem Nachmittag für eine Stunde zum Konzertraum wird.
"Willkommen bei unserem ersten Baustellenkonzert", sagt Dekan Roland Huth: "Das ist die Chance, die Kirche im Wandel zu erleben."


Altar und Bankreihen sind längst aus dem Kirchenraum verschwunden, seit das Gotteshaus Ende Juni letzten Jahres geschlossen wurde. Der Boden - das ist im Moment der nackte Beton, in den inzwischen neue Leitungsschächte eingelassen wurden. Da und dort türmen sich neue Kabel und vermitteln dem Laien zumindest eine erste Vorstellung davon, dass seitdem viel passiert ist - " viel mehr, als Sie auf den ersten Blick sehen können", sagt Dekan Huth und weckt gleich noch die Neugier auf das, was noch passieren wird auf dieser Baustelle: "Vielleicht führt uns eines der nächsten Baustellenkonzerte schon in den Kubus des Neubaus."


So ungewöhnlich wie die äußere Rahmen, so ungewöhnlich ist auch das Programm dieses Baustellenkonzerts, das Kirchenmusikerin Gabriele Hirsch mit dem Kirchenchor von St. Augustin und einigen Gästen erarbeitet hat. Vom gregorianischen Choral bis zur Schlagzeug-Improvisation spannt sich der Bogen. Mit einer Antiphon zur Palmprozession stimmt Bettina Wagner-Pan mit schlankem Sopran ein auf die Osterzeit. Während ihre Stimme später auch bei zwei der beliebten "deutschen Arien" Georg Friedrich Händels ("Süße Stille", "Singe, Seele") fast schwerelos durch den Kirchenraum zu schweben scheint, lässt der aus Bamberg kommende Schlagzeuger Johannes Klütsch die Trommeln grollen und die Becken zischen.

Sanfter Kontrast dazu ist eine Sarabande von Giuseppe Tartini, gespielt von Fritjof Greiner auf der Geige. Melodisch einschmeichelnd folgt das "Ave Maria" von Giulio Caccini, bevor eine weitere Schlagzeug-Improvisation das Konzert beschließt.