Das Sonnenlicht reflektiert an einem deutlich erkennbaren Aluthut einer Demonstrantin am Fuchsparkstadion. Mit einem Plakat, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Kristallaugen und dem Spruch "Wir schaffen das - Schluss mit der Scheiße" zeigt, steht sie mit 60 weiteren Menschen inklusive Sicherheitsabstand auf dem Parkplatz vor den Sportanlagen. Gut 200 Menschen stehen eng an eng auf dem angrenzenden Gehweg sowie der Straßenseite gegenüber, um den Redebeiträgen zuzuhören. Mund -Nasen-Schutz sieht man sehr selten. In Bamberg ist es mittlerweile die dritte Demo gegen die Corona-Maßnahmen, welche die Ausbreitung des Virus eindämmen sollen.

"Eins haben wir alle gemeinsam: Wir alle haben Sorge um unser Grundgesetz", meint Christiane Göbel aus Breitengüßbach. Man distanziere sich klar gegen die Vorwürfe, Verschwörungstheoretiker bekämen hier eine Plattform. Laut Göbel komme es sogar vor, dass Menschen in die Demos eingeschleust würden, um die Veranstaltungen in ein schlechtes Licht zu rücken. Ein Blick in die offene Telegram-Gruppe, über welche für die Demo mobilisiert wird, zeigt ein anderes Bild: Antisemitische und verschwörungstheoretische Äußerungen sind in der 300 Menschen starken Messenger-Gruppe keine Seltenheit. Wer einen rechten Sumpf anmahnt, wird als Spalter bezichtigt.

Auch medizinisches Personal kommt an der Demo zu Wort: Allgemeinarzt Ernst Trebin fühlt sich von der Maskenpflicht und den Abstandsregeln gegängelt. Die Menge spendet ihm viel Applaus. Vielmehr sieht Trebin, welcher auch SPD-Ortsverbandsvorsitzender in Bamberg-Ost ist, die höhere Influenza- also Grippeimpfraten in den unterschiedlichen Ländern als angebliche Ursache für die unterschiedlichen Todesfallzahlen aufgrund des Coronavirus. Dass teilweise sehr schlecht finanzierte Gesundheitssysteme der Staaten einen Unterschied machen könnten, lehnt er als Erklärung ab. Für den Arzt sei bereits die Masernimpflicht der "Beginn einer Art von Diktatur", welche zu weitere Zwangsmaßnahmen führen könnten. Zwar bekommt er großen Applaus, erklärt jedoch nicht wie er zu dieser Einschätzung kommt.

"Ich bin gegen die, welche Corona als Vorwand benutzen, um die Menschen unbegründet in Angst und Schrecken zu versetzen", erklärt eine Krankenschwester am Mikrofon. Menschen würden angeblich falsch oder gar nicht informiert. Fakten aus ihrem Berufsalltag würden sich nicht mit Fakten aus den Medien decken. Sie habe kein Verständnis dafür, dass extra Kapazitäten in den örtlichen Krankenhäusern geschaffen wurden. Und die Krankenschwester wundert sich, warum plötzlich alle Menschen getestet würden, welche ins Krankenhaus kommen. Dass der stetige Ausbau der Testkapazitäten zur Erkennung des Coronavirus dieses Vorgehen nun möglich macht, bleibt unerwähnt. Dem Applaus ihres Appells gegen eine angebliche Impflicht und die Überwachung tut dies keinen Abbruch.

Die Lage bleibt ruhig. In mehreren Redebeiträgen werden "die Medien" als unsachlich oder manipulativ dargestellt. Auch die lokale Presse und der Rundfunk wird für seine Berichterstattung angesprochen und kritisiert. Vereinzelt rufen Zuschauer "Lügenpresse!". Ein Redner verliest einen Social Media Post eines Kritikers, welcher das Nichteinhalten der Abstandsregeln von Seiten des Redners an der Demo am Maxplatz am vorigen Samstag aufgreift. Die Menge schenkt viel Applaus für diese Art der Abwehr von Kritik.

Polizeieinsatz am Maxplatz

Die Demo war recht kurzfristig am Freitagmittag vom Maxplatz nach Bamberg-Ost verlegt worden. Eine Gruppe von rund 30 Menschen passte diese Entscheidung der Stadt Bamberg offenbar nicht in den Kram. Um 15.30 Uhr versammelten sie sich am gleichen Nachmittag unangemeldet mitten auf dem Maxplatz, um Plakate in die Höhe zu strecken und Sprüche zu skandieren. Hubertus Schaller, ein Sprecher des Bamberger Bündnis gegen Rechtsextremismus, rief daraufhin die Polizei, welche einige Zeit später mit zehn Fahrzeugen anrückte.

Das Bündnis hat eine Presseerklärung zu den bayernweiten Corona-Demos herausgegeben. Darin wird das Recht zur Demonstration für die Grundrechte ausdrücklich unterstützt. Allerdings mit einem kritischen Blick: "Viele dieser Demonstrationen und Kundgebungen sind massiv von Rechtsextremist*innen, Holocaustleugner*innen, Verschwörungstheoretiker*innen und Nazis unterwandert", heißt es in der Presseerklärung. Durch ein Missachten der Abstandsregeln würde darüber hinaus die Gesundheit anderer Menschen gefährdet.