"Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen", sinnierte Johann Wolfgang von Goethe. Ja, jedes Problem ist mit der richtigen Einstellung lösbar - oder etwa nicht? In diesem Sinne geben die Hans-Sachs-Spiele heuer "theatralische Lebenshilfe". Mit Nadine Panjas an seiner Seite, Dichtern und Denkern wie Christian Morgenstern, Kurt Tucholky - und Karl Valentin bietet Martin Neubauer dem Publikum eine eigene Form der "Lachtherapie". Wobei der romantische Hof des Schwertfegerhäuschens zur Kulisse wird. Vor der Premiere am 28. Mai sechs Fragen an den Brentano-Theater-Prinzipal.

Hans Sachs: Was fasziniert Sie an dem Schusterpoeten des 16.
Jahrhunderts so, dass Sie ihm Jahr für Jahr Ihre Sommerspiele widmen?
Martin Neubauer: Hans Sachs denkt satirisch, höchst ironisch - in einem Zeitalter der verpflichtenden Dauerironie also brandaktuell. Dabei ist seine Satire nie Selbstzweck, weitaus mehr als ein reines Geblödel. Sie befördert immer ein inneres Anliegen und beinhaltet eine ethische Aussage. Wir heute können von Sachs lernen, komisch und drastisch zu sein ohne billig und hohl zu werden.

Was ist Ihr Anliegen bei den diesjährigen Sachs-Spielen, Ihre Botschaft fürs Publikum?
Zugegeben: "Die rosa Brille" wird ein leichtes Sommerprogramm, also alles andere als ein Belehrungsabend. Sachs verfasste saftige Parodien auf die Leichtgläubigkeit der Menschen. Sie ist auch unser Thema, weil man heute wieder verstärkt und penetrant auf Naivität setzt. Für jedes Problem - und sei es noch so kompliziert - werden einfache und rasche Antworten gegeben: Beschämend simple Lösungen bietet eine rein populistische Politik. Workshops versprechen in 48 Stunden für 2000 Euro die Beseitigung aller Probleme, gegen fast jedes geistige oder körperliche Wehwehchen gibt es ein Mittelchen zum Einnehmen. Auch die "Esoterik-light"-Bewegung zieht ihren Vorteil aus der Arglosigkeit der Menschen. Bei Hans Sachs waren es mit Vorliebe die "ungebildeten Pfaffen", die ihr Fett abbekamen. Doch sie haben in unseren Tagen zahlreiche smarte und finanztüchtige Nachfolger.


Unerträglich positiv

Wen nehmen Sie mit Nadine Panjas als Partnerin ins Kreuzfeuer?
Wir schlüpfen in die Rolle zweier unerträglich positiv denkender Lebensberater. Wer ernsthaft lernen will, Konflikte zu bewältigen, Beziehungsstress zu vermeiden oder seine finanziellen Verhältnisse aufzubessern, ist bei ihnen garantiert fehl am Platz. Der ironische Blick auf menschliche Schrullen und unerfüllte Sehnsüchte bleibt aber menschenfreundlich.

Welche Lebenshilfe bieten Sie mit Ihrem Programm? Den Blick durch die "rosa Brille"?
Mit dem Begriff "theatralische Lebenshilfe" parodieren wir den allseits wachsenden Hang zu Eigenlob und Selbstbeweihräucherung. Eine schreckliche Entwicklung. Eigenlob stinkt wie eh und je! "Rosa Brillen" haben auch noch kein Weltproblem gelöst. Aber Lachen kann helfen, Probleme anzusehen. Lachend erkennt man immer wieder, was schiefläuft. Lachen ermöglicht Abstand. - Die heiteren Szenen von Sachs bis Morgenstern zeigen auf, wie zwischenmenschliche Begegnungen garantiert und zuverlässig nicht funktionieren.

Auf welche fränkischen Aspekte darf man sich dabei freuen?
Es gibt eine Alltagsszene in einem Bamberger Kaffee, die Kommunikationsprobleme zwischen einem sehr umständlichen urfränkischen Gast und einer jungen Bedienung darstellt. Man kann ja viel Lebenszeit mit der Bestellung eines Kaffees vergeuden. "Ich mahn, ich nehmert vielleicht doch lieber des, oddä?" Der Geist Karl Valentins lässt grüßen!



Auch der Sozialkritiker poltert

2017 laufen die zehnten Sachs-Spiele. Schon eine Idee, was Sie zum runden Geburtstag bieten?
Sehr nett, dass Sie einem Schauspielerhirn zutrauen, fünf Tage vor der Premiere über diese hinaus zu denken.- Nun, da wird es einen Abend geben, der ausschließlich den Texten des Schusterpoeten gewidmet ist. Und nicht nur der Humorist, auch der Sozialkritiker Sachs darf dann poltern . . .

Premiere feiert das Brentano-Theater-Programm mit Martin Neubauer und Nadine Panjas am kommenden Samstag, 28. Mai, 20 Uhr. Weitere Vorstellungen folgen am 29. Mai, 17 Uhr, 5. Juni, 17 Uhr, 7. Juni, 20 Uhr, 9. Juni, 20 Uhr, 12. Juni, 17 Uhr, und 16. Juni, 20 Uhr. Plätze fürs Programm, das im Hof des Schwertfegerhäuschens (Karolinenstraße 22) gezeigt wird, reserviert man unter 0951/54528.