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"Konsumieren, bevor das Geld weg ist!" Krass, welchen Tipp Top-Ökonom Daniel Gros deutschen Verbrauchern vor einigen Monaten ans Herz legte: langjährigen Weltmeistern im Hamstern, die sich angesichts der Minizinsen nun die "Geiz ist geil"-Mentalität sparen sollten.

Dabei steckt das Knausern manchem doch in den Knochen, der in der Krise weiterknickert - mit Blick auf schlechte Zeiten. Ein anderes Extrem: Der Trend zum Schlemmen, dazu sich kostspielige Reisen zu gönnen, ob man sich's nun leisten kann oder auf Pump prasst. Wo dazwischen sehen sich Bamberger von Rang und Namen? Welche Erfahren haben sie damit, den Gürtel enger zu schnallen? Wofür schlachten sie Sparschweine, sofern es die klassische Geldsau in dieser Form überhaupt noch gibt? Wir hakten nach.


Ein Rennrad gegönnt
"Ich besitze ein konservatives Sparbuch, das ich
regelmäßig bediene, um mir besondere Anschaffungen leisten zu können", verriet OB Andreas Starke. Geplündert wird die Einlage (oder ein Teil derselben) auch, um Reisen zu finanzieren. Zwei Kurzurlaube führten Bambergs Stadtoberhaupt beispielsweise nach Mallorca, wo Starke nicht faul am Strand lag, sondern in die Pedale trat: "Ja, vor eineinhalb Jahren habe ich mir die Anschaffung eines Rennrades gegönnt, das ich seither hin und wieder nachrüste." Sport ist unserem OB eben lieb und teuer, während er an anderer Stelle kürzer tritt als noch vor einigen Jahren. "Beim Kauf von Klamotten beispielsweise falle ich heute nicht mehr auf jede Marke herein."

Gibt's im Hause Starke denn ein Sparschwein, einen Sparstrumpf oder eine Sparbüchse, in die Kleingeld wandert? "Ein Sparglas", so die prompte Antwort, "im dem sich einmal schon fast 100 Euro ansammelten, von denen ich mir einen Weltatlas leistete."
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Kein "sparendes Kind"

"Sparen? Da sind Sie bei mir am Falschen." Ein schepperndes Lachen von Seiten Arnd Rühlmanns, der im Telefoninterview umgehend klarstellt: "Ich war schon als Kind kein sparendes Kind, obwohl meine Eltern engagierte Überzeugungsarbeit leisteten." Nicht mal die Fabel von der "Grille und der Ameise" brachte den unbekümmerten Knirps ins Grübeln. "Ich fand die Ameise, die für den Winter wie blöde rackert und Getreide hamstert, während sich die Heuschrecke im Sommer amüsiert, schon immer spießig."

Dabei sammelte Rühlmann in jenen Jahren schon Sparschweine, wie er sich erinnert. Allerdings gab er für neue Säue so viel Geld aus, dass nichts mehr blieb, um damit die leeren Bäuche zu füllen. "Ich hatte eine Miss Piggy, diverse Katzensparschweine und den Schweinepriester, der mir Jahrzehnte später bei einer ,Leichen-im-Keller-Lesung geklaut wurde." Glücklicherweise war der Dieb so dumm, sich vor der Vorstellung zu bedienen, in der die Spendenbox noch gähnend leer war.

Sparerfolge in 41 Jahren also: "Fehlanzeige", so der Krimiautor, dem es nicht mal gelang, seinen ersten Lohn als Babysitter wegzulegen. "Ich habe mir stattdessen eine wahnsinnig häßliche Katzentasse gekauft - und bin diesem ,Sparverhalten' seit meiner Kindheit treu geblieben." Dennoch gelang es dem Theaterleiter, sich eine runderneuerte Lichtanlage im Club Kaulberg zu leisten. "Ich sparte mir eine Urlaubsreise, um damit meine Arbeit finanzieren zu können."


