Sturmböen mit bis zu 85 Stundenkilometer haben den Hallstadter Gaudiwurm weggefegt. Nicht wörtlich. Aber um nicht zu riskieren, dass lose Dachziegel Zuschauer oder Teilnehmer verletzen, wurde der dritte Faschingsumzug abgesagt, kurz bevor sich die Akteure auf den Weg machten. "Sicherheit geht vor", stellt Manuel Reitberger, Vorsitzender des 1. Hallstadter Faschingsvereins klar.

Sonntagabend hatte Reitberger von der Sturmwarnung erfahren und schon eine gewisse Befürchtung, dass der dritte Gaudiwurm womöglich doch nicht loszuziehen würde. Dann, Montagvormittag, Krisengipfel mit Stadtverwaltung und Feuerwehr. Eigentlich sollte alles in 15 Minuten geklärt sein. Man überlegte hin und her, wägte ab, um dann letztlich einstimmig - Zweiter Bürgermeister, Ordnungsamt, Feuerwehr und Faschingsverein - für die Absage zu votieren.


Die Unwetterwarnung galt für den ganzen Tag, so Reitberger, und Sturmspitzen mit bis zu 85 Stundenkilometern waren vorhergesagt. Angesichts dessen, dass sich der Zug durch eine ganze Reihe alter Häuser bewegen würde und im vergangenen Jahr schon einmal Ziegel vom Kirchturmdach geweht worden waren, wollte man kein Risiko eingehen, "der Faschingsverein als Veranstalter wäre haftbar."

Also ging man so schnell wie möglich an die Öffentlichkeit - über soziale und weitere Medien. Natürlich mussten die Teilnehmer umgehend benachrichtigt werden, die "sehr unterschiedlich" auf die Absage reagierten. Mit Ende des Krisengipfels war auch die Bühne am Marktplatz fertig aufgebaut, um umgehend wieder zerlegt zu werden. Denn die hält nur Windgeschwindigkeiten bis 74 Stundenkilometer aus. Damit ging DJ und Tanzgarden das Podium verloren. Aber mit Absage des Faschingszuges wurde auch die gesamte Vereins-Veranstaltung abgesagt, so Reitberger.

Wäre da nicht der SV Hallstadt. Der fuhr seinen Wagen nach Rücksprache mit dem Faschingsverein dennoch auf den Marktplatz. "Wir sind die einzigen und lassen uns den Fasching nicht verderben", so Olaf Wessel vom Vorstandsteam.

So ist es auch der SV-Wagen, der einsam, aber nicht verlassen am Marktplatz die Faschingsleute anzieht und Stimmungslieder katapultiert. "Jetzt ist es die SVH-Veranstaltung", zeigt sich Reitberger einverstanden. Stände am Marktplatz werden kurzfristig verlegt, so dass noch eine Art Party-Zone entsteht.
Auch Daniel Neimann, Robin Kurz und Christian Schuller vom SV mischen mit, nachdem der Trainer den Zwölfjährigen versicherte, dass doch noch was in Sachen Fasching geht. Zuvor haben sie tapfer am Startpunkt des Umzugs an der Schule ausgeharrt.


Bis zu 6000 Besucher

Bei gutem Wetter hätten es heuer sicher auch mal 6000 Zuschauer sein können, bei nur mäßigem bestimmt 3000, so Reitberger. Um sicherzugehen, dass wirklich der letzte Gast über die Absage informiert wird, begibt er sich mit der Feuerwehr auf Tour. Aber siehe da: Kaum jemand am Straßenrand.

"Wir waren schon angezogen, dann haben die Nachbarn gesagt, dass der Umzug ausfällt, jetzt gehen wir halt spazieren", zeigt sich eine älteres Ehepaar flexibel. Erst auf dem Weg zum Marktplatz haben die als Männer verkleideten Hallstadterinnen Anni und Gundi - von abziehenden Waizendorferinnen von den Änderungen erfahren. "So schlecht ist das Wetter doch gar nicht", finden die reiferen Damen. "Was, der Zug findet nicht statt", hören wir einen Papa am Marktplatz fragen. Wegen der Kinder ist er von Reckendorf gekommen. Jetzt bleibt die Familie ein bisschen am SV-Wagen, von dem es Kamelle satt regnet, dem einsetzenden Regen zum Trotz. Nicht ganz unfroh über die Absage sind Gardemädels aus Stegaurach, "da erkältet man sich nicht, im Regen macht es keinen Spaß."

Sie müssen sich noch schminken, für einen Auftritt beim Kinderfasching. Zu dem gehen sie nach einem kurzen Plausch mit zwei netten Herren vom "Soli"-Stammtisch. Alle Fast-Akteure zeigen sich verständnisvoll, "die Entscheidung war richtig, Sicherheit geht vor." Das findet auch Edna Kircher, die mit dem Johanniter-Team am Marktplatz bleibt, auch wenn die Veranstaltung des Faschingsvereins jetzt nicht stattfindet und zur SVH-Party mutiert ist.
Und was macht der Faschingsverein? Mitfeiern und dann den Vereinswagen umbauen. Dann könnte man erstmals in Bamberg mitfahren; gestern wurde noch schnell nachgemeldet. "Wir haben ja noch so viel Kamelle und die läuft heuer ab", so Reitberger. Bitter ist es freilich, dass drei Monate Vorbereitung vergeblich waren. Jetzt muss man auch sehen, auf welchen Kosten der Verein sitzen bleibt. "Sicherheit geht vor!"