• Nach Flucht vor dem Krieg bringt Ukrainerin Kind in Klinikum Bayreuth zur Welt
  • Auf etappenweiser Flucht aus Kiew begleitet sie die Angst vor Raketeneinschlägen
  • Ukrainischer Bekannter nimmt sie und ihre Mutter in Bayreuth auf - Vater des Kindes muss zurückbleiben
  • "Tochter hat hier wenigstens die Möglichkeit, eine Ukrainerin zu sein"

Am Freitag (11. März 2022) kam im Klinikum Bayreuth ein kleines Mädchen zur Welt, das gerade so einem Lebensstart in einem bekriegten Land entkommen ist. Eigentlich wollte die junge Familie ein friedliches Leben in der Ukraine führen, hatte Pläne, erzählt ihr Bekannter Igor Salahan im Gespräch mit inFranken.de. Stattdessen ist es nun ungewiss, wann sich Vater und Tochter zum ersten Mal begegnen werden. 

Nach Flucht: Hochschwangere Ukrainerin erreicht Bayreuth gerade noch rechtzeitig

"Sie wollte mit ihrem Mann aus Kiew nach Lemberg fliehen, wo ihr Vater lebt. Zuvor hörten die beiden einen Raketeneinschlag und bekamen Angst, vor allem wegen der bevorstehenden Geburt", berichtet Salahan. Doch dann seien sie in einen Stau geraten. "Auf der Mitte des Weges hatten sie kein Benzin mehr. Die Tankstelle hat den Menschen wenig Kraftstoff gegeben, doch aufgrund der Schwangerschaft bekamen die beiden mehr. Da waren sie schon ungefähr 18 Stunden unterwegs."

In Lemberg hatte das Paar allerdings auch nicht lange bleiben können, denn der Vater lebe nahe dem Flughafen in einem höheren Stockwerk. Bei jedem Alarm hätte die Hochschwangere also den Weg in den Keller auf sich nehmen müssen. "Daher sind sie dann zusammen mit Vater und Mutter in eine kleine Stadt bei Lemberg zu Verwandten gefahren. Ich sagte ihnen aber, dass es besser wäre, wenn sie zu uns nach Deutschland kommen. Denn niemand weiß, wie die Versorgung sich entwickelt. Und es gibt immer wieder Alarme", sagt Salahan.

Dem habe die Familie zugestimmt, doch ob es sie es rechtzeitig bis zur Geburt schaffen würden, war unklar. "Deswegen sind sie stufenweise gereist. Zuerst sind sie in die Slowakei zu Bekannten gefahren. Nach etwa einem Tag sind sie nach Deutschland aufgebrochen und zu mir gekommen. Das war zwei Tage vor der Geburt. Gott sei Dank ist ihnen nichts passiert." 

"Hätten gute Zukunft gehabt" - Ukrainisches Paar hatte große Pläne - jetzt sind Eltern voneinander getrennt

Auf absehbare Zeit bleibe die Mutter mit ihrem Baby und ihrer eigenen Mutter erst einmal bei Salahan. Berühmt wollten sie mit ihrer Geschichte nicht werden, doch ihnen sei wichtig, zu betonen, wie schwierig die Trennung für eine Familie ist.

Wie Salahan weitergibt, habe der junge Vater aus bekannten Gründen nicht ausreisen können. Ursprünglich hätte die Ukrainerin nicht nach Deutschland kommen wollen. "Sie wollte mit ihrem Mann in der Ukraine bleiben. Sie hätten eine gute Zukunft gehabt und wollten ein ruhiges Leben führen." In ihrer neuen Wohnung hätten nur noch Möbel gefehlt.

Es sei trotz aller Strapazen aber ein schönes Zeichen, ein Kind vor dem Krieg zu retten, findet Salahan. "Vielleicht kann das Kind bald in das Heimatland ihrer Eltern reisen, doch wenn nicht, hat sie hier wenigstens die Möglichkeit, eine Ukrainerin zu sein", sagt Salahan und verliert trotz der heftigen Angriffe und Vorwürfe Russlands nicht die Hoffnung: "Ein Volk kann man nicht besiegen und ganz Europa steht hinter uns."

Mehr zum Thema: In unserem Ticker halten wir euch bei inFranken.de zu allen Ereignissen des Ukraine-Kriegs auf dem Laufenden.