In zwei Fällen wurden am Mittwoch (9. Februar 2022) Beamte der Bayreuther Polizei von mehreren Personen angegriffen und verletzt. Zudem mischten sich Unbeteiligte in die Einsätze ein und versuchten, die Angreifer zu unterstützen oder zu befreien, wie das Polizeipräsidium Oberfranken mitteilt.

Im ersten Fall nahm eine Streife der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt gegen 15.30 Uhr einen Verkehrsunfall bei einem Discounter-Markt in der Markgrafenallee auf, als ein Zeuge sie darauf aufmerksam machte, dass ein Mann an ein geparktes Fahrzeug urinierte. Die Beamten näherten sich dem 52-Jährigen und verlangten seinen Personalausweis.

Mann beleidigt und tritt Polizisten in Bayreuth

Dieser reagierte sofort abweisend: Er soll unter anderem geäußert haben, den Tod der beiden rheinland-pfälzischen Polizisten zu begrüßen und auch den Bayreuther Kolleg*innen den Tod zu wünschen, wie die Polizei berichtet. Zudem bezeichnete er die Streifenpolizisten als „Bullenschweine“. Anschließend schubste der Mann unvermittelt den Streifenbeamten gegen ein geparktes Fahrzeug und trat auf den zu Boden stürzenden Beamten sowie auf die Kollegin, die ihn zu packen versuchte, ein.

Mehrere Personen sollen sich daraufhin mit dem Angreifer solidarisiert haben. Nur mit Unterstützung weiterer Streifen gelang es den Beamten, den 52-Jährigen am Boden zu fixieren. Einsatzkräfte brachten ihn zur Polizeiwache und veranlassten eine Blutentnahme. Das Ergebnis soll Aufschluss darüber geben, ob der Mann unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stand. Ihn erwartet ein Strafverfahren wegen des tätlichen Angriffs auf Vollzugsbeamte, Widerstand, Körperverletzung sowie Beleidigung. Die beiden Polizisten wurden bei dem Vorfall leicht verletzt.

Nur wenige Stunden nach dem Vorfall in der Markgrafenallee ereignete sich unweit davon ein ähnlicher Vorfall, diesmal in der Hans-Schäfer-Straße. Kurz vor 20.30 Uhr rückte eine Streife an, um eine Lärmbelästigung zu unterbinden. Im Laufe des Einsatzes musste eine 15-jährige Jugendliche in Gewahrsam genommen und zur Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt gebracht werden. Am Streifenwagen forderte sie Hilfe von ihrem Freund. Der 16-Jährige lief auf die beiden Polizisten zu und schlug einem davon mit der Faust ins Gesicht, sodass dessen Lippe blutete.

16-Jähriger geht auf Beamte los und schlägt zu

Auch der 16-Jährige konnte nur unter Zwang fixiert und beruhigt werden. Unterstützungskräfte nahmen ihn mit zur Wache. Neben dem tätlichen Angriff auf die Polizisten erwartet ihn eine Anzeige wegen versuchter Gefangenenbefreiung. Aufgrund der von Beginn an aufgeheizten Stimmung vor Ort setzten die Beamten Body-Cams ein und ließen diese bis zuletzt mitlaufen.

Die Angriffe auf Polizisten nehme über die Jahre stetig zu: Neben den steigenden Fallzahlen sei auch die Schwere der Gewaltausübung und die wachsende Respektlosigkeit besorgniserregend, schreibt das Polizeipräsidium Oberfranken in einer aktuellen Mitteilung. Die Tat in Rheinland-Pfalz unterstreiche diese Erkenntnis in besonderem Maße.

Der stellvertretende Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt, Benjamin Böhm, äußert sich zu den Angriffen vom Mittwoch: „An all diejenigen, die glauben, derart respekt- und pietätlos oder gar mit körperlicher Gewalt gegen die Polizei vorgehen zu können, hier die klare und unmissverständliche Botschaft: Wir werden unser Einschreitverhalten gegenüber solchen Personen verschärfen und mit aller Entschlossenheit und unter Ausschöpfung aller rechtlichen Mittel gegen diese vorgehen. Ich bin trotz der gestrigen Ereignisse der festen Überzeugung, dass die deutlich überwiegende Mehrheit der Gesellschaft hinter uns steht. Das zeigt mir auch die Vielzahl an Beileids- und Mitgefühlsbekundungen, die uns nach den schrecklichen Ereignissen in Kusel erreicht haben", so Böhm.

Ermittlungsergebnisse der Übergriffe werden derzeit für die Justiz zusammengetragen. Dafür ist das sogenannte „beschleunigte Verfahren“ vorgesehen. "Die Staatsanwaltschaft Bayreuth missbilligt ebenfalls jede Form von Gewalt und Fehlverhalten gegenüber Polizeibeamten und Einsatzkräften. Sie wird solche Vorfälle priorisiert und konsequent verfolgen, um zeitnah gerichtliche Entscheidungen über die Täter herbeizuführen", fügt Staatsanwalt Eik Launert an. 

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