Viel mehr Rummel als derzeit wird es auf Frankens höchstem Gipfel, dem Schneeberg im Fichtelgebirge wohl auf lange Sicht nicht geben: Seit die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben des ehemalige Bundeswehrgelände zum Verkauf ausgeschrieben hat, geben sich potenzielle Käufer die Klinke in die Hand. Und suchen meist gleich wieder das Weite.

Man kann nicht behaupten, dass man mit den 12.000 Quadratmetern in 1051 Metern Höhe die Katze im Sack kauft. Die Bundesanstalt in Bonn hat in ihrem Expose haarklein aufgelistet, was den Käufer des Schneebergs erwartet: erhebliche Nutzungsbeschränkungen unter anderem durch den Natur- und den Denkmalschutz (Turm), eine mangelhafte Erschließung, Zufahrt nur über eine Privatstraße und nicht zuletzt ein Berg von Altlasten, die in den alten Militärgebäuden schlummern.

Schnee-Burger?

"Die Befürchtungen, dass es zu einem Ausverkauf im Fichtelgebirge und in der Folge zu einem Rummelplatz auf dem Schneeberg kommen könnte, haben sich so bislang zum Glück nicht bestätigt", sagt Peter Hottas, der Vorsitzende des Fichtelgebirgsvereins. Es ist wohl mehr als ein Gerücht, dass auch eine bekannte Fast-Food-Kette ihre Fühler nach dem Gipfel ausgestreckt hatte. Gegen eine mögliche Müllkippe neben dem Steinmeer hatte der Fichtelgebirgsverein "massiven Widerstand" angekündigt. So eine Art "kalter Krieg" gegen den Gipfelsturm?

Hottas ist inzwischen aber gelassener. Nach einem ersten Besichtigungstermin und vor einem zweiten, der wegen des großen Interesses am 22. Juli angesetzt wurde, haben die meisten potenziellen Käufer dem Schneeberg den Rücken gekehrt. "Da oben ist kommerziell kaum etwas zu machen. Der Berg ist ein herausragendes Naturschutzgebiet", sagt Hottas.

Warum überhaupt kaufen?

Nach seinen Informationen sind als ernsthafte Interessenten wohl bislang zwei Mobilfunkbetreiber in Erscheinung getreten, die den Turm, von dem aus die Bundeswehr einst den Feind im Osten belauschte, schon jetzt über Pachtverträge für ihre Antennen nutzen. "Da stellt sich die Frage, ob ein Kauf für diese Unternehmen am Ende Sinn macht."

Das wird wohl am Ende vor allem eine Preisfrage sein. Die Bundesanstalt hat kein Mindestgebot festgesetzt. "Den Zuschlag würde der Meistbietende erhalten" heißt es lapidar in Bonn, wo man aber auf Granit beißt, wenn man auch nur eine Andeutung dazu hören möchte, wie viel der höchste Berg in Franken wert sein könnte.

Der Verkauf ist kein Muss

Die Formulierungen "würde" und "könnte" sind mit Bedacht gewählt: Der Bund bietet den Schneeberg "unter Vorbehalt" an - die Interessenten könnten am Ende leer ausgehen, selbst wenn sie sich von den Bauruinen, Bunkern, Schutzgebieten und Grunddienstbarkeiten nicht abschrecken lassen.

Beim Fichtelgebirgsverein plant man derweil schon für den Tag X: Das ist der 26. Juli, der tag, an dem laut Carolin Graf-Wenkmann aus Amberg, die den Verkauf für die Bundesimmobilienanstalt abwickelt, die Frist für die Abgabe der Angebote endet. "Wir gehen davon aus, und das ist auch unsere Forderung, dass das Gelände Eigentum des Bundes bleibt, im öffentlichen Interesse", sagt Hottas.

Am runden Tisch

Sollte es anders kommen, will der Fichtelgebirgsverein einen "runden Tisch" mit dem neuen Eigentümer und allen Behörden installieren, die für Frankens höchsten Punkt zuständig sind. "Wir wollen, dass da oben alles so bleibt wie es ist. Der Schneeberg soll weiterhin der Natur und den Menschen gehören und nicht dem Profit geopfert werden", sagt der Vorsitzende des Fichtelgebirgsvereins. Damit es auf dem Schneeberg friedlich bleibt, könnte es also erstmal durchaus noch einigen Rummel geben. "Notfalls werden wir so lange demonstrieren, bis der Schutz der Natur dort ein für allemal gewährleistet ist."