Wer vor 500 Jahren, also am 13. Juli 1520, durch Bamberg spazierte, hatte gute Chancen, Albrecht Dürer zu begegnen. Der knapp fünfzigjährige Nürnberger Maler hatte am 12. Juli 1520 seiner Heimatstadt, in der gerade wieder einmal heftig die Pest wütete, den Rücken gekehrt und sich, begleitet von seiner Frau und seiner Magd, auf seine dritte große Reise begeben. Seinem Reisetagebuch lässt sich entnehmen, dass das Grüppchen über "Erlang", "Baiersdorff" und "Forcham" am Folgetag Bamberg erreichte. Dürer "schenckte den Bischoff ein gemahlt Marien bild, unser frauen leben und ein Apokalypsin." Dürer hält auch die geldwerte Gegenleistung von Erzbischof Georg II. Schenk von Limburg fest: "Der lud mich zu gast, gab mir ein zoll- und drey fürder brieff und löset mich auß der herberg, do jch bey einen gulden verzehret hab." Neben den Etappen seines Weges, der ihn nach Antwerpen, Mecheln, Brüssel, Brügge und Gent führte, erwähnt Dürer Kollegen, Gelehrte, Handelsherren und Patrizier, die ihn während der rund ein Jahr dauernden Reise empfingen, und er beschreibt Orte, die er besuchte. Akribisch festgehalten werden zudem anfallende Ausgaben für Quartier und Verpflegung sowie sporadische Einnahmen durch den Verkauf mitgeführter Druckgraphik - indirekte Hinweise auf die finanziellen Gründe, die Dürer zu seiner Reise bewogen: Er hatte von Kaiser Maximilian (1459-1519) ein Privileg erhalten, das ihm ein jährliches Einkommen von 100 rheinischen Gulden aus Steuereinnahmen der Reichsstadt Nürnberg sicherte. Dieses Privileg wollte sich Dürer nun nach Maximilians Tod von dessen Nachfolger bestätigen lassen, weshalb er zur Krönung Karls V. (1500-1558) im Oktober 1520 in Aachen weilte. Ob es zur erhofften Erneuerung des Privilegs kam und die Reise damit ihren eigentlichen Zweck erfüllte, lässt sich online nachlesen: Zwar ist die Originalhandschrift Dürers verschollen, glücklicherweise waren jedoch bereits im 16. und 17. Jahrhundert zwei Abschriften des Reisetagebuchs angefertigt worden. Eine davon verwahrt die Staatsbibliothek Bamberg. Das Bamberger Manuskript gelangte 1849 durch das Vermächtnis des Bamberger Kunstsammlers und Sammelkünstlers Joseph Heller in die Bibliothek. Das im Online-Portal "Bamberger Schätze" frei verfügbare Digitalisat der Abschrift verlinkt unter anderem auf eine Transkription der Reisebeschreibung, die Friedrich Leitschuh, Bibliotheksleiter von 1874 bis 1898, besorgte. Zusätzlich sind die im Tagebuch erwähnten druckgraphischen Arbeiten Albrecht Dürers aufgelistet und - ebenso wie die datierte Reiseroute - auf die relevanten Stellen im Tagebuch verlinkt. Das Digitalisat, das eine ebenso vergnüglichen wie erkenntnisreiche virtuelle Reise ermöglicht, ist auf der Homepage der Staatsbibliothek Bamberg verlinkt: www.staatsbibliothek-bamberg.de Direkter Zugriff: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:22-dtl-0000001897