Die Vertreter der IHK zu Coburg zeigten sich am Mittwochabend zufrieden: " Mit einem hervorragenden Notendurchschnitt haben die Absolventen ihre Prüfung bestanden", sagte der Leiter der beruflichen Bildung Rainer Kissing. 370 junge Frauen und Männer haben ihr Prüfungsziel erreicht, 42 Prüflinge mit der Gesamtnote sehr gut. Einer davon ist Fabian Gögel, der im Namen der Absolventen auf die Ausbildungsjahre bei der Feierstunden im Kongresshaus zurückblickte.

Mit einem Notendurchschnitt von 1,5 hat er seine Prüfung zum Mediengestalter bei der Firma Habermaaß in Bad Rodach bestanden. "Ich erinnere mich noch gut daran, wie das ganze Spektakel für uns begann." Unzählige Bewerbungen habe man geschrieben, Einstellungstests absolviert und Vorstellungsgespräche geführt.
"Nicht bei jedem von uns folgte auf die erste Bewerbung gleich ein Erfolg."


Eine neue Welt

Um so größer sei die Freude gewesen, als die Absolventen den Ausbildungsvertrag in der Tasche hatten. Mit dem Arbeitsalltag hieß es Pünktlichkeit, Ordnung und vor allem Verantwortungsbewusstsein zu übernehmen. "Lange Arbeitstage im Betrieb, ein neues Umfeld und unbekannte Kollegen erwarteten uns." Letztendlich wertete er die Ausbildungszeit als stressig, aber schön. Einige Absolventen werden seinen Ausführungen zufolge von den Betrieben übernommen, andere schlagen im Anschluss einen höheren Bildungsweg ein.

IHK-Präsident Friedrich Herdan zollte allen Absolventen hohen Respekt. "Wir haben 370 exzellent ausgebildete Fachkräfte", lobte er. Herdan ging auf das aktuelle Flüchtlingsthema ein: Berufliche Qualifikation und Weiterbildung wertete er als einen wesentlichen Faktor im Integrationsprozess. Das Leitbild der IHK verkörpere das des ehrbaren Kaufmanns und sei bereit, Verantwortung zu übernehmen. Allerdings müsse die Politik die Voraussetzungen dafür schaffen, wie beschleunigte Asylverfahren oder ein Bleibe recht über zwei Jahre hinaus. Dann könnte die aktuelle Lage durchaus eine Chance für die Wirtschaft sein.

IHK-Hauptgeschäftsführer Siegmar Schnabel lobte die duale Ausbildung. "Wir haben eine geringe Jugendarbeitslosigkeit wegen dieses Systems", ist er sicher. Verschiedene Länder im Ausland würden versuchen, dieses erfolgreiche Modell zu kopieren. Der Leiter der Staatlichen Berufsschulen I Coburg, der FOS und BOS Coburg, Anton Staudigl, rief zum ehrenamtlichen Engagement auf. Die Demokratie brauche Bürger, die vom Wahlrecht Gebrauch machen und sich in den unterschiedlichsten Ehrenämtern einbringen.


Schick ging auf politische Lage ein

Die Festrede hielt erstmals ein hoher geistlicher Gast: Erzbischof Ludwig Schicks Worte drehten sich um die aktuelle politische Lage. Das individuelle Asylrecht hält er für notwendig, wobei unbedingt am Grundgesetz der Bundesrepublik festgehalten werden müsse. Integration gelinge demnach nur, wenn die Grundordnung akzeptiert werde. "Ein Land braucht eine gemeinsame Basis für ein gutes Miteinander," betonte Schick. Er sieht das Problem nicht im Asylgesetz, sondern in dessen Anwendung.

Ein Rückblick, so Schick, zeige, dass eine geordnete Migration meistens für alle Vorteile bringe. Momentan laufe die Migration aber ungeordnet ab. Er plädierte eindringlich dafür, die Fluchtursachen in den Herkunftsländern zu beseitigen. "Wenn Menschen Angst, Not und Hunger erleiden, dann nützen Stacheldrähte nichts."