"Heutzutage ist das ja vielen jungen Menschen gar nicht bewusst, dass es ein Geschenk ist, in Frieden und Freiheit zu leben" Unter anderem mit diesen Worten von Rudy Scharf klingt der Film "Schatten der Vergangenheit" aus dem Jahr 2015 aus. Darin erzählt der Bamberger seine Eindrücke vom 10. April 1945, als er mit seinem Freund Andy Neukel einen Bombenangriff an der Breitenau durchstehen musste. "Verkratzt, verstört, verdreckt rannten wir um unser Leben", spricht Scharf mit direktem Blick in die Augen des Zuschauers. Zeitzeugenberichte wechseln mit nachgespielten Szenen.

Einen "Löwen" gewonnen

Hinter der Kameralinse saß Christian Schöfer. Das Mitglied des Bamberger Filmclubs hat bereits zahlreiche Streifen gedreht und konnte unter anderem mit diesem Werk bei den Bayrischen Filmfestspielen einen "Löwen" absahnen. Hierbei werden nicht-kommerzielle Filme gewürdigt. Schöfer, der mit 20 Jahren das erste Mal eine Kamera in den Händen hielt und früh zum Verein kam, hat sich nicht nur in der Bamberger Geschichte filmisch ausgetobt. Seit 35 Jahren ist Basketball seine Leidenschaft und der Filmer hat mit Streifen wie "Der Bessermacher" die Trainerkünste von Stefan Weissenböck bei Brose Bamberg eingefangen und mit "Ein Stern, der über Bamberg steht" die passende 2012er-Fanhymne für die Basketballer aus Freak City zusammengestellt. "Die Lippensyncro war eine wahre Fitzelesarbeit", erzählt Schöfer und lacht.

Bis die bewegten Bilder als fertige Gesamtschau stehen, fließt somit viel Zeit in die richtige Zusammensetzung. Die Schrumpfung der Zeit verhält sich etwas so: Aus mehreren Stunden Material entstehen teils nach Monaten Bearbeitung einige Minuten Film. Technik, Schnitt, Ton. Alles muss sitzen. "Wenn ich den Zuschauer nicht in den ersten 20 Sekunden erreichen, dann wird das nichts", weiß der Filmemacher.

Wichtige Zutaten sind die richtige Länge und der passenden Spannungsbogen mit eingestreuten Highlights. Apropos Höhepunkte: Hoch hinaus ging es schon 2012 als einer der ersten Drohnenfilmer in der Stadt. Den Steuerknüppel hielten damals die Söhne in der Hand, um Schloss Seehof, Altstadt und Co einzufangen.

Vielfalt des Genres

Mittlerweile sei das Filmen per Drohne stark eingeschränkt und man müsse aufwendig Genehmigungen einholen. Schöfer schätzt nicht nur die Vielfalt der Genres - Rallyelegende Walter Röhrl wurde genauso "eingefangen" wie eine Flusskreuzfahrt auf der Donau - sondern auch die Auseinandersetzung mit den technischen Details.

Als Reinhold Pflaum in den Bamberger Filmclub eintrat, war an eine solche moderne Ausstattung nicht zu denken. "Damals fing das mit dem Super-8 Filmformat an", erinnert sich Pflaum, welcher seit zehn Vorsitzender des 56 Mitglieder starken Vereins ist. Damals war das noch ein teures Vergnügen: Für dreieinhalb Minuten Film mussten noch 13 D-Mark hingeblättert werden. "Damals wurde aber am meisten gefilmt, obwohl es so teuer war", betont der Vereinsvorstand.

Seit 40 Jahren, in welchen er seiner Leidenschaft die Treue hält, entstanden mit der alten sehr aufwendigen Technik aber auch mit den neueren VHS-Kasetten zahlreiche Zeitzeugnisse. Die Sammlung der Filmergemeinde umfasst die 1000-Jahrfeier der Stadt sowie kleinere Feste sind darunter. Ein Abstecher zum Lehrmittelpfad an der Altenburg gehört genauso zum Archiv wie ein "Hochwasser" in der Gartenstadt als Rohrleitungen zerbarsten. Gut 50 Filme sind so entstanden. Allein zur Landesgartenschau 2012 sind 60 Werke von Vereinsmitgliedern entstanden, welche unter anderem im Fundus des Stadtarchivs zu sehen sind.

Miteinander ist alles

"Wir sind ein Club, in welchem man miteinander arbeitet", beschreibt Pflaum seinen Verein, der seit 50 Jahren besteht. Mitglieder geben sich Tipps zum Schneiden und bei Treffen in der Gaststätte "Tambosi" begutachten die Filmemacher ihre Werke, um sich Ratschläge für den Feinschliff zu erhalten. Zwischen Urlaubsvideos, Videos von Familienfeiern und Dokumentarfilmen sei alles dabei. Auch wenn in Zeiten von Smartphones und Apps wie Tik-Tok das Interesse an technisch anspruchsvollen Filmen sinke: Mit Dominik Helmich habe der Verein einen Nachwuchsfilmer, der mit seinem Streifen " The Visit - Bamberg My City, our world heritage" überzeugen konnte.

Und auch Schöfer ist noch längst nicht am Ende seiner Wunschliste angelangt: "Ich könnte mir vorstellen, auch mal einen Psycho- oder Actionspielfilm zu drehen." Auch ein filmischer Sketch oder einen "Car-Porn mit guter Musik" könne sich der Hobbyfilmemacher ausmalen. Bamberg und seine weitläufige Umgebung böten guten Kulissen für fast jede Idee.

Bamberger Produktionen

Wer in diesem Sommer die Vielfalt der Produktionen von Mitgliedern des Bamberger Filmclubs erleben will, findet auf infranken.de mehrere Werke. Im Herbst wird es voraussichtlich wieder Vereinstreffen geben. Näheres finden Interessierte hier.