Wolf reißt Tiere - DNA bestätigt Angriff: In einem Damwild-Gehege bei Illafeld, einem Ortsteil von Betzenstein im Landkreis Bayreuth, wurden am Mittwochmorgen (3. März 2021) 18 tote Tiere entdeckt. "Es sieht alles nach einem Wolfsangriff aus", erklärt der Wolfsexperte Sebastian Bäumler inFranken.de kurz nach dem Fund. 

Jetzt wurde der Verdacht bestätigt: Mindestens ein Wolf hat sieben Tiere in einem Wildgehege gerissen. Eine Untersuchung der vor Ort genommenen Proben habe den Verdacht bestätigt, teilte eine Sprecherin des Landesamts für Umwelt (LfU) am Freitag mit. "Eine weitergehende Analyse des gewonnenen Genmaterials soll Aufschluss über Geschlecht und mögliche Herkunft des Tieres oder der Tiere bringen."

Mutmaßliche Wolfsattacke in Betzenstein: Zaun kann Raubtiere nicht stoppen

Der Halter der getöteten Tiere, Hans Ertel, geht von mindestens drei oder vier Wölfen aus, die sich ein Loch unter dem Zaun gruben und in das Gehege eindrangen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Eine Wildtierkamera habe mehrere Tiere aufgezeichnet. Demnach lag gleich am Eingang das erste tote Damwild. Beim Absuchen mit der Taschenlampe fand der Landwirt 18 Kadaver. Bereits wenige Tage vorher waren in Betzenstein sieben Tiere tot aufgefunden worden - auch hier handelte es sich wahrscheinlich um einen Wolfsangriff.

Die Tiere waren eingezäunt, "so wie es in der Gegend üblich ist, mit einem Wildschutzzaun aus Drahtgeflecht." 1,80 Meter bis 2 Meter hoch ist der Zaun. Das konnte die Wölfe jedoch nicht aufhalten: "Die haben ein Loch gebuddelt und sind unter dem Zaun durchgeschlüpft", so Bäumler. Normal helfe ein Eingrabe-Schutz, also Zaun, der bis unter die Erde reicht. Heute werde jedoch zumindest noch ein Stromzaun um das Gehege gezogen, um die Tiere kurzfristig vor weiteren Wolfsangriffen zu schützen.

Die Risskennzeichen sprachen von Beginn an stark für einen wolf. Für die DNA-Analysen wurden mit einem Wattetupfer Abstriche an den Wildtieren genommen, an denen der Wolf seinen Speichel hinterlassen hat. "Wie beim Corona-Test", sagt der Wolfsexperte. Im Labor wurden diese dann genetisch ausgewertet.

Landwirtschaftsministerin fordert leichteren Abschuss von Wölfen

Auch die Ergebnisse der früheren Wildtierrisse stehen noch aus. Nach den Angriffen von Wölfen auf Damwild im Landkreis Bayreuth fordert Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) eine Senkung der Schutzvorgaben für Wölfe, sodass die Tiere leichter getötet werden dürfen. Es müsse dringend gehandelt werden, sagte die Ministerin am Donnerstag (4. März 2021). Sie habe sich mit ihrem Anliegen an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sowie an Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) gewandt.

Es dürfe keine Zeit mit Debatten darüber verloren werden, wie der Wolf zu schützen sei und wie er sich noch zahlreicher verbreiten könne, sagte Kaniber. "Jetzt geht es um den Schutz der Weidetiere, bloße Entschädigung ist nämlich nicht die Lösung. Die Weidetiere leisten wertvolle Landschaftspflege und sind Erwerbsgrundlage für viele Bauernfamilien und Schäfer. Die Wolfsbestände müssen frühzeitig reguliert werden." Die entscheidende Frage laute: "Wie viele Wölfe verträgt unsere dicht besiedelte Kulturlandschaft?"