• Zapfendorfer beobachten Biber hautnah - "Es war echt aufregend"
  • Schon öfter sichteten Anwohner*innen einen Biber am Laufer Bach
  • Seit 1956 sind die Tiere nach ihrer Ausrottung in Bayern wieder heimisch
  • Wie schädlich sind Biber wirklich? Das ist dran an den Vorurteilen

Biber kennen die meisten Menschen aus Tierfilmen, Fabeln und Bilderbüchern. Doch es besteht auch eine Wahrscheinlichkeit, sie in Echt zu beobachten. Denn sie sind in Bayern wieder verbreitet. Meike Lang und Kai Manaa aus Zapfendorf hatten das Glück.

Video mit Biber in Zapfendorf: "Er war ganz gechillt"

Meike und Kai leben in einem Wohngebiet am Laufer Bach in Zapfendorf in der Nähe des Schwimmbads - nicht gerade ein Naturschutzgebiet. Doch plötzlich raschelte es, als sie am Montagabend (8. November 2021) gegen 18 Uhr vom Einkaufen kamen. "Ich habe einen Umriss gesehen und zu meinem Mitbewohner gesagt: 'Guck mal, ein Biber!'", erzählt Meike. Er lief langsam auf der Grasfläche am Bachufer umher, sodass sie mit ihrem Handy versuchen konnte, zu filmen. Doch dies war in der Dunkelheit unmöglich. 

Kai holte daraufhin eine professionelle Fotolampe aus seinem Zimmer, trat nah an das Tier heran und sorgte so für eine ausreichende Ausleuchtung. "Ich hatte ein bisschen Angst, dass er beißt, weil ich schon gehört habe, dass sie einen anspringen können", berichtet Meike, "Aber er war ganz gechillt. Es war echt aufregend, weil ich öfters schon einen Biber hier gesehen habe, aber noch nie so nah."

Auch andere Bewohner*innen von Zapfendorf hätten ihn schon öfter gesehen. Ob es immer derselbe ist, könne Meike nicht sagen. Auch hat sie noch keine Schäden an Bäumen oder Staudämmen gesichtet. "Er hat nur Gras gefressen." Bis zu 60 Meter können sich Biber von Gewässern entfernen, erklärt Berit Arendt vom Bund Naturschutz. Biber leben im Familienverbund zusammen. Angst zu haben, dass die Population Überhand nimmt, brauche man nicht. Denn die Biberfamilien verteidigten ihre Reviere gnadenlos bis zum Todesbiss, wenn ein fremder Biber es betritt. So reguliere sich der Bestand von selbst.

Drei Biberfamilien in Stadt Bamberg - schaden die Tiere der Landschaft? 

1867 wurde der Biber in Deutschland ausgerottet, erklärt der Landschaftspflegeverband Mittelfranken. 99 Jahre später begann die Wiedereinbürgerung in an einigen bayerischen Gewässern. Mittlerweile sind die streng geschützten Nagetiere wieder in Bayern verbreitet. In der Stadt Bamberg leben derzeit drei Biberfamilien mit jeweils ungefähr vier Tieren, berichtet Biologe Jürgen Gerdes. Die Nage- und Baufreude des Tiers steht immer wieder im Konflikt mit der menschlichen Landschaftsgestaltung.

"Unsere Landschaft hat mit Natur im eigentlichen Sinne meist nur noch wenig zu tun: Fast jeder Quadratzentimeter wurde von uns umgestaltet und der Nutzung unterzogen. Wildnis kommt so gut wie nicht mehr vor", schreibt der Bund Naturschutz eindrücklich. So kann der Biber "nur knappe fünf Prozent der bayerischen Landesfläche überhaupt besiedeln", heißt es weiter. Die Landschaft, die er vorfindet, gestalte er unter der Devise "Mehr Natur!" um. Manche Menschen haben Sorge, dass das Tier zur Bedrohung für den Baumbewuchs werden kann. "Biber fällen vor allem im Winter Bäume, wenn es sonst nichts für sie zu fressen gibt. Da sie nicht klettern können, ist dies ihre einzige Möglichkeit, an Blätter oder die zarte Rinde der Äste zu gelangen." Wenn Bach- oder Flussufer dicht mit Weide oder Erle bewachsen sind, falle der Verlust nicht groß auf. Ärgerlich für eininge Menschen wird es aber dann, wenn von ihnen gestaltete Bereiche betroffen sind.

Deswegen hat Bamberg auch einen Biber-Beauftragten als Ansprechpartner bei Schäden. Anwohner, die nahe einem Gewässer leben, können einen Termin mit dem Beauftragten vereinbaren und sich beraten lassen, wie sie Schäden an Bäumen vorbeugen können. Der Bund Naturschutz empfiehlt, Uferbäume oder wertvolle Obst- und Nutzbäume bis zu einer Höhe von 1,20 Metern mit Maschendraht oder einer Estrichmatte zu umwickeln. Das größte Nagetier Europas ist laut Bund Naturschutz der "beste 'natürliche' Ökosystem-Manager: Wo immer er lebt und anpackt, nimmt die Artenvielfalt sprunghaft zu." Von dem aufgestauten Wasser profitieren viele Tierarten, die in den vom Biber renaturierten Auen ihren Lebensraum finden. Die beste Lösung, Konflikte mit dem Biber zu vermeiden, sei letztlich, für genügend naturnahe Vegetation an Ufern zu sorgen. 

Vorschaubild: © Meike Lang