Es war ein eher beiläufiger Satz: Der Stadtrat habe beschlossen, den jährlichen Betriebskostenzuschuss fürs Landestheater bei neun Millionen Euro zu deckeln. Das sagte Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) anlässlich des Staatsempfangs zum Jubiläum "100 Jahre Coburg bei Bayern". Eigentlich nicht der passende Rahmen, um so etwas zu verkünden - doch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sollte es hören. Denn der Freistaat finanziert den Theaterbetrieb mit: Er übernimmt 40 Prozent des Defizits. 2019 waren das 5,3 Millionen Euro. Die Stadt zahlte im gleichen Jahr etwas über 8 Millionen Euro. Wegen Corona lassen sich die Haushaltsjahre 2020 und 2021 nicht mit 2019 vergleichen. Aber wenn das Leben und mit ihm der Theaterbetrieb mal wieder einigermaßen normal läuft, dann schlagen auch alle Kosten wieder so zu Buche wie in normalen Jahren.

Alles wird teurer

Das bedeutet: Die Ausgaben fürs Landestheater werden steigen. Allein schon deshalb, weil Künstler und die übrigen Mitarbeiter in der Regel nach Tarifverträgen bezahlt werden und es immer wieder Lohnerhöhungen gibt. Weil Energiekosten steigen. Weil auch sonst alles teurer wird. Zum Beispiel die Urheberrechte: 200000 Euro pro Jahr sind da mittlerweile vorgesehen. Selbst, wenn das Theater an der einen oder anderen Stelle sparen kann, zum Beispiel beim Druck von Programmheften - es wird ein hohes Defizit bleiben, und die Stadt müsste davon einen großen Anteil übernehmen.

Was kostet wie viel?

Die Faustformel lautet: Die Sachkosten erwirtschaftet das Theater selbst, das Personal wird durch die Zuschussgeber finanziert. Am Drei-Spartenhaus gibt es Musiktheater, Schauspiel und Ballett, dazu die Konzerte des Philharmonischen Orchesters. 3,7 Millionen Euro koste das Orchester, 2,3 Millionen Euro das Musiktheater, rechnet Kaufmännischer Direktor Fritz Frömming vor. "Allein der Chor mit seinen 24 Mitgliedern kostet 1,4 Millionen Euro."

Schauspiel und Ballett schlagen bei den Personalkosten mit je einer halben Million Euro zu Buche. Hinzu kommen all die Theatermitarbeiter hinter und neben der Bühne: Techniker, Bühnenbildner, Maske, Kostümschneiderei ... Diesen Block beziffert Frömming mit 2,8 Millionen Euro. Das übrige Personal (Verwaltung, Hausmeister, Garderobenkräfte und Logenschließer) schlägt mit 1,2 Millionen Euro zu Buche. Gerechnet sind hier immer die Gehälter plus der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung und zu Versorgungswerken.

Hinzu kommen bei den Personalkosten die Ausgaben für künstlerische Gäste, die Aushilfen und Verstärkungen fürs Orchester sowie der leistungsorientierte Vergütungsanteil, den der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst vorsieht - alles in allem eine Summe von 1,4 Millionen Euro.

Bei den Sachkosten stechen neben den Ausgaben für Urheberrechte die Kosten für Strom und Heizung (300000 Euro) sowie für Dekorationen und Kostüme ins Auge (273000 Euro). Die Kosten für Öffentlichkeitsarbeit addieren sich zu 200000 Euro, und 2019 wurden allein 167000 Euro für Instrumentenreparaturen fällig.

Geld übrig dank Corona

2020 wurde wegen der Corona-bedingten Schließungen viel weniger eingenommen, aber noch viel weniger ausgegeben: Weil das Theater in Kurzarbeit gehen konnte, blieb sogar Geld übrig. Auch im Frühjahr 2021 war noch Kurzarbeit angesagt. Jetzt, im Dezember 2021, kann das Theater noch spielen, allerdings unter erschwerten Bedingungen: Nur 25 Prozent der Plätze dürfen verkauft werden; Besucher müssen geimpft oder genesen sein und müssen einen aktuellen negativen Test vorweisen. Das, sagt Frömming, schrecke viele Gäste ab. "Wir haben letztens ,Draußen vor der Tür‘ vor sechs Leuten gespielt. Das ist ein Wahnsinn."

