Dieses Konzert im Kunstverein darf getrost Seltenheitswert beanspruchen. Ausschließlich Coburger Komponisten widmete Annerose Röder einen Klaviernachmittag im Vortragssaal. Franz Möckl, Gerhard Deutschmann, Felix Draeseke - dieses Komponisten-Trio rückte Annerose Röder in den Mittelpunkt. Weil sie dazu überwiegend kurze Stücke ausgewählt hatte, konnte die Interpretin eine beachtliche Zahl von Werken präsentieren.


Franz Möckls "Drei Wünsche"

Zum Auftakt erinnerte sie an den vor gut zwei Jahren verstorbenen Franz Möckl. "Drei Wünsche" aus dem "Hochzeitsbüchlein für Margit" waren klanglich unüberhörbar geprägt von der Erinnerung an Möckls böhmische Heimat. Drei Rondi ("Das Pferd", "Der Fuchs", "Das Eichhörnchen") zeigten dann Möckls Gespür für anschauliche, präzis charakterisierende Klangbilder. Schon hier bewährte sich Annerose Röder als stilsichere, sehr konzentriert und einfühlsam gestaltende Interpretin.
Das galt dann auch für drei Werke Gerhard Deutschmanns: Introduktion und Fuge, "Kleiner Tanz" sowie die Choralpartita "Jesu, meine Freude". In dieser Partita verbindet Deutschmann barockisierende Elemente mit einer in der Harmonik gemäßigt modernen Klangsprache.
Der Nachwelt ist der Brahms-Zeitgenosse Felix Draeseke vor allem durch seine gern ins große Format zielenden Orchesterwerke sowie seine Oratorien-Tetralogie "Christus" in Erinnerung geblieben.


Draeseke-Miniaturen

Dass er sich im kleinen Format überzeugend ausdrücken konnte, beweisen seine sechs Miniaturen op. 23, die Annerose Röder zum Abschluss ihres Programms als präzis erfasste Charakterstücke gestaltete.