"Für uns ist es heute wie Weihnachten, nur wissen wir nicht, was unter dem Weihnachtsbaum liegt", sagte Simon Weber, der Vorsitzende des FC Haarbrücken, der einer von drei Preisträgern des Bürgerenergiepreises von Bayernwerk und Regierung von Oberfranken ist. Bei der Preisübergabe im Sportheim lüftete der Leiter des Kommunalmanagements des Bayernwerks, Karl Krapf, das Geheimnis. Der Sportverein, der sich zum Ziel gesetzt hat, klimaneutral zu werden, erhält 3500 Euro für sein Engagement im Bereich Klimaschutz. Die Jury von sechs Mitgliedern, die sich zusammensetzten aus Medien, dem Bayernwerk, der Regierung von Oberfranken und dem Fachberater Prof. Dieter Brüggemann von der Universität Bayreuth, hat drei Projekte ausgewählt. Die beiden anderen sind im Landkreis Bayreuth zu finden. Der Bürgerenergiepreis ist mit insgesamt 10000 Euro dotiert und wurde zum siebten Mal verliehen.

Der FC Haarrücken hat diese Auszeichnung verdient. Denn schon seit vielen Jahren macht sich der Verein viele Gedanken um die Energieeinsparung. Dann kam die Idee auf, die Abwärme der Biogasanlage von Holger Gundermann, die ans Sportgelände grenzt, zu nutzen. Nur der sehr große Aufwand schreckte ab. Denn der Verein brauche rund 30000 kw/h Energie im Jahr, wie der Vorsitzende Simon Weber ausführte. Vor kurzem stand die Renovierung des Sportheims an. Der Verein suchte sich Rat bei der Energieberatung der Stadt Neustadt und suchte zeitgleich auch nach Sponsoren und Spezialisten im Verein, die ihre Arbeitskraft ehrenamtlich zu Verfügung stellen. Als diese gefunden und die nötige Motivation vorhanden waren, wurde losgelegt. Das Sportgelände wurde aufgebaggert und von der benachbarten Biogasanlage eine rund 110 Meter lange Fernwärmeleitung zum Sportheim gelegt. Damit sind Wärme und Warmwasser im Sportheim vollkommen klimaneutral. Außerdem wurden energiesparende Thermostate, die man über eine App steuern kann, an den Heizkörpern im Sportheim angebracht. Zusätzlich wurde eine große Photovoltaikanlage auf dem Dach des Sportheims installiert und alle Leuchtmittel wurden durch energiesparende LED ersetzt.

20 Mitglieder arbeiteten 300 Stunden lang

Dabei sei die Schwierigkeit gewesen, eine Firma zu finden, die dabei Eigenleistung zulässt, berichtete Weber. "Wir haben viele Spezialisten im Verein, deshalb wollten wir so viel wie möglich selbst machen und so Geld sparen", erklärte er. Schließlich wurde nach langer Suche eine Firma gefunden, die nur kurz vor Ort war. Rund 20 Mitglieder waren an den Arbeiten beteiligt und haben über 300 Stunden für den Verein geopfert. Das habe sich gelohnt, das Ergebnis könne sich sehen lassen, das Projekt habe einen wahren Vorzeigecharakter, solche Aussagen waren bei der Preisverleihung mehrfach zu hören.

Der FC Haarbrücken sei ein großes Vorbild im Bereich Klimaschutz, ein Leuchtturmprojekt, meinte zum Beispiel Karl Krapf vom Bayernwerk und betonte: "Es ist nicht selbstverständlich, dass sich alle Mitglieder eines Fußballvereins, ob alt oder jung, für den Klimaschutz einsetzen und an die Zukunft denken. Das Bayernwerk möchte mit diesem Preis auf die Notwendigkeit des Klimaschutzes und der Energieeffizienz aufmerksam machen. Krapf erläuterte auch die Intention des Bürgerenergiepreises: Klimaschutz sollte für jeden Bürger zur Selbstverständlichkeit werden. Deshalb zeichne das Bayernwerk zusammen mit Regierung von Oberfranken Projekte mit Vorzeigecharakter aus und hoffe dadurch auf viele Nachahmer.

Thomas Engel, der Regierungsvizepräsident von Oberfranken, ging in seinem Grußwort näher auf den Bürgerenergiepreis ein. Trotz der Corona-Pandemie hätten diese Themen große gesellschaftliche Bedeutung. Man müsse jetzt handeln, um die Zukunft lebenswert gestalten zu können, betonte Engel. Er machte auch auf die Förderprogramme von Bund und Freistaat aufmerksam. Vereine, aber auch Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäuser könnten eine Förderung beantragen. In den vergangenen Jahren habe sich viel getan, so seien im Jahr 2010 920000 MWh/Jahr produziert worden, 2018 seien es schon 2792427 MWh/Jahr - vorwiegend mit Windkraftanlagen. Damit könne man fast 49 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Oberfranken decken, stellte Engel fest.

Der erste klimaneutrale Sportverein in der Region

Der FC Haarbrücken hat sich einer großen Aufgabe gestellt und sei nun der erste klimaneutrale Sportverein in der Region, sagte Thomas Engel und überreichte zusammen mit Karl Krapf den Preis an den Vorsitzenden Simon Weber sowie ein Schild, das am Sportheim angebracht werden soll, das den Verein als Preisträger ausweist. Die Mitglieder, aber auch der Vorstand des FC Haarbrücken freuten sich riesig über die Auszeichnung. "Dies zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Vorsitzender Weber.

"Der FC Haarbrücken ist im Bereich Klimaschutz ein großes Vorbild für alle Neustadter Vereine", betonte Zweiter Bürgermeister Martin Stingl bei der Preisübergabe. Für die Stadt habe das erfolgreich durchgeführte Projekt einen großen Stellenwert. Er lobte die umfassenden Planungen des Vereins und die vielen freiwilligen uneigennützigen Arbeitsstunden der Mitglieder. Die Stadt sei sehr stolz auf die Leistungen der Mitglieder des FC Haarbrücken.

Großes Lob

Der Klimabeauftragter des Landkreises Coburg und stellvertretende Landrat Christian Gunsenheimer sprach die Hoffnung aus, dass bald mehrere ähnliche Projekte im Landkreis verwirklicht werden und sich Bürger, Vereine und Unternehmen mit dem Klima beschäftigten. Gundenheimer: "Es ist wichtig und notwendig, dass der Klimaschutz bei jedem ankommt. " Der stellvertretende Landrat lobte den FC Haarbrücken für seine Entscheidung, klimaneutral zu werden.

Landwirt Holger Gundermann, der die Wärme aus seiner Biogasanlage liefert, erläuterte bei einem Rundgang die Funktionsweise der Anlage. Simon Weber ging dabei auf die umfangreichen Arbeiten der Mitglieder ein und zeigte den Weg der Fernwärmeleitung auf dem Sportgelände.