Komplizierte Beziehungskiste mit Streit ums Geld

Als Coburg dem Freistaat Bayern 1920 beitrat, erhielt der entsprechende Vertrag auch die Zusicherung, dass der Freistaat die Zukunft des Landestheaters garantieren würde. Vier Jahre später, 1924, wurde für das Theater ein eigener Vertrag geschlossen, der das mit den Zahlungen regeln sollte. Darin verpflichtete sich der Freistaat Bayern, jährlich 20000 Goldmark zu zahlen und dazu 40 Prozent des verbleibenden Defizits. Die 20000 Goldmark rechnet der Freistaat zu 10200 Euro um; ansonsten sagte er für die vergangenen Jahre (2019 bis 2021) zwischen 5,3 und 5,9 Millionen Euro zu, wobei diese Beträge wegen Corona am Ende vermutlich nicht zum Tragen kommen werden. Für das Jahr 2021 hatten Theater und Kämmerei Ende 2020 ganz normal kalkuliert, wohl wissend, dass es vermutlich ganz anders kommen würde. Im Plan betrug das Verhältnis von städtischem Zuschuss zu staatlichem Zuschuss 59:41.

Angedacht waren 65 Prozent

Eigentlich sollte es eher umgekehrt sein. 65 Prozent der Kosten sollten aus der Staatskasse gedeckt werden. Die Zahl geht aus einem Schreiben an den damaligen bayerischen Landtagsabgeordneten und vormaligen Staatsratsvorsitzenden des Freistaats Coburg, Franz Klingler (SPD) hervor. Klingler hatte den Beitritts-Staatsvertrag mit ausgehandelt und später den Theatervertrag. Seine Enkelin Ingrid Klingler-Joppich fand in den Unterlagen ihres Großvaters ein Schreiben des bayerischen Ministerialrats Blum vom 24. Dezember 1926: "Ich teile Ihre Freude und habe es dankbarst begrüßt, als Herr Staatsminister Dr. Krausneck über meinen Vortrag hinaus sich zu dem großen Zugeständnis entschloss, 65 Prozent des Fehlbetrages des Coburger Landestheaters auf die Staatskasse zu übernehmen."

Heute, fast 100 Jahre später, sei es das Ziel von Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD), zu erreichen, dass der Freistaat wenigstens die Hälfte des Theaterdefizits übernimmt, erklärt Stadt-Pressesprecher Louay Yassin. Bei den Staatstheatern Augsburg und Nürnberg tue Bayern das ja auch.

Und bei den Gebäuden?

Die Stadt will nicht nur ihren Anteil an den Betriebskosten deckeln, sondern auch den Beitrag, den sie für die Sanierung des historischen Theatergebäudes aufbringen muss. Darüber wurde schon 2016 eine Finanzierungsvereinbarung mit dem Freistaat Bayern geschlossen, dem Eigentümer des Gebäudes. Damals wurde von 60 Millionen Euro Gesamtkosten ausgegangen, und die Stadt hätte davon rund 36 Millionen Euro übernehmen müssen (25 Prozent für die Sanierungen, 50 Prozent bei den Neubauten für Verwaltung und Probenräume auf dem Gelände des Palais Kyrill, die auf Wunsch der Stadt entstehen).

Mehr als diese 36 Millionen Euro will Coburg nicht übernehmen, hat der Stadtrat im Oktober nichtöffentlich beschlossen. Eine offizielle Reaktion aus München gibt es darauf noch nicht. Kultur-Staatsminister Bernd Sibler (CSU) erklärt auf Nachfrage: "Das Landestheater Coburg ist eine Perle in der fränkischen Kulturlandschaft. Wie wichtig uns das Theater ist, haben wir in den letzten Jahren bereits bewiesen. Ich bin mir der Verantwortung für das Landestheater Coburg bewusst und werde alles daran setzen, gemeinsam mit der Stadt eine zukunftsfeste Lösung zu finden."