Hin und wieder "Lustkäufe"
Für nichts in der Welt würde Konrad Gottschall das knallrote Sparschwein schlachten, das ihm Freunde zum 60. Geburtstag überreichten. "Dazu sangen sie das Lied vom ,knallroten Gummiboot'", erinnert sich der Sparkassendirektor. Ob die Gratulanten wohl wussten, dass der Jubilar als Kind eine knallrote Spardose besaß, die beim Weltspartag feierlich ausgeleert und auf ein Sparbuch eingezahlt wurde? "Vom Spartyp her würde ich mich bis heute als Menschen beschreiben, der auf Nummer Sicher geht", meint Gottschall. Umso mehr genieße er "Lustkäufe"- wie beispielsweise mal ein neues Objektiv als leidenschaftlicher Hobbyfotograf. "Die Kunst ist, mit dem Einkommen auszukommen", meint Gottschall lachend. Was zu Beginn seiner Karriere eine weitaus größere Herausforderung war. "Mein erster Lustkauf von meinem ersten eigenen Gehalt war eine Jeans, die mir meine Eltern verweigert hatten - unten weit, oben knalleng." 350 Mark gab's netto für den jungen Sparkassenangestellten. "Von meinem zweiten Gehalt zahlte ich den Führerschein, von meinem dritten eine Fahrt nach Kopenhagen - dann ging's ab zur Bundeswehr und ich war wieder pleite."


Spardose mit Zählwerk für den Profi

Ein Sparfuchs von berufs wegen ist Kämmerer Klaus Motschenbacher. Seit Jahren sorgt der Oberhaider dafür, dass die Ausgaben des Bamberger Landkreises nicht aus dem Ruder laufen. Knausert man auf diese Weise zu Hause routiniert weiter oder schlägt zur Abwechslung über die Stränge? "Ich habe eine 19-jährige Tochter, der wir ein Auto finanzieren wollen", so die prompte Antwort. Auch stünde beim gemeinsamen Zuhause nach über 30 Jahren einiges zur Sanierung an. Motschenbachers Eltern konnten sich in seiner Kindheit nicht mal einen eigenen Fernseher leisten, erinnert sich der Kämmerer. Umso größer war der Hype, wenn alle hin und wieder bei Verwandten mit in die Röhre guckten. Eine grüne Spardose mit Henkel hatte Motschenbacher als Kind. Sein größer "Lustkauf" als 18-Jähriger: ein Luftgewehr, das sich der begeisterte Sportschütze leistete. Ist die Henkeldose bis heute noch in Betrieb? "Mittlerweile habe ich eine Sparbüchse mit Zählwerk." Ein Profigerät!


Wer den Stand rät, gewinnt
Im Hause Maar rätselt man in schöner Regelmäßigkeit, wie viel Bares die Pinseldose enthält. So sammelt der Vater des Sams nicht etwa in einem Sparschwein mit Rüsselnase, blauen Punkten und rotem Borstenschnitt Kleingeld. Sondern in dem simplen Behälter, der sich nach und nach füllt, um endlich im Zentrum des Schätzwettbewerbs zu stehen. "Gegen meine Frau habe ich meist keine Chance, zumal sie schon in der Schule besser in Mathe war als ich und ein wahnsinniges Zahlengedächtnis hat", bekennt der Kinderbuchautor, der somit regelmäßig verliert und seiner Frau die Wahl des Restaurants überlässt, in dem das Pinseldosen-Ergbnis verputzt wird. Als Bub sparte Paul Maar übrigens jeden Groschen, um ihn am nächsten Kiosk in Wild-West-Romane wie "Billy Jenkins" oder "Tom Prox" zu investieren. "Ja und dann gab's noch die Pelzjäger ,Pirre und Jean', wie man als Schweinfurter Bub nun mal Piere und Jean damals aussprach.

"In meinem Elternhaus galt Geiz als eine der schlimmsten Untugenden", berichtet Martin Neubauer als Leiter des Brentano-Theaters. "Der sieht ja seiner tugendhaften Schwester, der Sparsamkeit, nach außen mitunter zum Verwechseln ähnlich." Aber natürlich würden 98 Prozent aller Menschen in künstlerischen Berufen die Notwendigkeit kennen, nicht mit Geld um sich zu werfen. "Besonders schön hat das mal wieder Karl Valentin gesagt. Er bewunderte auf dem Oktoberfest ,Amazonen-Reiterinnen'. Darauf erkundigte sich das Münchner Original: ,Wieviel verdient so eine Amazone in einer Nacht'. Antwort: ,Eine Mark.' ,Und wie viele Nächte tritt sie auf?' ,Eine Nacht.' ,Hm, des macht eine Mark im Jahr... do heißt's einteilen!" Also Einteilen als Alternative zu Geiz und Sparen.