Coburg
Gewalt-Exzess

"Ich stech euch ab": Mann greift Familie an - "völlig verängstigte Kinder"

Warum Alexander K. durch das Amtsgericht Coburg zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt wurde.
 
Kindschatten an Wand
Ein Mann griff gemeinsam mit einer Gruppe eine Familie an. Die Kinder seien heute noch sehr verängstigt. Symbolbild: Gerd Altmann /Pixabay Foto: Gerd Altmann /Pixabay.com

Es ist ein sonniger Tag im Juni 2020. Mohammad H. macht mit seiner Familie einen Ausflug zum Goldbergsee. Die Kinder spielen am Wasser, die Eltern und Großeltern schauen von den Bänken aus zu. Doch dann wird aus dieser idyllischen Szene ein Ereignis, das die Familie noch heute in Angst versetzt. Der schlimme Fall wurde jetzt vor dem Amtsgericht Coburg verhandelt.

Rückblick: Eine Gruppe von fünf Leuten nähert sich der Familie, bei ihnen auch zwei frei laufende Hunde. Die Familie bittet die Gruppe, die Hunde anzuleinen - wegen der Kinder, aus Sicherheitsgründen.

Staatsanwaltschaft: "niedrigstes, sittlich verwerfliches Niveau"

Was dann passiert, lässt fassungslose Zeugen zurück und wird später von der Staatsanwaltschaft als Handlung auf "niedrigstem, sittlich verwerflichem Niveau" beschrieben.

Am Montag wurde der Angeklagte Alexander K. durch das Amtsgericht Coburg zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Ihm wurden unter anderem ausländerfeindliche Beleidigungen und schwere Körperverletzung zur Last gelegt.

Denn nach der Bitte von Familie H. kommt es laut Anklageschrift zu wüsten Beschimpfungen. Alexander K. soll die Familie unter anderem als "scheiß Ausländer" bepöbelt haben, zudem gedroht haben: "Ich steche euch ab, ihr Kanaken!"

Täter kommt zurück - bewaffnet mit Metallstangen

Dann sei die Gruppe zwar abgezogen, auch Alexander H. - aber nur kurz. Mit zwei weiteren Personen tauchte er nur wenig später wieder bei der Familie auf - bewaffnet mit Metallstangen und Holzstöcken, heißt es in der Anklageschrift. Die drei rannten auf die Familie zu, drohten weiter. Der Vater Mohammad H. wehrte sich, brachte den Angeklagten zu Boden, wollte so einen Angriff abwehren.

Doch Alexander K. soll den Vater vier Mal mit einer Metallstange auf den Kopf geschlagen und ihn so fest im Genitalbereich gepackt haben, dass er eine Hodenprellung erlitt. Außerdem habe der Angeklagte seinem Opfer eine Thoraxprellung und ein Schädel-Hirn-Trauma zugefügt.

"Die haben so einen Hass gehabt, das habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt", schildert Mohammad H. die Geschehnisse vom 13. Juni 2020. Einer der Beteiligten sei "wie Rambo angerannt" und habe provokativ auf einen Metallmülleimer geschlagen, sagte der Vater. Er habe alles versucht, um die Situation zu entschärfen: "Wir haben uns mehrmals entschuldigt, obwohl wir ja eigentlich gar nichts Schlimmes gemacht haben." Der diensthabende Polizist sagte vor Gericht aus, "völlig verängstigte Kinder" am Tatort vorgefunden zu haben. Die Familie sei nach dem Angriff fassungslos gewesen: "Sie gingen davon aus, die Situation sei nach der ersten verbalen Auseinandersetzung bereinigt."

Täter: "Bester Freund ist Grieche"

Alexander K. legte vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab. Einer seiner Begleiter habe den Konflikt angestachelt und er habe "sich mitziehen lassen", erklärte er. Die ausländerfeindlichen Beschimpfungen habe er aus der Situation heraus geäußert, sonst habe er keine rechtsradikale Gesinnung. "Mein bester Freund ist Grieche", sagte der Angeklagte. Die Idee, noch einmal bewaffnet zum Goldbergsee zurückzukehren, sei ebenfalls von seinem Kumpel gekommen, beteuerte er.

Staatsanwältin Jana Müller zeigte kein Verständnis für die Rechtfertigungen. Die Anschläge in Hanau und jüngste Angriffe auf asiatische Mitbürger in Atlanta hätten gezeigt, dass man nicht zwangsläufig radikal sein müsse, um ausländerfeindliche Straftaten zu begehen. Die Beleidigungen hätten "niedrigstes sittlich verwerfliches Niveau" gehabt und er sei rechtlich gesehen nur "haarscharf am versuchten Totschlag" vorbeigeschlittert. Sie forderte ein Jahr und acht Monate Haft.

Plädoyer des Verteidigers

Verteidiger Andreas Günther plädierte, der Angeklagte habe "ein von Reue getragenes Geständnis" abgelegt und bat Richterin Daniela Jensch, die Strafe auf Bewährung auszusetzen.

Richterin Jensch kam dem nicht nach. "Die Tat ist aus nicht nachvollziehbarem Grund passiert", begründete sie. Außerdem seien die Folgen der Tat massiv: Der Geschädigte gab an, dass seine Frau und seine Kinder noch heute aus Angst nicht wieder an den Goldbergsee gehen wollen. Er selbst habe aufgrund einer Vorschädigung zudem einen Hörsturz erlitten, jetzt leide er an einer dauerhaften Schwerhörigkeit.