• Schuhhändler Görtz hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet
  • Mieten in vielen Fällen "zu hoch" - Görtz kündigt Verträge
  • Rund 1800 Beschäftigte von Sanierungsfall betroffen
  • "Sind überzeugt": CEO mit hoffnungsvoller Prognose

Das Schuhhandelsunternehmen Görtz existiert bereits seit 148 Jahren. Doch aus verschiedenen Gründen befindet sich Görtz derzeit in einer Krise, die zur Einreichung eines Insolvenzantrags im September 2022 führte. Um wirtschaftlich wieder robuster zu werden, stehen Filialschließungen bevor. Standorte gibt es auch in Franken. So in Schweinfurt, Bayreuth und Würzburg.

Update vom 6.12.2022: Görtz sieht sich zu Filialschließungen gezwungen - Fristen zum Ende Februar 2023

Görtz nennt viele Einflussfaktoren, die zu dem Insolvenzantrag geführt hätten: Die "Folgen der Coronapandemie" und die "daraus resultierenden deutlichen Verluste" trotz "Zuwachs im Onlinehandel". Dazu komme eine "erhebliche Verunsicherung" der Kundschaft, ausgelöst durch den Ukraine-Krieg, die das Konsumklima deutlich dämpfe. Auch Görtz selbst müsse mit "stark gestiegenen Energie- und Vertriebskosten zurechtkommen. Mehrkosten, die Görtz in einem preissensiblen Markt nicht 1:1 an die Kundinnen und Kunden weitergeben" könne, so ein Sprecher in einer Stellungnahme an inFranken.de vom Dienstag (6. Dezember 2022).

Dazu seien viele Mieten der Standorte "nicht mehr marktgerecht und zu hoch. Unter diesen aktuellen Rahmenbedingungen sind die Risiken für unser Geschäftsmodell immens gestiegen", heißt es weiter. Görtz wolle sich aber "wieder robust und zukunftssicher aufstellen sowie möglichst viele Arbeitsplätze und Filialen erhalten", verkündete der Schuhhändler in einer Pressemitteilung vom Donnerstag (1. Dezember 2022). Dafür müsse "jede Filiale profitabel werden". So sehe man sich zu den Schließungen "gezwungen", schreibt der Sprecher an inFranken.de.

Görtz habe bereits die Mietverträge von Filialen gekündigt, bei denen keine Mietreduktionen möglich gewesen seien. Davon seien auch die jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Wie steht es nun um die fränkischen Filialen? Die Antwort bleibt vage: "Wir bitten um Nachsicht, dass wir keine Zahlen zu den Filialen nennen, die bereits gekündigt worden sind. Die ausgesprochenen Kündigungen erfolgten unter Einhaltung der gesetzlichen Fristen zum Ende Februar 2023."

Sozialplan in Arbeit - Görtz spricht von "klarem Kurs"

Die Pressemitteilung vom 1. Dezember 2022 betont im Zusammenhang mit der betroffenen Belegschaft: "Um die Folgen eines Arbeitsplatzverlustes weitestgehend abzumildern, hat die Geschäftsführung mit dem Betriebsrat bereits einen Interessenausgleich und einen Sozialplan vereinbart."

Zudem arbeite die Geschäftsführung mit Unterstützung der Generalhandlungsbevollmächtigten an einem Sanierungsplan. Dieser werde nach Fertigstellung den Gläubigern zur Abstimmung vorgelegt und müsse vom Gericht bestätigt werden.

"Auch wenn sich unsere gesamte Branche derzeit in einer schwierigen Krise befindet, sind wir von den Sanierungschancen von Görtz überzeugt. Wir haben einen klaren Kurs und ein festes Ziel", wird Geschäftsführer Frank Revermann zitiert.

Erstmeldung vom 7.9.2022: "Enorme Kaufzurückhaltung": Görtz meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an 

Die Geschäftsführung habe deshalb für die Muttergesellschaft Ludwig Görtz GmbH am 6. September 2022 beim Amtsgericht Hamburg einen Antrag auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens und für die beiden operativen Tochterunternehmen Görtz Retail GmbH und Görtz Logistik GmbH jeweils Anträge auf Anordnung einer Eigenverwaltung gestellt, heißt es. Mit dieser besonderen Form der Insolvenz wolle sich Görtz "konsequent restrukturieren und zukunftssicher aufstellen", so der Konzern.

"Der im Februar 2022 ausgebrochene Ukraine-Krieg, die Inflation und steigende Energiepreise führten zu enormer Kaufzurückhaltung in den Filialen und im Onlinegeschäft", erklärt Görtz weiter. Die Geschäftsführung werde in den kommenden drei Monaten einen Sanierungsplan erarbeiten und dem Gericht vorlegen. 

"Görtz ist eine starke und bekannte Marke, die weiterhin viel Potential in sich trägt. Als Omnichannelhändler sind wir überzeugt, dass wir nach der Sanierung eine erfolgreiche Zukunft erwarten können und ein nachhaltiges Wachstum erzielen werden", wird CEO Frank Revermann zitiert. Der Geschäftsbetrieb in den Filialen, der Zentrale in Hamburg und den beiden Zentrallagern laufe indes "uneingeschränkt weiter".

Fränkische Filialen von Schuhhändler Görtz kommen "auf den Prüfstand"

Alle Stores hätten geöffnet. "Die Löhne und Gehälter der circa 1800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die Monate September, Oktober und November 2022 durch die Zahlungen der Bundesagentur für Arbeit gesichert. Ab Dezember 2022 wird Görtz die Löhne und Gehälter wieder aus eigenen Mitteln zahlen", erklärt der Konzern. Aber wie geht es mit den Filialen in Franken weiter? "Görtz steht ganz am Beginn der Sanierungsverfahren und wird nun einen Schritt nach dem anderen machen. Klar ist, dass Görtz seine Kostenstruktur verbessern muss", erklärt eine Sprecherin gegenüber inFranken.de.

"Das bedeutet, dass alles auf den Prüfstand kommt – auch die Filialen. Ob es im Zuge der Restrukturierung gegenüber Veränderungen im Filialnetz geben wird, können wir jetzt noch nicht sagen und darüber wollen wir auch nicht spekulieren." Noch ist also nichts entschieden - bereits in den vergangenen Jahren haben Geschäfte unter anderem in Nürnberg und Erlangen geschlossen. Folgende Görtz-Filialen gibt es aktuell noch in Franken (Hinweis: kein Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Görtz in Bayreuth, Hohenzollernring 58, 95444 Bayreuth
  • Görtz in der Stadtgalerie Schweinfurt, Gunnar-Wester-Straße 10, 97421 Schweinfurt
  • Görtz in der Eichhornstraße, Eichhornstraße 2, 97070 Würzburg
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